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Der Israelit · 1870-06-22 · Heft 25 (22.6.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 25 (22.6.1870)
Date
1870-06-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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470 Men, um Raub zu verhüten; doch kaum hatte dies der Polizei-Präfect «ahrgenomrnen, als er mit zahlreicher Polizeimannschaft mit gezücktem Schwerte sich auf die Commis stürzte, von denen viele verwundet wurden, die übrigen sich flüchteten. Nun verbreitete sich durch die Stadt ein Lärmen und Toben und ein Fensterftnrm. -Die Studenten warfen Steine in die Fenster, rissen die Fensterrahmen aus, zerbrachen die Gitter, die Thüren, fielen iu die Wohnungen der Juden ein, schlugen grausam, was darin lebte, zerstörten, was sie erblicktem sticht das Flehen der Väter, nicht das Wehklagen der Mütter, nicht das herzbrechende Geschrei der Kinder vermochte sie auszuhalten. Es gibt kein .Hans, in das sie eindrangen, wo nicht Blut geflossen wäre. Die Zahl der Verwundeten zählt nach Hunger t er t e m(D Was that die Polizei dagegen? Nichts! doch nein, sie machte es noch schlimmer, als wenn sie gar nichts gethan hätte; wäre sie gar nicht eingeschritten, so hätten die Juden, deren es hier mehr gibt -als Christen, sich selbst vertheidigcn können; doch dies darf ja nicht geschehen, wo eine gute Polizei exiftirt, die Juden muhten in ihre Wohnungen getrieben werden, damit sie einzeln überfallen und blutig geschlagen werden konnten. Zwar gab sich die Polizei den Schein, als., verfolge sie Judenfresser, doch wurde kein Einziger festgenommen,' obwol die Zahl der Polizcimannschaft und der Doborauzen die der Excedentell überragte. Es schien im Gegentheile, als diene Polizei ulld Militär dazu, den Studenten zu sagen, daß es da genug und Zeit wäre, eine andere Gasse zu besuchen? Denn in der That stürmten die Studenteil voraus, Polizei und Militär hinterher. Bis Mitternacht währte der Höllenlärm und das „Hnrrah" der Studenten, sowie das verzweifelte Wehgeschrei der wehrlosen jüdischen Bevölkerung. Der Jude, der sich vor oder iu seiner Wohnung zu vertheidigerr unterfing, wurde von dell Stadtsergeauten geschlagen uitb arretirt. — 30. Mai. Gestern um 8 Uhr Vormittags gab*- einen neuen Tumult. Aufgehetzte Pöbelbanden, durch die Aussicht auf Raub durch die Excedenten der -früheren Tage gewonnen, wurden von einzelnen Stu- -deuten gegen dir Juden geführt; Alle waren mit Knütteln bewaffnet. Allerdings erschien der Polizei- Präfect mit zahlreichen Agenten, welchen ein Dorobanzen-Offizier mit 30 Dorobanzen folgte; doch diese, Oatt die Excedenten festzunehmen und die Wehrlosen zu schützen, schlugen selbst auf die Jlckeu. Viele Juden, die an der Thür ihrer Wohnungen standen , um die Angreifer zurückzuweisen, wurden auf Befehl des ..allmächtigen Herrn Polzei-Präfecten arretirt. Die heutige Nackt verlief wider Erwarten ganz whne Ruhestörung. Die Stadt ist w-eder be>ebt. Doch herrscht unter der jüdischen Bevölkerung noch ämmer große Aufregung, nicht wegen des Geschehenen, sondern das Kommende macht bange; mit großer Beunruhigung wird dem Verlaufe der nächste« Nacht entgegengesehen. Noch wagt es - keine Familie, die Nacht in ihrer Wohnung zu verbringen. Der Präfect der Administration, welcker sich bis jetzt auffallend energielos benabm, fährt nun unauSgefcht durch die Straßen, um die aufgeregten Gemüther zu beruhigen; er hat vorläufig 160 Grenzer aus der Umgegend, auch 50 Reiter zusammengezogen; von Dorohoi kamen auch bereits 40 Mann; so beläuft sich die vorläufig hier vorhandene Truppenmacht auf 300 Mann, die hiesigen Dorobanzen mitgerechnet; mit jeder Stunde erwartet man das Eintreffen von einigen hundert Mann Cavallerie. Die zusammengezogenen Truppen sollen, wie es heißt, bis nach den Wahlen hier bleiben, auch länger, sollte die Ruhe der Stadt solches erfordern. Es sind uns noch folgende Nachrichten zugegangenr Ans Bnkaraft, 8. Juni, wird uns geschrieben: Als die Anhänger von Bratiano und Nosetti heute in einigen Wahlbezirken die Bemerkung machten, daß sie bei den Wahlen des zweiten Collegiums wieder stark in der Minorität bleiben werden, machten sie einen Versuch, einen Straßen-Krawall herveizuführen, um alsdann, die Wahlen für nngiltig zu erklären. E mge dieser Leute liefen durch die Straßen, prügelten mehrere Inden und riefen „Revolution". Die Gewölbe wurden sofort geschlossen, aber bald wieder geöffnet, nachdem einige berittene Polizei-Soldaten die Unrubestifter verjagt hatten. Ein anderer Haufen von „Rothen" rottete sich vor: dein Munizipalitäts-Gebäude zufannnen und schrie: „Nach dem Ministerium?" Wäre der Marsch dahin angetreten worden, so hätte die Demonstration vielleicht größere Dimensionen angenommen. Plötzlich aber erschien der Minister-Präsident Epnreanu mitten unter den Tumultuanten und fragte nach, ihrer» Begehren. Es folgterr nun die täglich im „Romaunl" zu lesenden Klagen. Herr Epureanu gab sein Ehrenwort, daß ihrn von einer Einmischung der Polizei in die Wahlen nichts bekannt sei, ebensowenig, daß die Wähler vom Agenten durchgeprügelt wurden. Schließlich versprach der Minister aber doch Abhilfe, und Nachmittags erschien eine ministerielle Proklamation, welche anordrreter 1. daß in der Nähe der Wahlbureaus je ein Staats- Anwalt und ein Polizei - Colmnisiär ftationirt werden: würden, welche bei vorkommenden Vergewaltigungen einschreiten sollen; 2. daß zur Verhütung von Unordnungen die Nationalgarde 300 Schritt vor den Wahlbnreaus postirt werden soll und außerdem in größerem Entfernung Linientruppen bereit gehalten werde»; 3. dem Uebelftande, daß Unberechtigte sich bei den Wählst, betheiligen, könne der Minister nur thcilrveife akheffei^

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