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Der Israelit · 1870-05-25 · Heft 21 (25.5.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 21 (25.5.1870)
Date
1870-05-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XL Jahrgang. Beilage zu Rr 21 des Israelit AeLtuugSnachrichten «n- Correfpo«- denzen. Deutschland. Mainz, 20. Mai. Auf Bericht des Herrn Mabbiner Israel Salanter zu Kowno, daß sich Bie iSr. Bewohner der Stadt Samut (Somostze?) in der größten Noch und dem Hungerlode nahe befinden, haben wir heute von den noch in unfern Händen befindlichen Ünterstützungsgeldern für die Nothleidenden in Westrußland einhundert Thaler der genannten isr. Gemeinde übersandt. ArrS dem Westrich. (Pfalz.) Wenn alle Rabbilien ihr Thun und Lasten dem yuw unterordnen und für Gott und seine heilige Religion wirken würden, ja dann würde es im Zudenthume noch nicht so traurig auSsehen, wie es leider jetzt der Fall ist, wo selbst Rabbiner mit dem unlöblichen Beispiele vorangrhen, des Mamons willen einen nach dem anderen Äer Bord zu werfen und zu thun — ro»» no — In Zweibrücken sollte am 2. Pesach-Tage eine jüdische Frau beerdigt werden und ward der Bezirksrabbiner Herr I. Oppenheimer in Pirmasens, — dem nebenbei gesagt die y"v noch bekannt und heilig find telegraphisch berufen, am 2'v vn die Leichenrede zu halten. Derselbe wollte aber weder nach L. reisen, Noch einen halten. WaS geschah aber? Herr Seligmann, Rabbiner inKaiferölautern «nniNi oirint» prt ns» ruifon nn T2» -V'M fuhr am Feiertage per Eisenbahn von KmserSlautern nach Zweibrücken (8 Wegstunden) mld Hielt eine Trauerrede. WaS man doch für Geld Alle» haben kann! - ' In wenigen Staaten Deutschlands genießen die : Israeliten solche Freiheiten und solche Gleichberechtigung j mit ihren christlichen Mitbürgern wie in der Pfalz,! und man darf es zum Ruhme Israels behaupten,' j daß die Israeliten durch Moralität und Bürgertugen- | den sich im Allgemeinen die Achtung und Anerkennung j ihrer christlichen Mitbürger erworben haben. — | Dies zeigt sich recht deutlich bei jeder Wahl j der Gemeinderäthe, Geschwornen, rc. rc. In den! Städten, wie in den Dörfern finden sich , und mit-! unter eine beträchtliche Zahl Israeliten im Ge-! meinderathe. j In dem nahen Jugenheim ist sogar, und dies ist vielleicht der einzige Fall in Deutschland, ein IS- I raelit und zwar ein strenggläubiger, frommer Jehudi, , Hr. B. Roos als Bürgermeister gewählt und I genehmigt worden, und genießt derselbe durch pürMj liche und gerechte Verwaltung seines Amtes in hohem j Grade die Achtung seiner Gemeinde und Vorgesetzten. — | Abermals ein Beweis, daß man seiner Relgiorr; getreu sein und doch in schöner Eintracht Mit seinm j christlichen Mitbügern leben und deren Achtung erj werben und besitzen kann. — Auch als LandtagSabgeordneter ward in dem Wahlkreise Edenkoben ein Israelite und zwar der in der Pfalz hochgeehrte Herr Simon Levy aus Landau gewählt. Einen weiteren Beweiß, daß die bürgerlichen Rechte der Israeliten in der Pfalz Anerkennung finden, liefert der Umstand, daß die Gehalte der jüdischen Lehrer in vielen Gemeinden, in den Stählen wohl überall, ganz oder theilweise in humanster Weise ander Stadt- oder Ortsgemeinde-Casse bezahlt werden, obwohl die Gemeinden bis jetzt gesetzmäßig hiezu nicht verpflichtet sind, und die hohe königl. Regierung solche Zeichen der Humanität gerne genehmigt. — Dah«. Als längjähriger Abonnent Ihrer sehr geschätzten Zeitschrift, kann es den Schreiber dieses nur unangenehm berühren, daß sich bis jetzt auch nicht eine Feder gefunden, welche die jüd. Zustände der Pfalz geschildert und den noch einigermaßen gefetzestreuen Israeliten das dswipd D’Jsd” my zuge- Tnfen hätte. — Wenn ich es deßhalb versuche, diese Verhältnisse zu besprechen, so seien Sie nachsichtig, geehrter Herr Redakteur, wenn ich nur ein unvollkommenes Bild mit dunklen Farben zeichne. — Um jedoch meinen Bericht mit Erfteulichem zu Beginnen, fei es mir gestattet, erst einige Mittheilunüber die Verhältnisse der pfälzischen Israeliten im Bürgerlichen Leben zu machen. — Die jüd. Lehrer haben vom Staate aus dieselben Rechte wie ihre christl. College» und genießen wie wie diese die Dortheile der PensionS- und der Wittwen- und Waisen-Caste. Hoffen wir zu Gott, daß mit der Zeit auch die letzte Schranke falle vnd dem Iudenthume auch die Pforten der Staatsämter eröffnet und die volle Emancipation der Israeliten Bayerns zum Gesetze erhoben werde. — Glaubst Du aber lieber Leser, daß die Israeliten der Pfalz dem Lenker der menschlichen Herzen, dankbar für solche Wohltharen, in treuer Liebe und mit Begeisterung für seine heilige Religion anhävgen, dann irrst du sehr. — Meine nächste Schilderung der

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