Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1870)
- Date
- 1870-06-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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458 heitömaschinen; Israeliten imIudenthume gründlich bewanderte und darnach lebende Israeliten zu erziehen, — das hielten sie nicht für ihren Beruf. Eine Jugend, die so bar alles jüdischen Wissens, so leer von Gott und seinem Gesetz die Schule verläßt, ist selbstverständlich mit einigen Ausnahmen für das Judenthum verloren. Soll die Predigt sie bessern, nachträglich dem Judenthum erziehen, — was v rmag das Wort selbst des beredtesten und frömmsten Mannes auf taube Ohren und steinige Herzen? Lebendige Theiinahme an dem G r»en und Empfänglifür ^as Wort von der Kanzel ist nur da zu erwarten, wo die Schule den Grund dazu gelegt, wo der junge Mensch, ehe ihn ir><$ das unjüdische Leben der Außenwelt verdorben, durch und durch für das Judenthum bea>beitet, wo durch das tagtägliche befassen mit unseren h iligen Schriften, und das tagtägliche Ermahmen des Lehrers das Strebs>, und die Sehnsucht in ihm erweckt worden, die Pstichten des Israeliten immer besser kennen, verstehen, würdigen und ausüben zu lernen. Auf diesen Unterschied zwischen schule und Kanzel, zwischen Jugendlehrer und Volkslehrer macht uns schon das Wort Gottes bedeutungsvoll aufmerksam: Daniel 12, 3 „Die Weisen werden strahlen, wie Strahlen des Himmels, aber die, welche Viele zur Wahrheit nnd Gerechtigkeit erziehen*) wie Sterne werden ste glänzen ewiglich und immer." Die Weisen, die Gelehrten, die werfen Strahlen über dunkle Gänge, bringen Licht in den nach Licht sich sehnenden geistigen Menschen. Wer also schon im Voraus ein inniges Verlangen hat, nach deutlichere Erkenntniß von unsrer erhabenen Bestimmung als Menschen und Israeliten und von dem Psiichtenkreise, als der Peripherie um diese Bestimmung, der und nur der wird sich an dem belehrenden Worte der Weisen erbauen Die Weisen werfen Strahlen — ihr Lohn ist: „wie die Strahlen des Himmels werden sie leuchten." Aber die mpun hd^d die Jugendlehrer, welche nicht nur leuchten dem nach Licht sich Sehnenden, sondern das Herz der Kleinen zuvörderst anbauen, urbar und empfänglich machen für die großen Wahrheiten der Religion und in der Schule tagtäglich anspornen zum thatkräftigen jüdischen Leben und Wirken — sie stehen viel höher als alle MaSkilim und DolkSlehrer, sie gleichen nicht Strahlen, sie sind ja die eigentlichen Lichter, die Lichtquellen, von welcher die später» Strahlen ausgehen, — sie gleichen darum „den leuchtenden Sternen ewiglich *) Das sind die Iugendlehrer Baba- Batra 8. und immer." Sie gleichen Sternen, die unserm schwachen Auge wie sehr kleine Lichter Vorkommen und doch in dir Wirklichkeit so groß sind. Meine werthe Zuhörer! Ihr fühlt es ohne mein Bemerken, daß, soviel auch spätere gründliche Ausbildung in höhern Schulen zum geschäftlichen und gesellschaftlichen oder amtlichen Leben und Wirken auch befähigt und euere Kenntniß von Welt und Menschen erweitert und bereichert haben mag, — den Grund dazu, der erste Pfleger eurer geistigen Kräfte, hat der I u g e n d l eh r e r gelegt, der Jugendlehrer, welcher die wichtigste Entwickelungsperiöde des Kindes vom 6. bis zum 14. Jahre einzig und allein zu leiten hat. Aber nun vollends, m. F. euern Sinn und Eifer für jüdisches Lebe» und Wirken, für Wohlthätigkeit, Sittsamkeit, Mäßigkeit, Bescheidenheit, Redlichkeit und ganz vorzüglich euere Kenntniß von unserm heiligen Schriftthum — saget, wem anders hättet ihr sie zu verdanken, als euerm, 50 Jahr in ununterbrochener und unermüdlichen Thätigkeit wirkenden, Jugendlehrer? Ist sie auch gering die Zahl der Jahre, in denen ich mich der Revision seiner Schule erfreue, an Beweisen für seinen Diensteifer, für seine segensreiche Wirksamkeit und namentlich für sein erfolgreiches Streben, Juden ru bilden, in der Thora gründlich bewanderte und nach ihren Gesetzen lebende Juden zu bilden, ist sie so reich, wie eine ganze Lebenszeit. Der wahren Devise der jüdischen Pädagogik pN "pn oj; mm ns» „Zeitgemäße Bildung im Einklänge mit dem Judentbum" oder „die Vermählung des Irdischen mit dem Göttlichen", ist er vom Anbeginn seines Wirkens bis auf den heutigen Tag treu geblieben. Auch was ErziehungS- und Unterr.ichtS- Meth o de betrifft, ist er frei geblieben von der doppelten Raserei unsrer Zeit: entweder an alle Meinungen, Ansichten und Formen früherer Jahrhunderte ohne Wahl festzuhalten, oder immerfort mit neuen Meinungen und Formen zu wechseln, um nur Neues zu versuchen und mit Neuem zu glänzen. Er hielt daS Alte bei, wo es zweckdienlicher als das Neue, und ergriff daS Neue ohne Vorurtheil, wo eS zweckdienlicher als daS Alte ihm schien. Hat er so mit hellem Geiste und reichem frommen Gemüthe ein Geschlecht zu erziehen vermocht, das die jüdische Gemeinde Halber st adt über viele andere Gemeinden erhebt: so ist ja die Huldigung, die wir ihm heute öffentlich und privatim bringen, eine schuldige Dankbarkeit unserer Gemeinde für das Gute und Edele, das durch seine Bemühung in unserer Mitte waltet, aber auch zugleich eine Aufmunterung für Sie, würdiger Jugendlehrer, mit der Ihnen vom Himmel verliehenen ungeschwächten Körper- und Geisteskraft auch fernerhin zum Segen der