Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1870)
- Date
- 1870-06-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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durch die Ortschaft selbst schwemmen, wogegen die Gemeinde vergebens protestirte, und so kam es, daß am Ostermontag des vorigen Jabres bei der ersten Holzflößung, Wo des Wasser zufällig sehr groß war, das Holz den Abfluß des Wassers so hinderte, daß eine förmliche Ucberschwemmung entstand, welche an den Saaten großen Schaden anrichtete, und als die Geschädigten Ersatz beanspruchten, wurden sie von Stummer nur verhöhnt, der von jedem Gulden der Schätzungssumme nur einen Kreuzer zahlen wollte. Trotzdem setzte er auch heute die Flößung fort, welche die Gemeinde, von ihrem Rechte Gebrauch machend, nicht länger dulden wollte, dies umsomehr, da die Ufer dadurch unterwaschen und abgebröckelt wurden. Der Gemeinderichter verbot also von amtrwegen die Flößung und trug dem Förster auf, binnen zwei Stunden dieselbe einzustellen, sonst werde er, der Richter, Ordnung machen. Der Förster gab zur Antwort, daß er dann mit 50 bewaffneten Leuten kommen und das Holzschwrmmen fortsetzen werde. Der Richter warf nun ein Scheit Holz aus dem Bach heraus, seinen Beschluß auf diese Weise symbolisch vollziehend, und gab den Arbeitern zu wissen, daß er die Flößung eingestellt habe, Dies geschah am 7. Mai Vormittags. Nachmittags erschien der Oberjäger, Ignaz Vragaksi mit 25 Arbeitern, er selbst mit einem Revolver, die Arbeiter aber mit Aexten und Hacken bewaffnet, und drohte Jedem mit Todtschlag; die, welche die Flucht ergriffen, verfolgte er, mit schußbereitem Revolver vorangehend. Da indessen die noch nüchternen Arbeiter auf sein Commando. nicht pariren wollten, entfernte er sich mit der Drohung: „Das Dorf wird bald in Flammen stehen!" und forderte seine Bekannten auf, sich zu entfernen, denn es werde ein Unglück geben. Dann zapfte er in seinem Keller ein Faß Branntwein an, zechte den Arbeitern und dem herrschaftlichen Gesinde, deren Zahl schon auf.3—4C0 angewachsen war, einen Rausch an und machte hierauf mit dieser Schaar unter Hurrahrufen sich auf den W?g. Ignaz Vragacsi und sein Sohn, die Jäger Bela Gaspar, Gl. und R., der Jspan H. Gr. und der herrschaftliche Kanzlist T. Kr. führten das wilde Heer an, das mit Flinten, Mistgabeln, drei Klafter langen Haken bewaffnet war. Die Ortsbewohner ergriffen die Flucht, aber es war schon zu spät, denn die trunkene Menge war ihnen aus den Fersen, schlug die sich Flüchtenden zu Boden, stürzte in die Häuser, erbrach die verschlossenen Eingänge, schlug Alles in Stücke, verschonte nicht Alt und Jung, sondern hieb und stach drein auf Jeden, den sein Unstern ihr in die Hände spielte. Durch das vergoffene Blut wurde die trunkene Menge noch wüthender. Sie hausten wie Feinde, gehorchten keinem Eommando mehr; Jeder wirtschaftete auf eigene Faust herum, und besonders mit den Juden wurde auf das grausamste umgegangen. Eine fünfzigjährige Frau wurde durchgeprügelt, einem Mädchen das Gesicht mit einem Haken aufgeschlitzt. Da -die Wütheriche Niemanden mehr fanden, den sie durchprügeln konnten, singen sie die Häuser förmlich zu belagern an, bei welcher Gelegenheit sich besonders der Kästner H. Gv. auszeichnete; man warf die Fenster mit Steinen ein, fing an, das 'Dach abzureißen; Gv. überall voran und beständig schreiend: „Schlagt den Juden tobt, Stummer bezahltes!" Nach diesen Verwüstungen zog der Haufen ab, und nun hätte man glauben sollen, damit werde die Geschichte ihr Ende erreicht haben. Dies war jedoch nicht der Fall; sie kehrten aufs neue zurück, erneuerten die früheren ^Lcenen, warfen die Schober auseinander, stießen mit den Bajonetten in das Stroh, um zu sehen, ob nicht Jemand darin versteckt sei, und prügelten den Richter und diejenigen, die mit ihm waren, tüchtig lmrch. TagS darauf ließ St. mit seinen bewaffneten Arbeitern neuerdings Holz flößen, in Gegenwart der herrschaftlichen Beamten, die an dem gestrigen Attentate sich beiheiligt hatten; einige waren zu Pferde, alle aber mit Revolvern, Pistolen, Hirschfängern bewaffnet. Der Ober-Stuhlrichter des Bezirkes, von dem, was vorgegangen war, benachrichtigt, erschien persönlich an Ort und Stelle, und da die Gemeinde da- Flößen schlechterdings nicht gestalten wollte, so erklärte der Ober-Stuhlrichter, daß er, wenn wieder geflößt werde, auch auf das Ersuchen von Einzelnen Brachium geben werde, um das Flößen zu verhindern. Da trotzdem weitergeflößt wurde, schickte der Ober-Sluhlrichter einen Panduren-Corpora! ab, der dann auf die Weise Ordnung machte, daß er den flößenden Arbeitern selbst bei der Arbeit half. Seitdem ist schon eine Woche verstrichen, die Behörde, deren Pflicht es wäre, von amtswegen einzuschreiten, steht mit versckränkten Armen dem Geschehenen zu. Zur Stunde ist der N.-Jaczer Gemeinderichter mit einer aus fünf Mitgliedern bestehenden Deputation nach Pest gekommen, um persönlich bei der obersten Regierungsbehörde Beschwerde zu führen. Prag. Gestern Früh ist hier Hr. MoseS Edler v. Po^theim, Chef der Firma „Gebrüder Porges" im 89. Lebensjahre gestorben. Die Thätigkeit deS Verstorbenen als eines der ersten und verdientesten Industriellen Oesterreichs war aufS engste mit jener stines am 10. Januar v. I. ihm im Tode vorangegangen jünaeren Bruders Leopold verknüpft. Als Söhne einer nicht reich bemittelten Prager Familie Namens Porges hatte Moses anfänglich ein kleines Leinwandgesck äst und Leopold ein Liqueurgeschäft betrieben, bis sie sich vereinigten und im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts durch Einrichtung eine» einzigen Drucktisches in einem Hause /auf dem Johanni s platze den bescheidenen Grund M dem ISA) nach Smichow verlegten großen Etablissement der Firma,