Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-06-08 · Heft 23 (8.6.1870) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 23 (8.6.1870)
Date
1870-06-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447470--08366-2464010
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XI.Jahrgang. Beilage zu Rr. 23 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Cvrrespondenzen. Deutschland. Halberftadt, 24. Mai. Ein seltenes Fest wurde vorgestern und gestern in Halberstadt gefeiert. Selten darf man es wohl nennen, weil cs wcbl in den jüdischen Gemeinden Deutschlands bis jetzt noch nicht vorgekommen sein dürfte, daß ein Lehrer 50 Jahre in einer und derselben Gemeinde im Amte gewesen sei, und wohl auch nur in wenigen Fällen ein Lehrerjubiläum in solcher Weise gefeiert worden sein mag. Die in Nr. 49 dieses geschätzten Blattes inAuSstcht gestellte Feier des 60jährigen AmtSjubiläums des Herrn Oberlehrers Gerson Lasch hat sich zu einem zweitägigen Feste für die ganze Gemeinde herausge- Lildet. Bereits vor vier Wollen hatte sich auf Veranlassung des GemeindevorstandeS ein Comilv gebildet, in welches in einer für diesen Zweck berufenen Versammlung zwei Vertreter d s Vorstandes, zwei Repräsentanten und zwei Mitglieder des Vereines mNBn gewählt wurden und welches von der sehr zahlreichen Versammlung den Auftrag erhielt für eine würdige Feier des 22. Mai Sorge zu tragen. Die allgemeine Liebe, welche sämmtliche Mitglieder der Gemeinde dlm Jubilar entgegentragen und die hohe Achtung, in welcher er bei denselben steht, machte es dem Comite leicht, dem Wunsche jener Versammlung nachzukommen. Ter Senn abend “ro 'b war zur Vorfeier in der Synagoge bi stimmt. Diese war sestlick geschmückt. Am Freitag Abend wurde der Jubilar vom Comitö feierlichst zur Synagoge geleitet. Am Sornabend Morgen brachte rin Chor jetziger und früherer Scküler des Herrn L. unter Leitung des CantorS Herrn Jeretzki einen musikalischen Morgengruß, bestehend in der Absinguug eines hierzu eigens gefertigten hebräischen Liedes, worauf der feierliche Gang zur Synagoge stattfand. Hier hielt Herr Rabbiner Dr. Auerbach eine Festrede, welche der sehr zahlreich versammelten Gemeinde die Bedeutung des Lehrerberuss klar darlegte und Herrn Lasch die verdiente Huldigung brachte. Nach der Predigt wurde ein hebräisches Lied von der Gemeinde mit Begeisterung gesungen. Am Sonntag, Morgens 8 Uhr, fand eine Schulfeier statt, die sich den stattgehablen Ovationen würdig anreihte. Nachdem die Kinder ein Lied gesungen, brachte Herr Lehrer Bär die Glückwünsche Namens der örer der Anstalt dar und recapitulirte hierbei die Geschichte der Schule, die mit dem Leben und Wirken des Herrn L. so innig verbunden ist. Hierauf sprach der Herr Rabbiner zu den Kindern über die Bedeutung der Jubelfeier für dieselben. Einige Kinder trugen Festgedichte vor und überreichten ein kleines Geschenk. Herr Lasch erwiderte sichtlich gerührt und erklärte in sinniger Weise die Bedeutung einer Vorschrift des "jny nach welcher es bei Entgegennahme von Ehrenbezeugungen nicht gestattet, die Bescheidenheit zu weit zu treiben und nach welcher man namentlich nickt sagen soll: ich verdiene solche Ehre nicht —, sondern höchstens richtiger: ich habe sie verdient aberruru ms« ms: ich verdanke es meinen Eltern, ihren Bemühungen um meine Erziehung, ihrem Verbilde. Mit einem Liede schloß diese erhebende Feier. Die Theilnahme am Festessen, welches Sonntag Abends stattfand, ist eine zahlreiche zu nennen, denn es zählte ca. 50 Theiinehmer. Auch hier zeigte die herzliche Innigkeit, mit welcher sämmtliche Festgenossen bemüht waren, Herrn L. einen frohen Abend zu bereiten, welch treue Anhänglichkeit die biesige Gemeinde an ihren Lehrer fesselt. Die Gesellschaft, in welcher sich auch der Herr Seminardirector und der Schulinspector Herr Nchry befand, verlebte den Abend in der gemüthlichsten Fröhlichkeit. Daß Herrn Lasch unzählige Beglückwünschungen und Aufmerksamkeiten von allen Seiten aus Nah und Fern zu Theil wurden, ist nach dem Vorausgeschickten wohl selbstverständliü. — Das (Semite überreichte Namens der Gemeinde ein kostbares silbernes Tafelbesteck. Der Vorstand des Vereines p-w tviNBn, dem Herr L. als Mitglied 50 Jahre, als Vorsteher 30 Jahre angeb ört, schenkte ein Paar silberne Leuchter. Ehemalige Schüler in Berlin sandten einen kunstvoll gearbeiteten Pokal nebst einer künstlerisch calligraphirten Glückwunsckadresse u. s. w. Der Herr Kreislandrath schickte eine Gratulationsdepesche aus Karlsbad, wo derselbe sich gegenwärtig aufhält. Herr Commerzienrath Hir;ch spendete am Sonnabend beim Aufruf zur Thora 5uO Thlr. für den Schulsond '28 mitsn (der Name der Stiftung aus dem Jahre 1795, aus welcher die Schule dctirt wird) mit der Bestimmung, daß die Zinsen dem Jubilar zu Gute kommen. Bemerkenswerth ist die Theilnahme, welche die christlichen Collegen dem Herrn L. zollten. Fast sämmtliche Lehrer der Volksschulen und der Töchterschule begrüßten den Jubilar am Vorabend mit einem Ständchen. Am frühen Morgen des 22. trugen die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.