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Der Israelit · 1870-06-15 · Heft 24 (15.6.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 24 (15.6.1870)
Date
1870-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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448 „Nimm nur," sagte der arabische Feldherr, „Du wirst eS brauchen können. Deine Krieger zu belohnen, «nd den verarmten Familien aufzuhelfen, die von der Steuerlast der letzten persischen Könige fast erdrückt worden sind. Doch auch für Dich, Bostanai, habe ich Etwas mitgebracht, was Dir und nur Dir gehören soll." SaLd winkte, und auf seinen Wink wurde ein verschleiertes Weib hereingeführt. „Es ist eine Gefangene," sagte der Feldherr, „die ich Dir bestimmt habe; sie ist Deine Sclavin; Du magst mit ihr verfahren nach Deinem Belieben." Die Gefangene schlug den Schleier zurück. „Dara!" rief Bostanai. Dara warf sich Bostanai zu Füßen. „Herr", sprach sie, „ich bin Deine Sclavin, bereit, Dir zu dienen, Deine Füße zu waschen, wenn Du es erlaubst." Bostanai traten dieThränen in die Augen. Der letzte, der einzige noch lebende Sproß der Sasianiden, die Tochter so vieler ruhmreicher Könige, lag ihm zu Füßen, war seine Sclavin. Er hob sie sanft auf. „Du bist frei, Prinzessin," sagte er. Me werde ich vergessen, daß ich Dir mein Leben verdanke." „Ich will nicht frei sein," entgegnete Dara, „ich will Deine Sclavin sein und bleiben." „Weißt Du auch," fragte Bostanei, „daß Du als die Sclavin eines Juden verpflichtet bist, all das zu meiden, was das Jud^nthum als unerlaubt verbietet?" „Wohl weiß ich es l Habe ich doch damals schon, da wir als Kinder am Hofe meines unglücklichen DaterS lebten, das Judenthum durch Dich kennen und lieben gelernt!" „„So sollst Du nicht meine Sclavin, Du sollst meine Herrin, meine Gattin sein!"" Bostanai führte die Königstochter zu seiner Mutter Jaletha, daß diese sie unterrichte in allen Pflichten des jüdischen Lebens. Am andern Tage verließ SaLd Mechusa; er eilte mit seinem Heere nach Aegypten, um dort neue Lorbeeren zu erringen. , Nach wenigen Monaten berief der Resch Gelutha die drei Vorsteher der Hochschulen von Sura, Pumbaditha und Nehardea nach Mechusa. Sie nahmen Dara in das Judenthum auf. Dann wurde das HochzeitSfest gefeiert. Beim Festmahle sagte Kaphnai: „Die Stammmutter des Hauses Davids war Ruth, die Moabitische Königstochter; die Mutter der Könige von Juda war Navmah, die Ammvl.itifche Königstochter; Gott hat von den fremden Nationen die edelsten Frauen herausgewählt, um sie dem jüdischen Fürstenhause zu verbinden. Dara, die persische Königstochter, wird die Stammmutter der Fürsten aus dem Hause Davids werden, die in Persien über ihre Brüder herrschen." Und so geschah es. Eine neue Reihe von Fürsten beginnt mit Bostanai, den Gott so oft gar wunderbar erhalten und errettet hat. In den folgenden Jahrhunderten herrschten die Nachkommen Bostanai'S über die Juden in Babylonien und Persien bis im Jahre 940 der gew. Zeitrechnung der Fanatismus der Chalifen es verhinderte, daß nach dem Tode deS letzten Resch Gelutha. David ben Sackai, ein anderer ernannt wurde, und damit erlosch das Exilarchat, der letzte Rest jüdischer Selbstständigkeit. Mehr als zwölf Jahrhunderte sind seit den erzählten Ereignissen verflossen. Es gibt keine jüdischen Fürsten in Persien rmhr; das römische wiedaS byzantinische Kaiserreich, sie haben zu existiren aufgehört; daS letztere ist von den Bekenner» der Religion MahomedS zerstört worden; auch die Macht der Mohamedaner ist schwach und gering geworden in unserer Zeit; die Nachkommen Davids, wir wissen nicht, wohin sie gekommen sind; aber daS wissen wir, daß Davids Licht nicht erlöschen wird; noch lebt dgS Judenthum in seinen Bekennern jvgendsrisch und, kräftig „und das Wort unseres Gottes wird bestehen ewiglich." — Briefkasten der Redaktion. Löbl. Centralcomite der „ All. JSr. Unkd." zu Paris: Die Herren JnfiitutSvorsteher Dr. Joel zu Pfungstadt bei Darmstadt und Ferdinand Kahn! in Baisingen bei Horb, Württemberg, wünschen Mitglieder zu werden und bitten um Uebersendung von Statuten. Letzterer will bei den Israeliten des Schwarzwaldes für die All. Propaganda machen; esl ist also Uebermittelung von einer größeren Anzahl vonj Exemplaren erwünscht. Herrn F. R. in Wien: Der uns übersandte Auf-j satz war in Form und Inhalt unzulänglich und höchstens für diejenigen Leser verständlich, welche den bei treffenden Angriff in dem citirten politischen Blattcl gelesen hatten. Will man Jemanden vtrtheidigen, der! in einem andern Blatte angegriffen worden, sei muß man zunächst den Hergang klar und deutlich erf zählen und dann die Vertheidigung folgen lassen. Hierzu zwei Beilage». Verantwortliche Redartion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandtung. — Dampf.Schnellpressndruck oon I. Gottsleben in Mainz.

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