Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1870)
- Date
- 1870-06-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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436 gegenwärtig einem der ersten in der Cottondruckbranche in Oesterreich, legten. Für das Verdienst, auch die ersten in Oesterreich gewesen zu sein, welche den Cottondruck mit Dampfmaschinen betrieben hatten, waren die beiden Brüder von Kaiser Franz in den Adelstand erhoben worden. Zn den Vierziger Jahren kaufte Hr. Moses Edler von Portheim die Porzellansabrik in Chodau bei Elbogen, welche sammt den dazu gehörigen Bergwerken noch jetzt von seinen Söhnen betrieben wird. Das rege humanitäre Wirken des Verstorbenen war hauptsächlich der hiesigen israelitischen Kleinkinderbewahranstalt gewidmet, deren Hauptgründer und fortwährender Director er gewesen — ein Institut, welches in seiner Art insofern einzig ist, als daselbst ein allgemeine Ausspeisung stattfindet und durch acht Monate im Jahre alltäglich 120 Kinder ohne Unterschied der Confesfion hier ein Mittagessen erhalten. Man weiß sch ießlich von dem Verstorben n, daß er Memoiren über die Ereignisse und Erfahrungen seines Lebens geschrieben hat, aus denen man namentlich interessante Aufschlüsse über jene Zeit erwartet, da er und sein Bruder als Jünglinge zu der von dem jüdischen Schwärmer Baron Jakob Frank im vorigen Jahrhundert gegründeten eigenthümlicheu Secte, einer Art Sabbathkaner gehört hatten. — Aus Anlaß dieses Sterdfalles ist aus der Franzens-Kettenbrücke, zu deren Gründern der Verstorbene gehört hatte, eine Trauerflagge ausgezogen worden. Nachdem wir seiner Wirksamkeit und seiner Verdienste als Industrieller gedacht, wollen wir auch Einiges aus seiner reichen und vielseitigen Thätigkeit im öffentlichen Leben berichten. Als hervorragende Capacität auf kaufmännischem und industriellem Gebiete wurde Herr von Portheim gleich bei der Einführung der Handelskammer in die Prager Kammer gewählt, welcher er durch eine Reihe von Jahren als thätiges, geschätztes Mitglied angehörte, und im Jabre 1853 zu der in Wien abgehaltenen Zoll-Conferenz berufen. — Mit dem Eintritte einer neuen Epoche der Freiheit für Oesterreich im Jahre 1861 begann auch für den damals schon hochbetagten Mann eine Zeit reger gemeinnütziger Thätigkeit. Er trat mit wahrhaft jugendlichem Eifer wieder in das öffentliche Leben und blieb bis zu seinem Ableben ein von seinen Gesinnungsgenossen hoch verehrtes Mitglied der Verfaffungsparlei in Smichow, welche dem bewährten Rathe und der gereiften Einsicht des nun Entschlafenen manchen Erfolg verdankte. — In Smichow bekleidete er durch mehr re Jahre das Amt eines Bürgermeister-Stellvertreters und gehörte dem'Gemeinde-Ausschüsse, dessen ältestes Mitglied er war, bis zu seinem Tode an. — Seine Verdienste um diese Gemeinde, die ihm die eben in's Leben tretende Kleinzinder-Bewahranstalt, die Puasterung der Hauptstraße, qie Versorgung mit Röhrwasier, die Verlegung der sehr lästigen Aerarialstraßenmaut aus der Mitte der Stadt zum Westbahnhos u. s. w. zu verdanken hat, werden von allen Bewohner derselben ohne Unterschied der Nationalität gewürdigt. — Herr von Portheim war ein Bürger im echten und im schönsten Sinne des Wortes und hat dies schon zu einer Zeit dethätigt, wo die freiere Strömung der Gegenwart noch in weiter Ferne lag. Als ihm nach einem Besuche des Kaisers Ferdinand in seiner Fabrik von hochgestellter Seite mitgetheilt wurde, daß der Monarch wünsche, ihn für seine Verdienste um die Industrie auszuzeichnen, und er ausgefordert wurde, sich zu erklären. ob er den Ave! oder einen Orden vorziehe, erklärte er, daß es sein Wunsch nicht sein könne, so lange er als Jude die bürgerlichen Rechte des letzten seiner Arbeiter entbehren müsse, durch eine Standeserhöhung ausgezeichnet zu werden. Man möge, wenn schon die Gleichberechtigung aller Juden mit den anderen Staatsbürgern nicht gewährt werden wolle, wenigstens jenen Israeliten, welche man für ihre Verdienste zu belohnen beabsichtige, den vollen ungeschmälerten Genuß der bürgerlichen Rechte zugeftehen und eine solche Auszeichnung würde er jeder Standeserhöhung vorziehen. Die Jdeei, welche dem damaligen Oberftburggrafeu Grafen Chotek sehr zusagte, stieß bei den Wiener Hofstellen auf Widerstand und es erfolge im Jahre 1811 die Erhebung des Verblichenen und dessen Bruders in den österreichischen Adelsstand mit dem Pravicat Edle von Portheim. Szegedin. Ein Professor am Gymnasium zu Trenschin, von jeher sehr feindlich gegen die Juden gestimmt, sprach ein Langes und Breites über die Schlechtigkeit der Juden. Ein christlicher Zögling erzählte hierauf, daß er einmal in der Scheune eines Juden übernachtet habe. Was, rief da der Herr Professor, hast Du Dich nicht gefürchtet, da zu schlafen, der Jude hätte Dich ja umbringen können, um Christenblut auf sein Osterfest zu haben. Die jüdischen Zöglinge erwiderten dem Proseffor ganz ruhig, daß er den Juden sehr unrecht thue, ihnen solch: mittelalterliche Abgeschmacktheiten zu insiuuiren. „Halter den Mund, ihr Jaden, was ich gesprochen, ist wahr und ist in vielen Büchern zu lesen! war die Antwort des Professors. (Jbri. An.) Aus Komorn wird dem Uug. Lloyd mitgetheilt: Am 20. d. ging das Artillerie-Regiment Nr. 2 von hier nach Olmütz ab. Hauptmann Fürst Lobkowitz dieses Regimentes hat am Vorabende seiner Abreise mit Gefahr seines eigenen Lebens einen armen K raben vom Tode des Ertrinkens gerettet. Ein israelitischer Knabe von 13—14 Jahren ging zur Donau um Wasser zu holen, und als der irdene Krug schon ziemliche voll war. brach die Handhabe und begann der Krn^ zu sinken. Der Knabe wollte nach dem sinkenden Kruz haschen, verlor jedoch daS Gleichgewicht und stürzte