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Der Israelit · 1870-06-01 · Heft 22 (1.6.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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lUw a. d. D. Wir werden-bald eine Synagoge «halten. Dieselbe kommt auf den Weinhof zu stehen, wird 87' lang, 60' breit und ohne Thürme und Kuppel 42' hoch werden. Die Gefammtkosten sind auf 35>000 st. veranschlagt. Der Plan ist von Eisenbahn-Bauinfpector a. D. Wolsi in Stuttgart, dem auch die Leitung übertragen wurde. Herr Wolsi leitet dermalen auch den Synagogenbau in Nürnberg; bekanntlich ist er der Erbauer der Stuttgarter Synagoge (nachBreywann's Tod). Oesterreichisch-Urigarische Monarchie. Wien. Herr Julius Stern aus Wien, welcher zur Stärkung seiner Gesundheit Griechenland bereiste, wäre beinahe ein Opfer der Räuber geworden, da er, mit Herrn Herbert aus London reiste, der bekanntlich von den griechischen Räubern mit noch mehrern Andern »«gebracht wurde, was in Europa die allgemeine Theilnahme hervvrgerufen hatte. Doch glücklicherweise wurde Herr Stern im letzten Augenblicke plötzlich verhindert, die Exkursion rmtzumachen. (Jew. Ehr.) An ^der hiesigen Universität studirt ein jüdisches Mädchen, Namen« Sch. Rubinstein aus Ceruywitz,. Philosophie. Italien. Mom, 17. Mai. Wie haben unlängst eine Schilderung und Geschichte des Ghetto in Rom gebracht; hier nach einer Correspondenz der N. fr. Pr. eine Darlegung des Zustands der jüd. Gemeinde in Rom: U Da man hier wiederholte Anläufe gemacht hat, hie Bekenner des mosaischen Glaubens znr Aufgebung ihrer MessiaS-Jdee zu bewegen, mit der fchlechtvcrhehlten Absicht, in der Folge deren Massenbekehrung zum KatholocismuS zu ermöglichen, und sogar der Papst selbst sich herabließ, jüngsthin süße Schmeichele Worte an dieselben zu richten, so wollen wir es versuchen, den jetzigen faktischen Zustand der in Rom einheimisch cn Juden aus ganz zuverlässigen Quellen in kurzen Umrissen zu schildern. ES wird sich dabei klar Herausstellen, daß sich die gegenwärtige Regierung i keineswegs in vertrauenerweckender Weise gegen die Abkömmlinge jener ehrwürdigen Eolonie aus Palästina bestimmt, welche schon unter Pom pejus und Crasius, Fange vor der Zerstörung Jerusalem« durch TituS, die ewige Stadt bewohnte und unter Kaiser August bereits des römischen Bürgerrechtes, thrilhastig wurde, also nicht nur die urälteste israelitische CultuSgemeinde Europas ist, sondern auch dmch die bewundernSwuthe Standhaftigkeit, womit sie, unerschütterlich an den Traditionen ihrer Väter hängend, die bittersten Drang? sale und Verfolgungen im Laufe zweier Jahrtausend« erduldete, die allgemeinste Beachtung verdient. TaS römische Ghetto, besten Einfassungsmauern zwar vor mehreren Jahren entfernt wurden, das sich aber sonst noch ebenso abschreckend ausnimmt »i« ehemals, befindet sich in einem abgeleg nen Winkel am linken Ufer der Tiber und umschließt nur wenige feuchte, dumpfe und von Schmutz starrende Straßen, in welche ungefähr 4700 abgehärmte menschlicheCreaturen eingepfercht sind. Der Kasimierz zu Krakau ist unstreitig ein Paradies dagegen. Das ganze Quartier liegt überdies so niedrig, daß es beim öfteren Austreten des Flusses fortwährenden Ueberschwemmungen ausgesetzt ist. Die unglücklichen Bewohner desselben dürfen außerhalb dieses Zwingers nur in dessen nächster Nähe Häuser oder Kaufläden als MiethSleute beziehen, wozu in jedem vorkommenden Falle eine fpecielle Erlaubniß Sr. Eminenz des Cardinal-Vicars erfordert wird. Sie nähren sich ohne Ausnahme vom Handel mit Webwaaren, altem Plunder und Lumpen jeglicber Art, da ihnen die meisten Erwerbszweige der gebildeten Stände und ein großer Theil industrieller Hantierungen vollständig unzugänglich sind. So ist es ihnen absolut versagt, Apotheker, Advokaten, Notare, Maler, Bildhauer oder Architekten zu werden. Daher sind für die Jünglinge der römischen Judenschaft die Akademien der schönen Künste und die Universitäts-Studien hermetisch verschlossen. Eine wahrhaft drakomscke Einrichtung, die in einer vorwiegenden Kunststadt wie Rom und bei dem ausgesprochenen Talente dieses geistig so hochbegabten Stammes, welcher in anderen Ländern auf jenen Gebieten so Ausgezeichnetes leistet, doppelt empörend erscheint. BloS der Beruf als Heil- und Wundarzt wird ihnen von der heutigen Curie gnädigst gestattet, aber nur unter der Bedingung, daß sie ihre Praxis einzig und allein auf ihre ReligionSgenossen beschränken. Auf unverbrüchliche Beobachtung dieses Gesetzes wird hier sehr strenge gehalten. Denn ein hiesiger Doctor, der vor zwei Jahren einem auf der Straße ohnmächtig zusammengesunkenen Manne katholischer Confession ärztlicher Hilfe ertheilte und auf dessen ausdrückliches Verlangen ibn später in seiner Behausung noch ein paarmal besuchte, wurde unverweilt zur Rechenschaft gezogen und dankte..es nur der Verwendung eines hochgestellten Monsignores, für diesmal straflos durchgekommen zu sein. Offenbar betrugen sich die mittelalterlichen Hierarchpn in dieser Beziehung weit aufgeklärter und humaner ^ilS ihre jetzigen ^Nachfolger. Zählt , doch die römische Geschichte eine ganze Reihe von berührten. hebräischen Aerzten auf, zu denen die früheren Päpste in.bedenklichen Krankheitsfällen: ihre Zuflucht gepvm-

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