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Der Israelit · 1870-06-08 · Heft 23 (8.6.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 23 (8.6.1870)
Date
1870-06-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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432 schlagen, erfochten sie da« dritte Mal einen großen Sieg. Jetzt schickte Jesdegerd eine Gesandtschaft an SoLd und bat um Unterhandlungen. Der arabische Feldherr sandte darauf Unterhändler nach Ktesiphon. „Nimmst Du den Islam an/ ließ er dem Könige sagen, „so soll fürder kein Araber ohne Deine Erlaubniß nach Persien kommen, und unsere Anführer werden bloß die Steuern verlangen, welche alle Gläubigen zu zahlen verbunden sine. Nimmst Du den JSlam nicht an, fo mußt Du den Tribut bezahlen, welchen wir von den Ungläubigen verlangen. Verweigerst Du auch das, so bereite Dich zum Kriege vor." Erzürnt über solche Vorschläge, ließ JeSdegerd jedem der Gesandten einen Sack voll Erde um den Hals binden und schickte sie so zurück. Unterdeß waren Bostanai und Achai nach Mechusa geeilt. Nach einem Zeiträume von acht Jahren erblickte Jaletha den geliebten Sohn, Kaphnai den theuren Enkel wieder. Doch war nicht Zeit, sich den Freuden des Wiedersehens hinzugeben. Bostanai erließ einen Auftuf an die Juden, die schaarenweije zu seiner Fahne eilten; denn auch Jesdegerd hat die schmählicken Gesetze der Arzem-Dokht nicht zurückgenowmen. „Wenn die Araber siegen," sagte Bostanai zu seinen Stammesgenossen, „so werden wir in Ruhe und Frieden den Gesetzen unserer heiligen Religion leben dürfen. Ziehen wir ihnen deßhalb zu Hilfe." In Eilmärschen zog das jüdische Heer den Euphrat aufwärts, wo Perser und Araber sich gegenüberstanden. Rnstam hatte den Euphrat überschritten; sein eer war noch einmal so zahlreich als das der Araber. eirKadesia stießen die feindlichen Heere auf einander. Am ersten Tage der Schlacht ward keine Entscheidung gewonnen. Was die Perser durch ihre größere Anzahl voraus hatten, daS ersetzten die Araber durch Muth und Tapferkeit. Ebenso geschah es am zweiten und dritten Tage. Schon schienen die Araber der Uebermacht zu erliegen, da, gegen Abend kam Bostanai mit seinem Heere auf dem Schlachtfelde an. Die ftischen, noch unermüdeten jüdischen Kämpfer trieben die voranstürmenden Perser zurück. Die ganze Nacht hindurch währte der Kampf. Erst als Rustam erschlagen war, wandten sich die Perser in wilder Unordnung zur Flucht. König Jesdegerd hatte keinen Augenblick daran gezweifelt. daß Rustam mit seinem gewaltigen Heere die Feinde zum Lande hinaustreiben würde. Vor den Arabern fürchtete er sich nicht, wohl aber vor den Parteien am Hofe von Ktesiphon. Zwei Könige und eine Königin waren nacheinander durch Mord umgekommen. Welches Schicksal hatte Jesdegerd zu erwarten? Er suchte nun vor Allem seiner Thronbesteigung einen Schein des Anrechts zu geben. Deßhalb wollte er Dara, die letzte aus dem Hause SassanS heirathen. Aus ihrem Gefängniß ließ er die Prinzessin holen und nach Ktesiphon bringen. Dara war jetzt achtzehn Jahre alt und in der vollen Schönheit ihrer Mutter Scherihn erblüht. „Dara", sprach Jesdegerd zu der Königstochter, als sie vor ihm erschien, „Deine Schwester hat Dich gefangen gehalten; ich aber werde Dich auf den Thron von Persien erheben!" „Bist Du es nicht," entgegnete Dara, „der meine Schwester ermordet hat?" „„Deine Schwester war Deine Feindin; ich aber werde Dein Freund sein."" „Niemals werde ich den Mörder meiner Schwester meinen Gatten nennen!" „„Dara, sei vernünftig. Du mußt die Meine werden. Durch Dich erlange ich ein Anrecht auf den Thron der Sasianiden!"" „Und ich werde Dich hassen immerdar!" „„So werde ich Dich tödten lassen!"" „Lieber den Tod als einen Ehebund mit dem Mörder, an dessen Händen das Blut der Tochter meines Vaters klebt." Jesdegerd wurde schneeweiß vor Zorn. „Führet sie zum Tode!" rief er. Da wurde die Thür aufgerissen; mit Staub und Blut bedeckte Krieger stürzten herein. „Fliehe, o König!" riefen sie; „Dein Heer ist geschlagen, Dein Feldherr Rustam ist tobt, bald werden die Araber hier sein!" Der König erschrak. Rasch ließ er einige seiner Kostbarkeiten zusammenraffen und entfloh mit Wenigen seiner Treuen. Die in der Eile geretteten Kleinodien sollten seinem Leben ein Ziel setzen. Der flüchtige König suchte bei einem Müller Schutz. Dieser, lüstern nach dem Besitze des Golde« und der Edelsteine, welche die Flüchtlinge mit sich führten, überfiel sie Nachts im Schlafe, tödtete sie und warf ihre Leichen in den Bach, der seine Mühle trieb. Saäd zog mit den Seinen als Sieger in Ktesiphon ein, während sich Bostanai mit seinem jüdischen Heere wieder nach Mechusa begab. (Schluß folgt.) Briefkasten der Redaktion. Herrn Rabb. M. Weiskopf in Paris: Wir sind gern bereit die betreffenden Spenden im Israelit zu veröffentlichen. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Ronx'schen Hofbuchhandlung. — Darnpf-Schnellpreffendruck von I. Sott Sieben in Mainz.

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