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Der Israelit · 1870-06-22 · Heft 25 (22.6.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 25 (22.6.1870)
Date
1870-06-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XI. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 25 des Israelit. ---tifc ■! III ■■■.!!■!■ . ■■ I ... .... Leitend er Artikel. Rumänische Anstande. (Aus der N. Fr. Pr.) Bottuschan (Rumänien), 30. Mai. Zu dem (bereits veröffentlichten) ersten Berichte Aber die Judenverfolgung, deren Schauplatz unsere sonst so friedliche, ruhige Stadt gewesen ist, ist noch Folgendes nachzutragen: Schon seit Wochen sind hier die Judenhetzen an der Tagesordnung. In den Volksgärten gehen die Studellten, bewaffnet mit Stöcken zu Hunderten herum; wo sie einem Juden begegnen, mißhandeln sie ihn; nimmt eine jüdische Familie an einem Tische Platz, um etwas zu genießen, so regnet eS gleich Steine. Dies Alles geschieht unter den Augen der Polizei. Beschweren sich die Juden bei dem Polizei-Commissär, so geht sein Diensteifer so weit, daß er eine Weile pfeift, worauf die Polizei-Agenten, das Signal verstehend. sich eiligst — entfernen. Den Juden wird nun gesagt, sie thäten besser, zu Hause zu bleiben, welchem wohlgemeinten Rathe die Juden in entsprechender Weise Nachkommen. Kommen aber Einzelne dennoch in den Garten, wähnend, die Gemüther werden schon beruhigt, oder auf den Schutz der Polizei, welche im Garten stets vertreten ist, vertrauend, so werden sie von den Studenten thätlich insultirt und hinausgejagt. Fällt es einem mißhandelten Juden ein, sich zur Wehre zu setzen, so dient die Sicherheitswache dazu, den Juden bei den Haaren unter einem Hurrah der Studenten hinauszuführen. So, seit die mildere Jahreszeit begonnen. Am 22. d., am Krönungstage des Fürsten, hieß es allgemein, werde eine allgemeine Erhebung gegen die Juden stattfinden. Die Stadt war wie gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten glänzend illuminirt; auf dem Ringplatze, wo das Bildniß des FürstenpaareS an einem Laubthurme aufgestellt war, spielte die städtische Pompier-Mustkbande, Pechfässer wurden angezündet, Feuerwerk angebrannt. Dorvbanzen, Stadtsergeanten und Pompiers waren in allen Straßen zu Pferd und zu Fuß angestellt, der Polizei - Präfect und die Polizei-Commissäre flogen hoch zu Ron durch die Stadt, aber der scharfsichtige und aufmerksame Beobachter erkannte sogleich, daß etwas erwartet werde. Die jüdischen Bewohner, durch die ausgestreuten Gerüchte eingeschüchtert, zeigten sich anfangs nur einzeln, doch später, auf die militärischen und polizeilichen Vor-. kehrungen rechnend, mischten sie sich auch unter die Zuschauer. .. Kaum war das geschehen, als eine Bande von mehr als hundert Studenten lärmend die Stadt durchzog; an der Spitze dieser Bande gingen die beiden berüchtigt gewordenen Rädelsführer, von denen der eine Gewürzkrämerssohn, Schüler der siebenten Gymnasial-Classe, der Zweite ein Kürschnerssohn und ebenfalls Gymnasiast ist. Ungefähr 20 Handlungscommis, die der Illumination beiwohnten, traten nun zusammen und durchzogen ebenfalls, doch geräuschlos die Stadt. Doch so etwas kann ja von der Polizei nicht geduldet werden, wozu wäre sie denn da, wie dürfen Juden sich zu vertheidigen unterstehend Schnell erschienen der Polizei-Präfect und viele Polizei-Agenten und lenkten ihre Rosse gegen die Juden, worauf sich die Letzteren zerstreuten, während die Studenten in ihrem Vergnügen nicht im geringsten gestört wurden. Einzelne Juden, die ihnen in die Hände kamen, sind schrecklich zugerichtet worden Seit jenem Abende verging kein Tag, wo nichtein neues Heldenstückchen von den, Studenten ausgeführt wurde. DaF es aber damit nicht genug sei, daß sie blos Werkzeuge Anderer, daß die Judenhetze nicht Selbstzweck sei, verkünden sie offen Jedenr, der ihnen nahesteht. — 29. Mai. Gestern um etwa 7 Uhr Nachmittags hörte man plötzlich aus einem von Juden zahlreich bewohnten Stadtviertel einen großen Lärm. Die Studenten waren dahin gekommen, hatten Fenster eingeschlagen, Thüren erbrochen, Männer und Frauen geschlagen, Greise und Kinder nicht verschont. Etwa 30 Dorobanzen unter einem Offizier gingen dahin, doch waren die Studenten bereits verschwunden, um in einer anderen Gasse diesen Prozeß zu wiederholen. Vor dem offenen Laden eines Zuckerbäckers stellten sie sich auf; unten auf der Straße standen ungefähr 50 Dorobanzen, der Polizei-Präfect und viele Agenten. Einer der Rädelsführer stand mit dem commandirenden Dorobanzen- OfficierArm in Arm; ein Jude, den der Weg vorüberführte, bekam von ihm einen solchen Schlag mit dem Stabe, daß er, am Kopfe schwerverwundet, zu Boden stürzte und weggetragen werden mußte, während von den Dorobanzen wie auf Commando ein schallendes Gelachter und von der Studenten-Partei ein weitklingendes „Bravo" ertönte; damit war die Sache abgethan. Bei dieser Scene war ich Augenzeuge. Unter der jüdischen Bevölkerung herrschte die größte Auflegung; man wollte sich zufammenrotten, um Widerstand zu leisten, doch wo sich drei Juden beisammen zeigten, wurden sie von der Polizei zerftteut. Nur auf der sogenannten Leipziger Brücke, wo alle Waarenlager sich befinden, und die Juden ihr ganzes» Vermögen haben, traten ungefähr 100 Commis zusam-

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