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Der Israelit · 1870-06-01 · Heft 22 (1.6.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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409 mustergiltig zusammenfaßt, wie dies noch bis zu Anfang unseres Jahrhunderts der Fall war. Schon in der bloßen Thatsache des Zusammenschlusses der gegenwästig zersplitterten Theile liege eine gewaltige Tragweite. Die jetzt so erschwerte Verständigung werde erleichtert, der Austausch und die Verwirklichung fruchtbarer Gedanken beschleunigt werden. Der Redner warnt nun die großen Gemeinden vor der Ueberhebung, als bedürften sie der Mithilfe der kleinen nicht; ebensowenig dürfen diese mit schlecht angebrachter Bescheidenheit vorschützen, ihre Mitwirkung sei nicht 'von nöthen. Ein großer Bau komme nur zu Stande, wenn die Urheber des Planes mit denen, die den Mörtel herbeitragen, einträchtig Zusammenwirken. Auch handele es sich gar nicht um ein bloßes Ideal, sondern um ein durchaus praktisches Institut, das wirklich vorhandene Bedürfnisse befriedige. Der Redner führt hier an den Fragen der Lehrerausbildung und des Pensionsfonds sehr überzeugend aus, welch ein nützliches Institut der Gemeindeverband zu werden verspreche und wie es ein wahres Glück sei, daß die hohen und reinen Ideen, richtig aufgefaßt, immer zugleich auch wahrhaft praktische Interessen sind. Ein deutsch-israelitischer Gemeindebund als lebendiges Glied de? die Juden aller Länder umfassenden Alliance israelite universelle werde noch eine ganz andere Stütze desselb n sein, a's eine größere oder geringere Anzahl einzelner Mitglieder. Werde Israel so den Weg der Verständigung und der Solidarität wieder betreten, dann werde es nicht mehr gleich dem „Sand am Meere", der keine Bindung hat und eben darum unfruchtbar ist und der höchstens dann einigen Halt und Einheit gewinnt, wenn die Wogen über ihn hingehen, nein, Israel werde leuchten „wie die Sterne des Himmels", die nach ewigen Gesetzen harmonisch ihre Bahnen ziehen (Bravo!) Ein Vorschlag des Herrn Calm (Bernburg), der dn Herausforderungen des Concils und der innern Mission mit scharfem Protest entgegen getreten sehen will, ruft lebhaften Widerspruch seitens des Herrn Georg Feig! (Prag, Mitglied des Ausschusses) hervor; der Gemeindetag habe lediglich administrative Zwecke. In ähnlichem Sinne spricht sich Herr Adv. Dr. Emil Lehmann (Dresden Ausschußmitglied) aus; das Zustandekommen eines jüdischen Gemeindebundes werde der eindringlichste Protest gegen jene proselytenmacherischen Bestrebungen sein. Herr Kohner ist der Ansicht, daß die angeregte Angelegenheit zwar nicht zur Competenz des Ausschusses des Gemeindetags, wohl aber zu der des zu gründenden Bundes gehöre, gerade solche Anmaßungen lehren recht deutlich, wie nöthig es sei, einen solchen Bund zu schaffen. Im weitern Verlaufe der Debatte weisen d'e Herren Feig! (Prag) und Rechtsanwalt Iosephthal (Nürnberg), der besonders in Süddeütschland vielfach umlaufenden Auffassung, als ob der Gemeindetag nur eine gewiffe religiöse Richtung bevorzuge, andere aber (strenge orthodoxe) in den Hintergrund drängen wolle, energisch zurück; Zweck und Wirkungskreis des Gemeindetags seien völlig von denen der Synode verschieden. Herr Feigl constatirt, daß die Theitnahme Prags, dieser altehrwürdigen frommen Gemeinde, der anzuzehören und die zu vertreten er die Ehre habe, an dem schönen Werke des Gemeindetags eine unzweideutige Gewähr dafür sei, daß es sich hier nicht um destructive Tendenzen, überhaupt nicht um religiöse und ceremonielle Controversen handle, daß vielmehr alle Richtungen in gleicher Weise in diesem lediglich organisatorischen und repräsentativen Zwecken gewidmeten Verbände Platz finden solle. Herr Kohner betont, wie man bei dem zu ordnenden Pensionswesen, bei Stipendien, bei der Armenpflege nicht erst nach der religiösen Richtung der betreffenden Beamten fragen, sondern jeoem Verdienste beispringen werde. Nachdem noch Holländer (Leobschütz) dem Ausschüsse in üblicher Weise den Dank der Versammlung unter lebhaftem Zurufe notirt hatte und nachdem der Vorsitzende nochmals auf die in Empfang zu nehmenden Drucksachen über den Gemeindebund, die Alliance deren Statuten und Berichte erinnert, wurde dieselbe geschlossen. Auch diesmal ließ sich ein großer Theil der Anwesenden in die Mitgliederliste eintragen. Möge nun ein Jeder dieser neuen Freunde der guten Sache die begeisterte, opferfreudige und versöhnliche Stimmung, die in diesen V rsammlungen waltete, mit sich hinauSgetragen haben in seine Heimath, damit das herrliche Werk immer mehr Boden gewinne, immer tiefere Wurzeln schlage in den Gemeinden deS deutschen Israel, das schon so viel für jüdische und allgemeine Cultur geleistet, aber noch unendlich mehr leisten könnte — wenn es einig wäre! Noch lange nach Schluß der Versammlung gab sich die gehobene Stimmung der Theilnehmenden in Wort und That (es fandm sich Zeichnungen von Jahresbeiträgen auf 20 Thlr. und 10 Sgr.) kund; es meldeten sich Glaubensgenossen aus Rußland, Ungarn und Frankreich, die sich als Mitglieder einzeichneten. Unter letzteren erschien namentlich ein Mitglied des C-ntral-Comitv der Alliance aus Paris, Herr Abr. Cröhange, welcher Veranlassung nahm, feine hohe Befriedigung über den Geist deS Gemeindebundes und der der Gemeinsamkeit mit der Alliance auSzusprechen, worüber er in Paris Mittheilung zu machen sich veranlaßt sehen werde.

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