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Der Israelit · 1870-06-15 · Heft 24 (15.6.1870) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 24 (15.6.1870)
Date
1870-06-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XI. Jahrgang. Extra-Beilage zu Rr. 24 des Israelit. S c ft v c d c des Rabb. Dr. M. K. Auerbachgehalten in der Synagoge zu Halberstadt am Tage des fiinszigjährigen Lehrer-Jubiläums des Herrn Oberlehrers Gerson Lasch zu Halberstadt. •p"sb -ot^ ur nttns p‘‘w Andächtige! Eine hehre Feier ist'S, die uns in dieser Stunde in unserm Heiligthume versammelt, eine Feier, wie keiner von uns einer ähnlichen sich erinnert, eine Feier, wie sie vielleicht in hiesiger, gleichwohl mindestens 760 Jahre existirenden Israeliten - Gemeinde noch nie stattgefunden; eine Feier, welche zwar zunächst nur zur Ehre eines Einzelnen veranstaltet ist, aber weil aus der Werkstätte dieses Einzelnen die ersten Strahlen der Herzens- und Geistesbildung, der die ersten Keime wahrhaft jüdischen Lebens und Denkens dem größten Theile der jetzt lebenden Generation unserer Gemeinde hervorbrachen, einen Hochgenuß, eine Seelenweihe für die ganze Gemeinde bildet; eine Feier, die sowohl von der Würde und der Berufstreue des Gefeierten, als auch von der Gesinnung edler Dankbarkeit der Feiernden ein treues, zuverlässiges, öffentliches Zeugniß ablegt, eine Feier endlich, auf die, was gewiß Manchem fast ein Wunder dünkt, der Abschnitt unserer heiligen Thora-Vorlesun'. ganz vorzüglich hinleitet. Text III Mos. Cap. 25, 10-40. Fünfzig Jahre bezeichnet hier die Schrift als die längste obligatorische Dienstzeit, 50 Jahre als den längsten Cyclus für den Besitz käuflich erworbener agrarischer Dinge. Es scheint also berechnet und bestimmt zu sein, daß die längste, körperliche und geistige Thätigkeit in unserm Berufe in der Regel nicht über 50 Jahre zählt, und weil die Berufsthätigkeit der meisten Menschen schon weit unter dieser Zeit ganz oder theilweise gelähmt ist, so kann >man es nicht tadeln, wenn der Glückliche, der das 50. Dienstjahr überschreitet, sich freut und jubelt Und in der That gehört es nicht zu den jgroßen Seltenheiten, daß Jemand in seinem profanen Geschäfte 50 Jahre hindurch mit gleich gutem Erfolge zu wirken das Glück hat? Aber es bleibt zweifellos etwas Außergewöhnliches, daß ein israelitischer Jugendlehrer 50 Jahre ununterbrochen mit ungefchwächter Kraft und gleich regem Diensteifer heilsam und segensreich in seiner Schule wirkt und dabei alle im Laufe dieser langen Zeit auf dem pädagogischen Gebiete in allen Fächern und Disciplinen des Jugendunterrichts gemachten Fortschritte sich mit Leichtigkeit aneignet und zum Segen der Schule in Anwendung bringt. Dieses seltene Glück hat der Allweise, der die besten, geschicktesten und fleißigsten Arbeiter zum Aussäen heiligen Samens berufen, unfern verehrten Oberlehrer Herrn Lasch beschieden. Er hat die Freude, den größten Theil der jetzt lebenden Generation unserer Gemeinde seine Schüler zu nennen und den guten Samen, den er im Laufe von 50 Jahren ausgestreut, in vielen zur reifen Frucht gebracht zu haben, und — was die Freude siebenfach erhöht — vermöge seiner durch Gottes Gnade noch ungeschwächten Körper- und Geisteskräfte die beseeligende Hoffnung, noch viele Jahre im Garten des Herrn Bäumchen zu pflanzen und zu sehen, wie sie sich mit Laub und Blüthe und herrlichen Knospen kleiden. Meine Freunde! Schulen und Lehrer gab es und gibt es noch überall in Israel, namentlich in Deutschland; aber es gebricht den Meisten, welche durch diese Schulen gegangen, an dem erforderlichen Grade religiösen Wissens, und jüdisch-religiöser Bildung, und wo diese auch nicht aus Muthwillen Alles verwerfen, was der Gott Israels geboten und unser erster und größter Lehrer so theuer anempfohlen, schämen sie sich doch das öffentlich auszuüben, was des Israeliten besondere und heiligste Pflicht ist. An wem liegt die Schuld? Es ist die Schuld der Lehrer, die den Unterricht in der Kenntniß des jüdischen Schriftthums vernachlässigten, oder so dürftig und ungenügend ertheilten, daß ihre Schüler nicht in den Stand gesetzt waren, aus den Quellen der jüdischen Religion die Wahrheit zu schöpfen. Denn wer nicht selbstständig das Verständniß seiner Religion aus den Quellen sich verschaffen kann, unterliegt der Gefahr, von jedem Jrrlichte irregeleitet zu werden, bei jedem Anstoß von Außen zu straucheln und zu fallen. Es ist die Schuld der Lehrer, die entweder ohne reges Gefühl für das Gute, oder ohne Kenntniß der heiligen Schriften des Judenthums, oder ohne Weisheit in der Behandlung junger Menschen, oder überhaupt ohne heiligen Sinn für den wichtigsten Theil ihres Berufes, gläubige Israeliten zu bilden, in das Amt, in die Schule traten. Sie behandelten ihre Schüler wie Thiere (?), welche nur für irdische Geschäfte abgerichtet werden, sie lehrten sie nichts als Fertigkeiten für das bürgerliche Leben, sie bildeten aus ihnen — Ar-

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