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Der Israelit · 1870-06-15 · Heft 24 (15.6.1870) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 24 (15.6.1870)
Date
1870-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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443 männischen Halbmond ausrufen und fort und fort dir. Justiz de« europäischen Areopags zur Vernichtung der oömanischen Herrschaft in Europa im Culturürteresse anvufen und ein Zetergeschrei erheben, wenn die Affaire von Bottuschan in einer Vorstadt Smyrna's oder in Rhodos oder irgendwo anders unter dem Scepter des Padischah stch vollzogen hätte, sich bei diesem Anlasse gebehrden werden, wo das „Hie Rhodus, hie salta!“ ihnen so drastisch auf den Leib rückt! Werden die Zionswächter der christlichen Staatsidee, welcher sie das Monopol der Propagonda für Gesittung und Humanität reserviren möchten, werden die Judenhasser der „Kreuzzeitung" und ihre philhellenistischen oder russenfreundlichen Nachbeter keinen Schrei moralischer Entrüstung mehr in Reserve haben, weil nicht Christen- oder Hellenenblut vergossen ist? Oder soll durchaus die alte Parabel von Splitter in des Nächsten und vom Balken im eigenen Auge hier wieder eine neue Illustration finden?" Wir fügen dem Allem nur noch die Frage hinzu: Wie lange noch wird das civilisirte Europa jenen Gräueln ruhig zuschauen? Aertrrngsnachriehten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 10. Juni. Der in Nummer 22 dieser Blätter veröffentlichten, von 95 Rabbinen Unterzeichneten, die jüdischen Ehegesetze betreffenden Erklärung haben sich noch die nachfolgenden Herren Rabbinen angeschloffen: Bernstein, S. L., Oberrabbiner zu Haag, Holland. Caro, A., Rabbiner zu Pinne, Provinz Posen. Cohn, Dr. Salomon, Grh. Mecklenburg-Schwerinischer Landesrabbiner. Diamant, vr. Moritz, Rabbiner zu Losoncz. Feuchtwang, vr., Rabbiner zu Nikols bürg. Freymann, vr., Rabbiner zu Fi lehne. Frieden, Moses, Rabbiner zu Chodziesen. Ganzfried, Salomon, Rabbinatsaffeffor zu U n g v a r. Klein, Salomon, Rabbiner zu Zenta, Ungarn. Knöpfmacher, Joseph, Rabbinatsaffeffor zu Nikolsburg. Koh«, Mosee L., Rabbinatsaffeffor zu Nikolsburq. Salvendi, Dr., Bezirks-Rabbiner zu Dürkheim a. d. Hardt. Schüller, Joseph, Rabbiner zu W o d ei an, Böhmen. Schwarzftein, A. L., Bezirks-Rabbiner zu Simonyi. Wälder, Bez.-Rabb. zu Laupheim. Zwebner, Abraham, Rabbiner zu K o b e r s d o r f. Berlin, 7. Juni. Das hiesige Stadtgericht hat vor .einigen Tagen einen Bekenner der jüdischen Religion zum Vormund eines evangelischen Kindes verpflichtet. Es ist dies der erste derartige Fall. Lych (Ostpreußen). In Nr. 21 des „Hamagid" rechtfertigt sich Herr Rabbiner Silbermann wegen seines Austrittes aus dem Königsbergs Comitö. Herr Rabbiner S. schreibt, er wolle getrost das Urtheil der Zeit überlassen; diese würde schon anö, Licht bringen, auf wessen Seite das Recht sei.*) Allerdings sei — gegen den Willen des Präsidenten deS Königsberger Comitö's — in die Lehrlingscontracte ein Paffus ausgenommen, daß den Lehrlingen die Feier des Sabbat rc. „gestattet" sei; in Folge dessen komme eö denn auch vor, daß ein Lehrling am Sabbat „freiwillig" arbeite. In der That ist das Verfahren des Herrn vollkommen correct. Herr S. war es, der zuerst zur Hilfe für die dem Hungertode fast verfallenen Glaubensgenossen aufrief und der seitdem unablässig dafür gearbeitet hat. Er wird seinen Lohn im Bewußtsein seines segensvollen Wirkens finden, und die gegen ihn gerichteten Angriffe werden nur dazu beitragen, ihn in der Ueberzeugung zu kräftigen, daß der gesinnungStüchtige Mann im Dienste der Wahrheit gern Unangenehmes erträgt und erduldet — der endliche Sieg verbleibt doch der Wahrheit allein. Oesterreichisch Ungarische Monarchie. Prag, 1. Juni. (Blutschande und deren Folgen.) Der verheirathete Hausirer Elias Koch aus Libochowitz, Vater von sieben Kindern, hatte mit der Gattin seine- Bruders Isaak, Elisabeth;, schon bei dessen Lebzeiten ein vertrautes Verhältnis unterhalten und daffelbenach dem im Januar 1868 erfolgten Tode des Bruders fortgesetzt, obgleich es unter der Verwandtschaft und in der Gemeinde großes Aergerniß erregte. Elisabeth Koch vermieth es daher, zu Hause zu bleiben, und zog mit ihrem Schwager im Lande umher, bis am 10. Februar v. I. Beide nach Jedomielitz kamen und sich daselbst bei dm Eheleuten Plachy in einem Zimmer einmiethetm, wo Elisabeth Koch am 7. März von einem Knaben entbunden wurde. Elias und Elisabeth Koch befanden sich aber in sehr dürftiger Lage und suchten sich des Kindes zu entledigen; vergeblich boten sie einer Taglöhnerin 4 fl. monatlich, wenn sie das Kind übernähme, und nur einstweilen wurde daffelbe am 9. März Nachmittags von der SchuhmacherSgattin Wana zur Pflege ausgenommen. Aber dieselbe *) Wir bezeugen hiermit gern, dem Wunsche des Herrn Rabb. S. gemäß, daß die Cocrespondenz „aus Ostpreußen" in Nr- 16 d. Bl., die jüdischm Lehrlinge betreffend, nicht von ihm herrührt. — Red.

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