Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1870)
- Date
- 1870-06-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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437 in die Donau. Da fuhr Fürst Lobkowitz zufällig vorüber. Er sprang sofort vom Wagen, schnallte den Degen beim Gehen ab, warf ihn von sich und sprang in die Donau. Da der Knabe nicht mehr zu sehen war, tauchte Fürst Lobkowitz unter, und es ist ihm gelungen, den Knaben noch lebend aus den Wellen zu bringen, die ohne die Dazwischenkunft des Fürsten sein Grab geworden waren. GroHwardein. Kürzlich kam der in Wien Medicin studirende Dr. Samuel Zobl nach Hause und brachte für seine Studien ein Skelett und eine einbalsimirte Hand mit. Nickt lange dauerte es und es verbreitete sich das Gerücht, daß im Hause des Zobl ein Mensch umgebracht worden, und die Volksmenge, die bald zu Tausenden anwuchs, sprach schon von so und so viel Menschen, die im Hause des Juden als Opfer gefallen. Der Pöbel nahm eine so drohende Stellung an, daß das Gericht sich veranlaßt sah, einzuschreiten und zunächst das Skelett unter gerichtlichen Verschluß zu bringen. Dr. Z., vor das Gericht geladen, drückte sein Erstaunen darüber aus, daß die Richter nicht einmal wüßten, daß das Skelett und die Hand ihm zu seinen.Studien dienten, und wenn man ihm nicht Glaube» schenken wolle, so könnte man ja die hiesigen Aerzte hierüber befragen. Das geschah nun auch und wurden die Worte des Dr. Z. vollständig bestätigt. (Hamagid.) Donaufürstenthümer. Rumänien. Folgende der „All. Isr." zugegangene Depesche wird von den Blättern abgedruckt, welche sich von dem rnmäuischen Pceß-Agenren Strat keinen Sand in die Augen streuen lassen. Sereth 60. Mai Herrn Crvmieux in Paris. Vorgestern Abend war die Stadt Botoschon (Rumänien) der Schauplatz eines schrecklichen unter den dortigen Juden angerichteten Blutbades, einer furchtbaren Schlächterei. Kaum setzte die Mitternacht diesen Grausamkeiten ein Ziel. Gestern früh gab sich der Blutdurst der christlichen Bevölkerung in neuen Gewaltthätigkeiten kund. Die Juden und ihre Familien wurden in der Straße, in ihren Häusern, in den Verstecken, wohin sie sich gefürchtet hatten, brutal angegriffen und mißhandelt. Um 1 Uhr Nachmittags trat ein großer Theil der israeütischen Bevölkerung die Flucht an. Von allen Seiten hört man nur die Rufe: Zum Tode! Zum Tode! Die Wuth des Pöbels ist schrecklich. Wir flehen Ihren Beistand an." Rußland und Polen. Vöarschair. Wie wir bereits schon früher mitgetheilt haben, wurden in Samoscht 8 Juden zum Tode verurtheilt, weil sie nach Behauptung einiger russischen Offfziere die Kriegskaffe geraubt hü Auf die Intervention der All. Isr. wurden sämmtr. 8 zum Tode verurtheilten Juden von dem ihnen a gedichteten Verbrechen freigesprochen und als gar unschuldig erklärt. Dänemark. } Kopenhagen. Durch den ßTod der Wittwe^' Eibeschirtz verlor die Stadt Kopenhagen eine der achtbarsten Damen der israelitischen Gemeinde. Schon ihr Gatte hat der Gemeinde ein Legat von 600,090 Thalern, und der Stadt selbst 200,009 Thaler zu wohlthatigen Zwecken vermacht. Nun bezieht die israelitische Gemeinde durch das Testament der obengenannten Dame wieder ein Legat von 120,009 Thalern. Sämmttiche Journale in Kopenhagen sind voll des Lobes der Verstorbenen. (Ggt.) Holland. ÄKaafkricht. Der König von Holland hat der hiesigen Gemeinde eine Substoie von 250 fl. und als Beitrag zur Herstellung einer neuen Synagoge 750 fl. gegeben. (N. I. W.) Frankreich. Paris. Unter den Israeliten von Paris circulirt gegenwärtig zur Unterschrift folgende Petition an den Kaiser! „Sire! Die Israeliten von Frankreich haben ohne Ueberraschung, aber mit der lebhaftesten Befriedigung vernommen, daß Ew. Majestät einen neuen Beweis ihrer hochherzigen Gesinnungen zu Gunsten der Gleichheit der Bekenntnisse geben will durch Berufung eines Vertreters des israelitischen CultnS in den Senat. Wir wagen, dem Kaiser eine Bitte zu unterbreiten, welche seine hohe Weisheit würdigen wiro und deren Erhörung von der gesammten israelitischen Bevölkerung mit Freude ausgenommen werden würde. In Frankreich gibt es nur ein Oberhaupt der jüdischen Religion, das ist der Großrabbiner des Centralconststoriums. Den Großrabbiner zur Senatorrvürde zu berufen, das wäre die schönste Weihe des gegenwärtig so allgemein angenommenen Princips der Gleichheit der Bekenntnisse. Wir glauben Ew. Majestät sagen zu können, daß ein solches Decret im Auslände wie in Frankreich mit allgemeinem Beifall ausgenommen werden würde. Der Mann» ’ welcher gegenwärtig die Functionen des Großrabbiners bekleidet, verdient das erhabene Wohlwollen Majestät durch seinen Eharakter und durch die Dienste» welche er seit nahezu vierzig Jahren der Moral und dem Glauben geleistet hat. Zwanzig Jahre lang stand, er als Ober-Rabbiner des Departements-ConsistorlUmS