Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1870)
- Date
- 1870-06-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Kerrillets«. A o st a « a i. Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) XXIII. Die Schlacht bet Kadesta. Von dem Tage an, da Bostanai in Medina angekommen war, änderte sich das Verhalten MahomedS gegen die Juden. Freilich war ihm der geringe Ueberrest der in Arabien wohnenden Söhne Israels nicht mehr gefährlich. ES war aber doch so viel gewonnen, daß die Lehre MahomedS nicht einen noch gehässigeren Charakter gegen Juden und Iudenthum annahm und daß die unmittelbaren Nachfolger deS arabischen Propheten einen milderen Geist von ihrem ReligionSstifter überkamen, als der war, den Mahomed selbst zur Anwendung gebracht hatte. Mahomed starb ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben. Seine Anhänger wählten seinen ältesten Gefährten, Abu Bekr, den Vater seiner Lieblingsgattin Mscha zum Chalifen (Nachfolger des Propheten). Diese höhe Würde hätte eigentlich Ali, dem Schwiegersöhne MahomedS gebührt; allein er war ein Feind der Mscha, und diese wußte ihm daS Chalifat zu entziehen. Ja, als A^u Bekr nach zwei Jahren starb, wurde nicht Ali, sondern Omar, MahomedS tapferer KriegSheld zum Chalifen erhoben. In Folge dessen drohte innere Parteiung die Anhänger MahomedS zu entzweien. Um diese Zeit kam ein persischer Jude nach Medina, um dort seinen Handelsgeschäften obzuliegen. Er brachte Bostanai willkommene Nachrichten vom Wohlbefinden seiner Mutier Jaletha und seines Großvaters Kaphnai. „Aber," sagte der Perser, „sonst haben wir traurige Zeiten; die Königin Arzem-Dokht bedrückt unsere Glaubensgenossen auf'S Fürchterlichste. Sie will Persien wieder zu dem alten Glanze verhelfen. will Krieg gegen den Kaiser führen und sammelt zu diesem Zwecke große Schätze, die wir Juden aufbringen müssen. Die Steuerlast, die uns drückt, ist unerträglich. Aber das ist noch lange nicht daS Schlimmste. Die Königin hat ein Verbot erlassen, nach welchem es Niemanden gestattet ist, in der Thora zu ftudiren. Die Hochschulen von Sura und Pumbaditha sind geschlossen. Ja, man sagt, Arzem-Dokht wolle demnächst alle ihre Unterthanen zwingen, die Religion der Perser anzunehmen, das Feuer anzubeten." Diese Nachrichten erfüllten Bostanai mit Schmerz; er verhüllte sein Antlitz und verharrte schweigend. „Ja," fuhr der persische Jude zu reden fort, „wir dürfen uns eigentlich über die Härte der Königin nicht beklagen; ist sie doch ebenso hart mit ihrer eigenen Schwester, mit der Prinzessin Dara, verfahren." „Meso?" fragte Bostanai rasch, „o sage mör, wie ist'- mit Dara?" „„Dir Königin wollte sie zwingen, den Tartareukönig zu heirathen, und als dir Prinzessin sich deffe« weigerte, wurde sie inS Gefängniß geworfen, kl welchem sie heute noch schmachtet." Eine unnennbare Sehnsucht erfaßte Bostanai; er wollte in die Heimath zurückkehren, seinen untere drückten Brüdern helfen. Doch wie sollte er dabeginnen? Bostanai eilte z«M Chalifen. „Herr," sprach er, „Du weißt, daß der Prophet oftmals meinem Rathe folgte." „Ich weiß es, Bostanai. Auch ich werde Dir dankbar sein für guten Rath." „„So höre. Warum sitzet Ihr daheim, Ihr Nachfolger MahomedS, und verzehrt Eure Kräfte in inneren Zwistigkeiten? Warum tragt Ihr daS Schwert MahomedS nicht hinaus zu den Heiden? Da ist int Osten ein großes Reich; ein schwache- Weib voller Launen beherrscht es. Jenes Land ist meine Heimath; wohlan ziehet hin; ich will Euer Führer fein I"" Dem Chalifen gefiel der Vorschlag. Er rüstete ein gewaltige- Heer aus, an dessen Spitze er den tapferen Saab stellte, mit dem Bostanai befreundet war. Bostanai und Achai begleiteten da» Heer der Araber. Als auf diesem Zuge einst Bostanai neben SaÜd ritt, fragte ihn dieser^ „Wie alt bist Du, Bostanai?" „„Ich Zähle jetzt,"" antwortete dieser, „„24 Jahre."" „Und warum," fragte Saud, „hast Du Dir noch kein Weib genommen?" „,,O,"" entgegnete Bostanai, „„daheim wartet auf mich eine- König- Tochter; sie hat mir einst da» Leben gerettet und schmachtet jetzt im Gefängnisse. Nicht eher werde ich ein Weib mir nehmen, biich Dara aus dem Gefängnisse befreit habe."" Darauf erzählte Bostanai dem arabischen Feldherrn Alls, was sich ihm ereignet hatte. Als man am Hofr zu Ktesiphon von dem Heranrücken des arabischen Heeres hörte, rüstete Arzem-Dokht mit aller Macht; sie selbst wollte das Heer in die Schlacht führen; ihr zunächst sollte Hormuz, ein Feldherr ihres Vaters, stehen. DaS aber erregte die Eifersucht RustamS, eines andern Feldherrn; dieser verband sich mit Iesdegerd, einem Seitenverwandtea des persischen Königshauses; sie ermordeten die Königin, und Rustam ließ Iesdegerd als König ausrufen. Iesdegerd hatte nicht den Mutb, das Heer zu be* gleiten; er blieb in seiner Hauptstadt, Rustam die Bertheidigung des Vaterlandes überlassend. Unterdeß rückten die Araber langsam vor und" kämpften mit abwechselndem Glücke. Zweimal ge-