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Der Israelit · 1870-06-22 · Heft 25 (22.6.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 25 (22.6.1870)
Date
1870-06-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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467 aufgesetzt. jWas wollen Sie? Heraus damit und ohne Umschweife. Viel Zeit habeich allerdings nicht!" „„Ich iwerde mich so kurz wie möglich fassen. Sie kennen mich, Herr Wolfsohn, seit vielen Jahren. Sie wissen, daß ich ein redlicher, fleißiger Kaufmann bin, daß ich mich quäle Tag und Nacht. Allein, ewiü nicht recht vorwärts mit mir. Seit der jüngsten Krankheit meiner Frau bin ich vollends znrückgekom- Men. Nicht allein das viele Geld für Doetor, Apotheker, Wärterin, die theure Pflege — ich selbst war in meinen Geschäften gestört, und nun hat es Gott über mich verhängt, daß ich einen für mich unendlich unangenehmen Schritt khun muß! Weiß Gott, es fällt mir schwer, allein ich kann nicht anders)' ich..... Wahrend Ruhdorf so sprach, hatte der reiche Banquier einen Fünfthalerschein aus einer vor ihm stehenden Schatulle genommen und reichte ihn jetzt dem Bittenden. Dieser aber machte eine abwehrende Handbewegung. „Herr Wolfsohn," sagte er, „Sie mißverstehen mich; so weit ist es, Gott sei Dank, noch nicht mit mir gekommen, daß ich um Almosen zu betteln nöthig hätte. Möge mich der Allgütige auch immer davor bewahren!" „Was wollen sie denn?" fragte Wolfsohn barsch. „„Wie Sie wissen, Herr Wolfsohn, besteht in unserer Gemeinde ein Vermächtniß, welches der selige Gabriel Wiener für redliche, fleißige Kaufleute, die in ihren Geschäften unverschuldeter Weise zurückzekommeN sind, begründet hat. Es ist seit lange kein Gebrauch davon gemacht worden, und die disponiblen Zinsen müssen sich zu einer nicht unbedeutenden Summe angehäuft haben. Zudem hat Bernhard Hahn, der vor fünf Jahren aas den Mitteln dieses Legats unterstützt worden, nachdem ihn Gott in seinen Geschäften gesegnet hat, die erhaltene Summe zurückerstattet."" „Es ist wahr, es ist gegenwärtig viel Geld da vorhanden." „„Nun, Herr Wolfsohn, auf diese Wohlthat möchte ich Anspruch machen. Sie haben als einer der Vorsteher unserer Gemeinde die Verwaltung der Stiftungen. Ich habe ein Bittgesuch aufgesetzt; befürworten Sie gütigst dasselbe bei der nächsten Vorstandssitzung. Auch ch werde die mir zu Theil werdende Summe nur als einen Vorschuß betrachten und sie dem Fonde des Legats zurückerstatten, wenn Gott mir Masel und Brochoh gibt."" „Mein lieber Herr Ruhdorf, ich bin in der Verwaltung der mir anvertrauten Gelder sehr gewissen^-' hast; ich kann Ihr Gesuch nicht befürworten." „„Sie können mein Gesuch nicht befürworten? Und warum denn nicht? Entsprechen nück».Verhältnisse nicht all den Bedingungen, welche d<^Testament stellt? Bin ich nicht ein redlicher, fleißiger, ohne mein Verschulden zurückgekommener Kaufmann?"" ^Redlich sind Sie, ja; Ich würde Sie ohne Bedenken hier in meinem Cabinei bei dieser Schatulle allein lassen, die viele Tausende enthält und deren Inhalt ich noch nicht genau kenne. Ehrlich sind Sie, das müssen Ihnen Ihre Feinde lassen." „„Und doch behaupten Sie, mein Gesuch nicht befürworten zu können?"" „So ist es, mein lieber Mann, denn Sie find ein Faullenzer!" „„Herr Wolfsohn, ich, ein Faullenzer? Sie setzen mich ebenso in Erstaunen wie Sie mich beleidigen! Ich arbeite Tag und Nacht, fast mehr, als meine Kräfte erlauben. Früh Morgens ist mein Laden geöffnet bis spät in der Nacht und dann noch gönne ich mir keine Ruhe, bis ich meine Bücher geordnet, meine Correspondenz erledigt habe."" „Und dann, wenn Sie Abendbrod gegessen habe«, bringen Sie noch einige Stunden mit Gemöro «ad MischnajoS und Chummesch mit Raschi zu. Sie sehen, ich kenne Sie ganz genau. „„Und dennoch nennen Sie mich einen Faullenzer?"" „Ja, ja, mein Lieber und das mit vollem Rechte! Warum ist Ihr Laden am Sonnabend geschloffen, warum legen Sie Sich die vielen Feiertage auf die Bärenhaut? Wie können Sie hoffen in unserer so anstrengende Thätigkeit erfordernden Zeit vorwärts zu kommen, wenn Sie feiern an den besten Geschäftslagen? Nein, mein Bester, Sie sind nicht ohne Ihr Verschulden zurückgekommen!" „„Nicht wahr, Herr Wolfsohn, Sie scherzen?"" „Im Gegentheile, es ist mein bitterer Ernst. Ich werde das Geld jener Stiftung nicht dazu hergeben, daß Sie am Sonnabend sich wohlthun, während Andere sich quälen." „„Ich kann nicht glauben, daß Sie mir ernstlich einen Vorwurf daraus machen, daß ich die Gebote unseres Gottes halte, daß ich den Sabbat heilige."" „Gehen Sie mir doch mit Ihren veralteten Ideen! Was, Gebote Gottes? Ueberbleibsel einer längst entschwundenen Zeit sind es. In unserer Zeit der Eisenbahnen und Telegraphen kann das Geschäft und der Verkehr nicht jede Woche einen Tag stille stehen. Was sage ich einen Tag? zwei Tage sind eS, denn am Sonntage müssen Sie ohnehin Ihren Laden geschloffen halten. Da war vor einigen Wochen Laubhüttenfest; es fiel an Montag und Dienstag. Da halten Sie also nacheinander Sonnabend, Sonntag, Montag, Dienstag geschloffen und in der nächstfolgenden Woche wieder so. In elf Tagen acht Feiertage und drei Arbeitstage! Ist das nicht eine Sünde und Schande? Und außerdem: während dieser drei Arbeitstage haben Sie noch viel mit Snkoh und Lutew und anderm Firlafanz zu thun gehabt! Können Sie das

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