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Der Israelit · 1870-06-01 · Heft 22 (1.6.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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411 „Du kennst, Fremdling," entgegnete Ibrahim, „Mahomed nicht, da Du also sprichst. Er ist unbeugsam; wie oft habe ich ihn angefleht, Schonung zu. üben; allein sein rachsüchtiges Herz, sein vom Fanatismus beherrschtes G:müth kennt kein Erbarmen!" „So wärest Du bereit, Ibrahim, zu helfen, wenn Du helfen könntest?" „„Mit Leib und Seele!"" „So verschaffe mir eine Unterredung mit Kafy a, der Gattin des Propheten, die in ihrem Herzen noch eine der unfern sein soll!" „„Was glaubst Du, Fremdling? Eher könnte ich Dir den Weg in den Mond bahnen als den Zugang zu dem Harem des Propheten."" „Kannst Du auch nicht eine geheime Botschaft an Kafya gelangen laffen?" „„Vielleicht."" „So lasse ihr sagen, sie solle Mahomed erzählen von einem Traume, den sie gehabt, und in welchem ihr verkündet worden, ein Enkel König Davids würde nach Medina kommen und für Mahomed erfreuliche Nachrichten bringen. Ich bitte Dich, Ibrahim, laß diese Botschaft in verschwiegener Weise an Kafya gelangen. Das Leben und das Wohlergehen der Israeliten von Wadil-Kora hängt davon ab." Ibrahim versprach, das Seinige zu thun. Er trug einem ihm ergebenen Eunuchen die Botschaft an Kafya auf, und dieser bestellte sie getreulich. Kafya war eine Jüdin von Geburt und mit einem jüdischen Dichter Namens Kinana verheiratet gewesen. Als ihr Gatte in einem der Kämpfe Mahomeds gegen die Juden gefallen war, gerieth sie in Gefangenschaft. Mahomed, der ihren Geist und ihre Schönheit bewunderte, zwang sie, trotz ihres Streubens, seine Gattin zu werden. Der Prophet hatte deren vierzehn! Kafya war im Herzen Jüdin geblieben und hatte nur dem Zwange nachgegeben. Mahomed verehrte sie sehr und zog sie allen seinen andern Frauen vor. . Kafya vernahm die Botschaft, die ihr Ibrahim sandte, und beschloß so zu thun, wie ihr der Sekretär des Propheten hatte sagen laffen. Am andern Morgen wollte Kafya spazieren reiten. Das Kameel stand gesattelt vor der Thüre des Hauses, aber es war keine Leiter zur Hand, durch deren Vermittelung Kafya den Rücken des Tbieres hätte ersteigen können. Da eilte Mahomed herbei und beugte seinen Nacken und rief: „Himmlische Kafya, Du Tochter des Hohenpriesters Ahron und Nichte des Nebi *) Moses **), bediene Dich meines Rückens als Leiter, um das Kameel zu ersteigen!" *) Prophet. **) Kafya war aus dem Stamme Nadhir, die sämmtlich Kohanim waren. „Du bist gar gütig, Prophet," entgegnete Kafya, „und weil Du so artig bist, will ich Dir auch etwa- Schönes erzählen." „„Erzähle, Du Blume des Paradieses."" „In voriger Nacht schaute ich im Traume einen ehrwürdigen Greis, der sich mir als den Nebi Daud*) zu erkennen gab; er trug mir auf, Dir zu sagen, daß er dieser Tage seinen Enkel mit froher Botschaft zu Dir senden werde." „„Ich danke Dir, schöne Tochter Iuda's, möge Dein Traum sich erfüllen."" An diesem Tage hatte Mahomed zwei Gesandtschaften zu empfangen, die der Juden von Wadil- Kora und die der Bewohner der Stadt Takif. Beiden hatte Mahomed den Krieg oder den Islam anbieten lassen: Die Gesandten beider Stämme erschienen vor Mohamed. Zuerst traten die Takifiten vor, während die Juden im Hintergründe stehen blieben. „„Prophet Gottes,"" sagte der Sprecher der Takifiten, „„wir kommen Dir zu melden, daß wir bereit sind, den Islam anzunehmen, wenn Du uns vergönnst noch drei Jahre unserm Gotte Lat zu dienen, und wenn Du uns von der Pflicht zu beten, befreist."" „Eine dreijährige Abgötterei ist zu lang," entgegnete der Prophet, „und was ist ein Gottesdienst ohne Gebet?" „„So lasse uns Lat noch ein Jahr anbeten und gestatte uns, wenn wir beten, aufrecht stehen zu bleiben."" „Ich kann Euren Wunsch nicht gewähren. Nicht ich, Gott ist es, der Euch zu Seinem Dienste ruft." „„So vergönne uns die Verehrung des Lat nur noch sechs Monate!"" „Nein!" „„So erlaube uns, nur noch einen Monat lang, den Lat zu verehren."" „Nicht eine Stunde!" Als die Gesandten schwiegen, befahl Mahomed seinem Feldherr Omar, die Gesandtschaft mit seinen Kriegern nach Takif zu begleiten und den Götzen Lat zu zerschlagen. Nachdem Omar sich mit den Gesandten entfernt hatte, trat Bostanai vor und rief: „Heil Dir, Mahomed, daß Du die Götzen zertrümmerst; aber wehe Dir, daß Du die Diener des einzigen Gottes vertilgest!" „Wer bist Du," fragte Mahomed erstaunt, „der Du es wagst also mit mir zu reden!" „„Ich bin ein Enkel des Nebi Daud!"" „Ha," rief Mahomed, „Deine Ankunft ist mir offenbart worden. Der Engel Gabriel ist mir erschienen und hat mir gesagt: Ein Enkel des Nebi Daud *) König David wird von den Arabern Nebi Daud genannt.

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