Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1870)
- Date
- 1870-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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427 glauben, daß auch hier einstens Druck geherrscht, der unsre Voreltern zwang, 14 Schritte vom Brunnen entfernt zu bleiben, um Wasser zu trinken; auch durften selbe das Wasser nicht selbst schöpfen. Nach einer sUecirllen Verfügung des Landgrafen Ernst hatten die Juden daselbst ihren eignen Platz, der sogar durch eine Aufschrift bezeichnet war. (Culturgeschichte vr. Genth's, Schwalbachs Stadtleben im 17. Jahrhundert). Heute ist ein Jude bei den Stadtverordneten, 4 bei der Bürgerrepresentanz. Dieses Jahr fungirt zum zweiten Male unter beliebter und humaner Cantor und Lehrer HeidingSfeld am Actienbadehause als Cassirer, und war der Direktor dieser Anstalt, Herr Bürgermeister Phillippi so freundlich, am na^ diesen Dienst selbst zu führen. — Dieses Etablissement, eine Zierde der Stadt, war hier ein lang gefühltes Bedürfniß, denn oft mußten Fremde 8—14 Tage auf Bäder warten und konnten ihre Cur nicht beginnen, da das obere Badehaus nicht genügte, dem großen Aufschwung unsres Badeortes Rechnung zu tragen. Das ActienbadehauS kostet 100,(XX) Fl. und bietet mehr Comfort und mehr Bäder, und werden daher alte Besucher unsres Bades angenehm überrascht sein, anstatt der Läden in der Colonade Bäder anzutreffen; aber noch mehr überraschen dürfte, gegenüber eine Trinkhalle zu finden, die zu den schönsten in den Bädern Deutschlands gezählt werden kann. Dieselbe wird dieser Tage vollendet. Das Mineralwasier des erstgenannten BadehauseS am Lindenbrunnen, soll nach Analysen von berühmten Professoren an Kraft der Gase, dem oberen gleich sein, und erfreut sich daher auch dieses einer lebhaften Benützung. — Weiter bestehet hier eine Curcommission, d?e den Zweck hat, Verschönerungen zu treffen und überhaupt für Annehmlichkeiten der Badegäste Sorge zu tragen und bedurfte es nur der Anregung von meiner Seite, zu den 40 Zeitungen des LesecabinetS, noch 2 jüdische Blätter zuzufügen und liegen heute schon der Israelit und die Zeitung des Judenthums auf; eine Rücksicht, die unserm Director Herrn von Köffler zur Ehre gereicht. Bei der Gründung eines Hospitals im vorigen Monat, und meiner Generalversammlung befragt um die Stellung der verschiedenen Religionen zu diesem, war der Vorstand sofort bereit, die Abänderung eines Statuts vorzunehmen und heißt es darin: HoSspital für alle Confessionen, und wird in diesem unsrem Glauben insofern Rechnung getragen sein, als eine jüdische Küche daselbst ist, und jüdische Wärter darin funairen. Faßt man alle diese Thatfachen zusammen, so werden gewiß die Leser JbreS geschätzte» BlatteeS gerechtfertigt finden, daß wrr mit unsern Verhältnissen zufrieden sind. Möge uns Gott weiter in diesem humanen Lnsvrndle» beschützen, da dafür unS und unsre 6—700 jüdische Badebesucher gewiß befriedigend und unsern Mitbürgern zur Ehre und Vortheil gereicht. GunderSheim. (Kurhessen). Dieser Tage starb in Holzhauseu der Lehrer Hirsch Wolf Hahn. Derselbe, ca. 55 Jahre alt, war auS Fulda gebürtig, und wirkte mit großem Erfolge feit 30 Jahren als Lehrer in Holzhausen. Er war ein pot», der Nächte hindurch *oa:i lernte, und als ein frommer, streng religiöser Jehudi, als edler Charakter in der weiten Umgegend bekannt. Der Verblichene hat ca. 30 j^nge Leute, die Lehrer geworden sind, bis zum Seminar herangebildet, und waren deren auch Mehrere heute von Nah und Fern zu seiner Beerdigung herbeigeeilt. Dem Verblichenen ist seine Frau schon vor einigen Jahren irrsinnig geworden; sie ist in einer Anstalt untergebracht. Für die sieben unmündigen Kinder, die er hinterläßt, wovon vier zu Hause find, ist und wird gesorgt. □ D^üuchen, 23. Mai. Die geschätzten Leser dieses Blattes werden sich noch erinnern, daß bei der Synode zu Leipzig, sich weder Se. Ehrw. der Herr Rabbiner hier, noch auch einer der Herrn Vorstände der hiesigen jüdischen CultuSgemeinde betheiligt haben. Es ist daher die Mittheilung in einer der letzten Nummern der „AugSb. Abendztg." irrig, wonach „von Seiten der Verwaltung der israel. Gemeinde München eine „Einladung" an die Synode ergangen sein soll, in diesem Jahre hier zu tagen." ES ist vielmehr eine bekannte Thatsache, daß die Leiter der Synode zuerst Augsburg mit ihrer Versammlung beglücken (?) wollten, hievon aber wieder abgekommen sind, und hier in München die Anfrage stellte», ob sie hier ihre Versammlung abhalten könnten. Dieseist ihnen vom Vorstande nicht verwehrt worden, und so mögen sie denn gettost — die Sehenswürdigkeiten Münchens in Augenschein nehmm, weiter hat eS ja doch keinen — Zweck, und keine — Folgen. — (Auch an den Vorstand der isr. Gemeinde zu Mainz hat, wie verlautet, das Präsidium der Synode die Anfrage gerichtet, ob letztere daselbst abgehalten werden dürfte. Der Vorstand hat jedoch in gerechter Würdigung der hiesigen Verhältniffe die unserer Stadt zugedachte Ehre (?) abgelehnt. Red.) Weimar» 1. Juni. (Großherzogthum Sachsen Weimar-Eisenach.) Seit vorgestern haben die Plenarverhandlungen des Landtags begonnen und werden in rascher Folge so fortgesetzt, daß mit Ende der Woche der Schluß erfolgt. Für die gleiche Behandlung aller Culte ist eS bemerkenSwerth, daß der Landtag auch die Unterstützung deS iSr. CultuS, wie solche proponirt, genehmigte. Die Staatskasse übernimmt fortan die Hälfte der LandrabbmatSbesoldung und läßt den Landrabbiner*) in die Wohlthaten der Staatsdiener *) Das ist der in jüngster Zeit mehrerwahnte Dr. Heß.