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Der Israelit · 1870-06-22 · Heft 25 (22.6.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 25 (22.6.1870)
Date
1870-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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\. \ teit — denn er hatte dazu nicht das geringste Geschick — für ihn gesorgt, »im Tode gefolgt. ES war dieses eine Frau, einzig in ihrer Art. Gemüthvolle, mildherzige Frauen sind nicht selten; aber «S gibt Frauengemüther voll unergründlicher Tiefe und mit einer ganzen Welt voll Liebe und Milde im Herzen, eine solche Frau war die genannte. Die Tochter eines armen polnischen Melamed's, der sich in jener Gegend angesiedelt, und im zehnten Lebensjahre schon verwaist, hatte sie von da an bis zu ihrem zwanzigsten in fremden Häusern gedient bis sie den Mann ihrer Wahl und Liebe, meinen sel. Vater heirathete, der gleich ihr bis dahin in fremden Diensten gestanden. Dr. Rülf. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Pesth. Die Congreßpartei setzt gegenwärtig alle Hebel in Bewegung, um wo möglich denB^chluß des Landtags, der ihren Bestrebungen ein Ziel gesetzt, rückgängig zu machen. Sie sammelt Gutachten von Reformrabbinen, die beweisen sollen, daß die berüchtigten Congreßftatuten nichts Religionsgefährliches enthalten. Aber was wird der Congreßpartei diese Agitation uützen? Die Orthodoxen werden sich durch die Gutachten der Reformrabbinen ebensowenig von der Nützlichkeit des Statuts überzeugen lasten, als umgekehrt die Neologen durch die Gutachten der orthodoxen Rabbiner die Schädlichkeit desselben begreifen wollen. Und der Landtag und Franz Deak werden gerade dadurch erfahren, daß nicht bloS in Ungarn, sondern auch im Ausland zwei Parteien im gegenwärtigen Judenthum existiren und daß darum der Beschluß des Landtags um so gerechter war. Man schreibt aus Fünfkirche«, 11. Juni; Im hiesigen öffentlichen allgemeinen Krankenhause, auch Büraerspital genannt, lag seit zwei Monaten ein armes Mädchen, israelitischer Konfession, krank. Als die Patientin ihre letzte Stunde kommen sah, gab sie durch Zeichen und unartikulirte Laute zu verstehen, man möge um einige ihrer Glaubensgenossen schicken. Der Spitalsdiener machte sich sofort aus den Weg, und es gelang ihm, vier jüdische Frauen aufzutreiben, die sich augenblicklich in's Spital begaben. Dort angekommen, wollten sie sich der Sterbenden nähern, wnrden aber von einer „Grauen Schwester", deren Orden die Krankenpflege anvertraut ist, mit den Worten zurückgehalten: „Es ist zu spät, die Kranke ist bereits getauft!" Bald verbreitete sich diese Nachricht in der ganzen Stadt, und gelangte auch zur Kenntniß der Jsraeliten-Gemeinde, welche unverzüglich alle Hebel in Bewegung setzte, um die Leiche aus dem Spital zu requiriren. DerBürgermeister ordnete eine strenge Untersuchung an und ließ die Repräsentanten der Stadt zu einer Berathung 465 zusammenbemfen; doch es war umsonst. Die einmal vollzogene Taufe ist nicht mehr ungeschehen zu machen. Die Getaufte wird heute oder morgen auf dem katholischen Friedhof beerdigt. (W. Frmdbl.) Zwischen einem Butsch owitz er Israeliten und der bei ihm wohnenden christlichen Partei entstand am 12. d. ein Streit, der die Veranlaffung zu einem gegen den Hausbesitzer sofort in Scene gefetzten Exceß mit größeren Dimensionen gab und mit dem obligaten Fenstereinschlagen rc. endete. Nur dem energischen Einschreiten des Gemeinderathes Herrn Franz Racek der von dem Med. vr. R atz ek energisch unterstützt wurde, ist es zu danken, daß der Demolirungswuth der Maffe Einhalt gethan wurde, und daß dieselbe überhaupt auf dies eine Objekt beschränkt blieb. Die Interventionen der Gendarmen unter der tüchtigen Leitung des Postenführers, wirkte blos momentan und gab die Arretiruug eines Renitenten bis spät in die Nacht noch Veranlaffung, daß selbst die Gendarmerie die Massen zu beruhigen nicht im Stande war. Von der Haltung der Bevölkerung kann nicht dasselbe wie vom Gemeinderath Racek und Dr. Ratzek gesagt werden. Denn dieselbe war nichts weniger als „judenfreundlich" sondern gemahnte stark an Horzowitz. Donaufürstenthümer. Berlad, den 27. Mai. In Nr. 20 Ihres geschätzten Blattes habe ich einen dem rum. Moniteur entnommenen Bericht über die Tekutscher Affaire gelesen, der ob seiner grellen Lügen und wegen gänzlicher Verdrehung der höchst traurigen Katastrophe mich derart empörte, daß ich mich gezwungen fühle, als persönlicher Zeuge dieses Schauspiels, Ihnen eine wahrhafte Schilderung dieses so höchst tragischen Ereigniffes zu liefern. Vor Allem muß ich bemerken, daß der dem rumän. Moniteur entnommene Bericht aus der Feder des modernen Haman, des Ex-Minister Golesco ist, folglich ein Gewebe voll Lug und Trug sein muß. In Wahrheit ging es folgendermaßen zu: Am 24. April während der rum. Osterfeiertage versammelte sich ein Pöbelhaufen und auf einmal hörte man die schreckliche Parole: „Nieder mit den Juden". Ad bonam initionem zogen die wilden- Horden sogleich in's Bethans, schleppten die Thora's aus der heiligen Lade, zerriffen einige in Stücke, einige wurden im Gassenkothe ausgebreitet, und im Freudentaumel ein Nationaltanz (Hora) ausgeführt. Ad bonam memoriam demolirten sie das Gebäude bis auf's Fundament. Ein Aehnliches verübten sie in einem zweiten Bethause. Jetzt hieß es: In die Häuser! Kein jüd. Haus wurde verschont, überall wurde geraubt, Möbelstücke vernichtet und sowohl der Säugling als auch der Greis mißhandelt. Die armen Beraubten ergriffen in eiliger Hast die Flucht und nur einige Familien wagten zu bleiben, in der

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