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Der Israelit · 1870-06-01 · Heft 22 (1.6.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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412 wird zu Dir nach^Medina kommen und Dir frohe Botschaft bringen! — So sage mir denn, Fremdling, was Du zu sagen hast!" Bvstanai erkannte sofort, daß Kafya den ihr gewordenen Auftrag vollzogen Hütte; er unterdrückte dasLLckeln, das seinen Mund umschwebte, und sprach: „Höre, Mahomed, waö unsere heiligen Schriften über Dich und Dein Volk verkünden. Nach der Zerstörung des heiligen Tempels zu Jerusalem lebte ein weiser heiliger Mann, Rabbi Sct imeon ben Jochai hieß er; er war ein Feind der Römer, und der römische Kaiser wollte ihn tödten lassen; da entfloh er und versteckte sich in einer Höhle dreizehn Jahre lang; hier, wo Gott ihn in wunderbarer Weise ernährte, offenbarte sich ihm ein Engel Gottes und enthüllte Ihm die Zukunft; da schaute Rabbi Schimeon Dich, Mahomed, wie Du aufstehest und gleich Deinem und unserm Vater Abrabam die Einheit Gottes verkündest, und wie Du, der Nachkomme Jischmaöls, mit dem Schwerte die Völker bezwingest und beherrschest. Und Rabbi Schimeon sah Deine Religion und Dein Reich sich ousbreiten ist er die ganze Erde. Da erfaßte ihn ein tiefer Schmerz und er rief: Ist nicht genug an dem, was Edom ^Rom) uns gethan, soll unS auch Jiichmael so wehe thun? Da sandte ihm Gott Seinen Engel, und der Engel sprach: Fürchte Dich nicht, Du Menschensohn, Gott verleihet»JischmaSl Herrschaft, um Euch von Edom zu erretten; Er wird ihnen aufstellen einen Propheten nach Seinem Willen*) und sie werden viele Länder erobern und große Feindschaft wird sein zwischen ihnen und den Söhnen Esau's. — Und jetzt, Mahomed, Du bist der Prophet, von dem der Engel zu dem Rabbi gesprochen. Du sollst die Götzen ausrotten von der Erde, und Deine Lehre wird sich ausbreiten über viele Länder. Warum aber verfolgst Du die Juden, die Diener des einzigen Gottes? Zur Hilfe bist Du uns gesandt, aber nicht als Feind und Verfolger." „Und woher, Fremdling," entgegnece Mahomed, ^ist Dir diese Prophezeiung kund geworden?" ^Hier," entgegnete Bvstanai, „n mm dieses Pergament; da steht es geschrieben mit alter Schrift. Diese Pergamentrclle hat mir mein Großvater Kaphnai, der große Lehrer Israels, übergeben." Mahomed nahm die Pergamemrolle und reichte sie seinem Schreiber Ibrahim. Dieser las den Inhalt hebräisch vor und übersetzte ihn dann in's Arabische. Erstaunt hörte Mahomed zu; dann befahl er Alle«, die zugegen waren, ihn mit dem Fremden *) Diese ganze Stelle findet sich in den hi p editio Salonicki 1743. PVJftOJ allein zu lassen. Als das geschehen war, sagte Mahomed: „Fremdling, wie ist Dein Name?" „„Ich heiße Dostanai; mein Vater war Hunpa und der Vater meines Vaters war Chaninai, der Fürst der Juden, der Nachkomme des Königs Davids." „Sei mir willkommen, Bvstanai, in meinem Hause. Nun sage mir, wir sind hier allein, ist das wirklich eine göttliche Prophezeiung, die Du mir mitgetheilt?" „„Sie ist es!"" „Warum aber wählt Gott nicht einen Propheten aus Israels Miste?" „„Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Noch ist die Welt «ickt empfänglich für den reinen Glauben Israels. Wisse, Mahomed, auch Du und die Religion, die Du verkündest — Ihr sollt nur vorbereiten die Welt und sie fördern auf eine höhere Stufe der Erkenntniß. Allein Israel ist und bleibt Gottes Volk immer und ewig."" „Bostanai, nimm auch Du den Islam an; alle Juden werden Deinem Beispiele folgen. Wirst Du Dich zu meiner Religion bekennen, so will ich Dir meine Tochter zum Weibe geben nnd Dich zu meinem Nachfolger machen." „..Wie Du jetzt, Mahomed, also sprach einst König KosroLs von Persien zu mir. Doch, spare Deine Worte, ich werde meinem Glauben nicht untreu werden. Du aber, Mahomed, was bedarfst Du der Juden? Die ganze Erde steht Dir offen. Die Bekenner Deines Glaubens werden Aegypten, Syrien, Mesopotamien, Persien, Griechenland, Afrika, Spanien erobern — was nützen Dir die wenigen Juden? Laß uns unserm Gotte dienen wie bisher, und bedenke es wohl, die Herrschaft ist nur deßhalb Jischmael gegeben worden, um Israel aus der Hand Edom'S zu helfen, nicht aber um Jakobs Söhne zu vernichten. O, höre meinen Rath, Sohn des Abdallah! Draußen stehen die Gesandten von Wadil-Kora. Gib ihnen günstigen Bescheid und zeige, daß Du Deinen <Änn in Bezug auf die Anhänger der Lehre Moses geändert hast." „Es sei so," sagte Mahomed, „Du aber bleibe bei mir und laß mir Deinen weisen Rath stets zu Theil werden." Barak und Tclek brachten ihren Brüdern in Wadil-Kora die Freudenbotschaft, daß sie fürder ungestört ihrem Gotte dienen dürften. Bostanai und Achai blieben in Medina. (Forst. folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roiix'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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