Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1870)
- Date
- 1870-06-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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446 Unwesen baS Handwerk zu legen, hat die hiesige hohe und ryedrige katholische Elerisei alle Maßregeln ergriffen um nächstens das fünjhundertjährigs Jubiläum einet Brüsseler Judenverfolgung und Judenvertreibung mit obligater Begleitung des Wunders blutender Hosthm in eklatanter Weise durch eiue feierliche Procesfion mit historischem Aufzuge zu feiern. Da dir Freiheit, der Sonne gleich, Alles, Sinn und Unsinn, Tugend und Untugend, beleuchten soll und muß, so versteht sich von selbst, daß Niemand daran denkt, dieses empörende Schauspiel zu untersagen. Wohl aber bat dieses fanatische Project bereits die imposantesten Protestationen des denkenden und freiheitlich gesinnten TheileS. der Bevölkerung provocirt. Entsprechend der an dm hiesigen Gemeinderath von zahlreichen Petenten ergangenen Aufforderung, hat der Bürgermeister, Herr Anspach, in der letzten Stadtrathssitzung erklärt, in keiner Weise sich an besagter Procession, die am 2. Juli stattsinden soll, betheiligen zu wollen. Die Stadt wird mithin, wie es sonst üblich, weder die Musik noch ihre Pompiers der KKrchenfabrik von St. Gudula zur Verfügung stellen, und höchstens die durch den Zusammenfluß bedeutender Volksmassen nothwendigen Polizeimaßregeln ergreifen. Außerdem ist bereits an allen Mauern ein Manifest der namhaftesten Burger erschienen, welche gegen diese, allen Ideen der Toleranz, der Freiheit und der Menschlichkeit hohnsprechende Feier protestiren und ihre Mitbürger auffordern, sich derselben stillschweigend und mit Verachtung zu enthalten. Dieser Aufruf, kernig und fest, schlicht und faßlich gehalten, ist heute überall, wo er angeschlagen, von Hunderten förmlich umlagert und dürfte seinen Eindruck kaum verfehlen. Dabei wird eS aber die liberale Opposition nicht bewenden lassen. Da sie einmal weder verhindern kann, noch will, daß die Hauptstadt des freim konstitutionellen Belgiens durch eine derartige unerhörte kirchliche Orgie allgemeinen Anstoß und Aerger geben soll, so ist sie darauf bedacht, theils durch Flugschriften, theilS durch DolkSmeetingS das Ihrige zu thun, damit die Betheiligung eine möglichst geringe und d.ergestalt die katholische Gedenkfeier der Autodafes, die man nie gewagt, in Spanien in Seene zu setzen, auf Jene zurückfällt, welche sie veranstaltet. Diese Leute haben nichts gelernt und nichts vergessen. Besäßen sie die Macht, sie wären wirklich im Stande aä mojorem dei gloriam noch im Jahre 1870 ein halb Schock Juden zu verbrennen, um dem historischen Aufzuge eine kräftigere lokale Färbung zu geben. Wollten sie doch in der Procession eine gewiffe Anzahl ihrer Betbrüder als Juden coftümiren und mit Fesseln bedeckt hinter sich Herschleppen l Dieser Theil des Aufzuges mußte ans die Weisung der Behörden unterbleiben, dg letztere officiös dem CleruS zu wissen gethan, daß dies unter keiner Bedingung gestattet werden könnte und man alsdann den ganzen Auszug einfach untersagen würde. Bemerkenswerth ist, haß die hiesige» Israeliten mit großem Tact jenen Protestationen fers geblieben sind und es ihren Mitbürgern überlasse» haben, gegen einen solchen Unfug zu remonstriren. Frankreich. Paris. Folgende weitere Adoptionen von polnischen PZaisen wurden der „All. JSr." angezeigjt: Ein Israelit aus Schalbach: 1. Die isr. Gemeinde zu Schalbach 1. Die zu Straßburg 2. Saverno 2. Sarregunnimes 2. Neustraschitz (Böhmen) 1. Berlichingen 1. Köln 8. Bis jetzt wurden im Ganzen 61 Adoptionen gemeldet. (Rev. Isr.) Paris. Herr Maximilian Königswarter, ehemaliger Deputirter des Seine-Departements, »hat die erbliche Baronswürde erhalten. Es ist der erste Jude, dein in Frankreich diese Auszeichnung zu Theil wird. Paris. Neue Adoptionen von polnischen Waisenkindern sind der All. angezeigt: Die isr. Gemeinde Phalsburg 1, Raon-l'Etape 1, von Marmutier 2, von Schlestadt 2, Herr Js. Jsaac von Gremilly 1. (Rev. Isr.) England. London. Wie unsere Lesern bekannt, besteht dahier eine jüdische Taubstummenanstalt, die sich durch ihre erzielte Erfolge eines großen Rufes erfreut. Vor einiger Zeit wurde von einem d^r Mitglieder der Administration der Antrag gestellt, auch christliche Taubstummen aufzunehmen. Nach langen Debatten wurde beschlossen, Schule und Erziehuügshaus derart zu trennen, daß in Erstere auch Christen ausgenommen, letzteres aber nur für jüdische Kinder bestimmt sei. London. Durch ein ministerielles Dekret vom 27. April wurde Herr Baron Alphonse von Rothschild zum Präsidenten der 7. Klasse der internationalen Ausstellung, welche im Jahre 1871 in London stattfinden wird, ernannt. Diese Klasse enthält Kopien von Antiquitäten. (Jew. Ehr.) Palästina. Sephat Dem „Hamagid" wird geschrieben: Ein bei einem polnischen Juden in Diensten stehendes Mädchen wurde von einem Priester beredet, mehrere Gegenstände im Hause seines Herrn zu stehlen dann davonzugehen und zuvor feine Mutter davon zu benachrichtigen, daß diese ,bei Gericht angebe, der Jude habe das Mädchen bei Seite geschafft. Wie verabredet so geschah es. Den Schrecken des Juden kann man sich vorstellen, als das Gericht kam, um von ihm ein Geständniß zn erpressen. Er veranlaßte das Gericht, eine genaue Untersuchung seines Hauses und von dessen