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Der Israelit · 1870-06-08 · Heft 23 (8.6.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 23 (8.6.1870)
Date
1870-06-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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434 Zöglinge de- Seminars einige Gesänge in der Wohnung de- Herrn L. vor. Zur Beglückwünschung kamen Deputationen aus sämmtlichen Volks-Mittelschulen, an der Spitze der Seminardirector Herr Dr. Steinberg mit den Herren Lehrern des Seminars. Sämmtliche Deputationen sprachen ihre herzliche Theilnahme und innige Freude über das Gedeihen der Schule und das gedeihliche Wirken des jüdischen Lehrers aus, und wir haben keine Ursache an der Aufrichtigkeit dieser Freude zu zweifeln. So möge es denn Herrn Lasch noch lange vergönnt sein in Kraft und Gekstesfrksche an der Schule fortzuwirken, die ihm so viel verdankt, und möge das Entgegenkommen, das die ganze Gemeinde bisher und bei dieser besondern Gelegenheit dem Jubilar und der Sache der Schule gezeigt, diesen nie fehlen d’oem p n"i. Oberschleflerr im Mai. Die Früchte der Reformsynode beginnen zu reifen. Allerdings eine Rothreife, deren sich die Synode noch nicht versehen haben dürfte, in so fern sie ja — so viel bekannt — noch keine Beschlüsse gefaßt hat. Allein die Reformhelden glühen gleich einem heißen Backerofen (Hos. 7,4), und dieser Glüheifer reißt sie unwiderstehlich fort. Besonders schnell scheinen diese Früchte in Oberschlesien zu reifen. Allerdings erfreut sich auch hier die Reform schon seit lange eines nicht ungedeihlichen Bodens; aber die Saat gedieh bisher langsamer, der sogenannte Fortschritt bewegte sich in gewöhnlichen, gemessenen Schritten; nunmehr aber scheint er sich aufraffen und Siebenmeilenstiefeln anziehen zu wollen. Der unverwelkliche Lorbeer, dies zu erwirken, krönt den Scheitel einer bis jetzt unbekannten Größe. Wir möchten den Mann den Paulus der oberschlesischen Reform oder Neologie nennen. Jahre lang hat dieser Mann sich als orthodox gerirt, bis er plötzlich wunderähnlich sich entpuppt, indem er, gleich jenem Paulus, mit Eins vom Lichte der modernen Erleuchtung umstrahlt worden und in einen gleicheifrigen Apostel der Neologie umgeschlagen ist. Wir sprechen hier von dem ehrwürdigen frommenI)r. Wiener, der sich Rabbiner zu Oppeln nennt. Dem Verdienste seine Kronen. Wir glauben es dem Manne schuldig zu sein, seine jüngste Großtbat durch die Ferne aller Welt mitzutheilen. Ein Herr Krause in Gleiwitz hat eine D3'? npipr geheirathet, d. h. eine Wittwe, deren verstorbener Gatte keine Kinder zurückgelassen, aber Brüder, ohne daß mit der Wittwe der Akt der vorgeschriebenen Chaliza vorgenommen worden war, und Dr. Wiener hat die Trauung vollzogen. Es handelt sich hier nicht etwa um die Verletzung eines nur rab- VinMerr, sondern eines ausdrücklich in der Thora «rthaltenen Verbotes 5 B. M. 25, 5 ff. Rach dem Talmud ist es zweifelhaft, ob bei einer solchen Wittwe vor der Chaliza ein Eheverhältniß mit einem Andern, außer ihrem Schwager, überhaupt Platz greifen kann. Darum ist eine solche Ehe zu trennen und zwar durch einen Scheidebrief. Die Getrennten dürfen sich nicht wieder mit einander verheirathen, selbst wenn später die Chalkzah stattgehabt. (S. Eben Haeser Cap. 159 §. 2.) Manche Rabbinen sind sogar der Meinung, daß die Kinder aus solcher Ehe Mamserim sind- Wahr ist es, mit Heß in Eisenach kann sich Dr. W. augenblicklich noch nicht messen; aber wir dürfen wohl den^Herrn nach der besseren Seite beurtheilen. daß es ihm auch hierzu nicht an Muth, sondern nur an Gelegenheit gefehlt hat. Die Heroen der Reform eröffnen uns die reizende Aussicht, uns mit der Zeit ein ganz artiges Contingent von Mamserim zu stellen. Wie wahr sind die Worte des Weisen: „Ein Sünder kann viel Gutes zu nichte machen." (Koh. 18, 9.) Glänzend auch würde sich jenes uralte Sprüchwort bewähren: „Von Sündern kommt Sünde" (X Scher. 24, 14), wenn es wahr ist, was man sagt, daß Dr. W. von vorn herein durch einen jüdischen Apostaten zur Bestallung nach Oppeln empfohlen worden, wawir jedoch nicht verbürgen wollen. Oesterreichifch Ungarische Monarchie. Wiett. (Erste israelitische Blinden-ErziehungSanftalt.) Für dieselbe sind folgende weitere Beträge gespendet worden; Bon Sr. kaiser. Hoheit Erzherzog Franz Karl 500 fl.; von Herrn Theodor Ritter v. Haruboflel 25 fl. jähr.; v. Herrn Joseph Hieldburghäusser 100 fl und jähr. 10 fl.; v. Herrn Markus Weiß 100 fl. P.-Rt. und 10 fl. jähr.; v. Herrn Herman Wolf 200 fl. und jähr. 25 fl.; v. Herrn Theodor Bauer 50 fl.; v. Herrn Sigmund Bauer 100 fl. und jähr. 15 fl.; v. Herrn Rudolf Goldfcheider 200 fl. und jähr. 25 fl. Mit den vom Mdz. Dr. Lud. Ang. Frankl bereits gesammelten und auSgewieseuen Betragen und Zinsen der Obligationen, inbegriffen des ersten Gründungsbetrages k 11,009 fl. v. Freiherrn von Schey, 50,809 fl. baar, 22,009 fl. Obligationen und 2,528 fl. tu Jahresbeiträge«. Dazu ein für 50 blinde Kinder vollständig eingerichtetes Haus und Garten v. Herrn I. Ritter v. Königswarter. Pesth. Nachstehende, in der That unglaubliche Geschichte, die wir deßhalb auch nur mit aller Reserve wiedergeben, wird dem Hon aus dem Neutraer Comitat mitgetheilt: August Stummer, Großgrundbesitzer und Eigenthümer ausgedehnter Wälder im Neutraer Comitat, pflegt das in den Wäldern geschlagene Klafterholz auf dem Chotinabach bis Nagy-Jacz flößen zu lassen, deffen Bett bis dahin ihm gehört, weiter hinaus jedoch nicht» Unbekümmert darum ließ er jedoch das Holz auch

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