Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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392 „Freunde," sprach endlich Barak, der Häuptling 'der Juden von Wadil-Koro, „ziehen wir von dannen, wie unsere Brüder vom Stamme Kainuka. Lassen wir alle unsere Habe zurück. Nur unfern Gott und unsere heilige Religion laßt uns nicht vertauschen." „Aber," entgegnete Telek, ein angesehener Mann unter den Leuten seines Stammes, „wohin sollen wir uns wenden? Gott hat die Schale seines Grimmes ergossen über Jakobs Geschlecht! Ueberall werden die Söhne Israels verfolgt und gemordet. Der römische Kaiser hat ihnen den Tod geschworen. Der König von Persien hat den letzten Nachkommen Davids, Bostanai, tödten lassen. Auf was hoffen wir noch? Auf den Erlöser aus Davids Haus? Davids Licht ist erloschen. So lasset uns Mahomed anerkennen und friedlich und glücklich hier wohnen bleiben." Todtevstille folgte der Rede TelekS. Keiner wollte ihm zustimmen, Keiner wagte ihm zu widersprechen. „Wieso weißt Du," fragte Barak endlich, „daß Bostanai, der letzte DavidSenkel, ist getödtet worden?" „Einer meiner Freunde." antwortete Telek, „war in des persischen Königs Hauptstadt, als Bostanai, ein« jüdische Jungfrau vertheidigend, das Blut deS Kronprinzen von Persien vergoß und deßhalb zum Tode verurtheilt wurde." Da trat Bostanai vor und sprach: „Erlaubet mir, einem Fremden unter Euch, der aber Euer Glaubens- und Stammesgenosse ist, eine Frage an diesen Mann zu richten. Hat Dein Gastfreund der Hinrichtung BostanaiS beigewohnt? „Rein," entgegnete Telek, „er reiste ad an dem Tage, an welchem das Todesurheil von dem hohen Rathe der sieben persischen Fürsten gefällt wurde." „Nun, meine Brüder," rief Bostanai mit starker Stimme, „dieses Todesuriheil ist nie vollstreckt worden! Gott hat den letzten Nachkommen seines Knechte-'David in wunderbarer Weise erhalten. Bostanai lebt; ich selbst bin Bostanai!" Als Bostanai so gesprochen, schritt Barak, der Häuptling, auf ihn zu und umarmte ihn, und die anwesenden Männer jubelten und riefen: „Dank Dir, Du Hüter Israels, daß Du Davids Licht nicht hast erlöschen lassen!" Telek aber schüttelte daS Haupt und sprach: „Wie willst Du beweisen, daß Du Bostanai bist?" „Verlange ich etwas von Euch," entgegnete Bostanai, „daß ich der Beweise bedürfte? Anden Ufern des Eupbrat und des Tigris leben hunderttausend Glaubensgenossen, die mich kennen. Doch wollt Ihr Beweise, so sendet mir Eure Schriftgelehrten und lasset sie Fragen an mich richten. Meine Antworten werden Euch beweisen, daß ich ein Enkel und Schüler des Gaon Kaphnai bin." „Nun gut," sprach Telek, „wir wollen Dir glauben. Dock kannst Du uns helfen in unserer Noth? Welchen Rath ertheilft Du uns?" „Der Rath, den ich Euch gebe, meine Brüder," entgegnete Bostanai, „ist der: auszuharren bei dem Gotte unserer Väter und nicht zu verlassen die Lehre unserer Mütter!" „So sollen wir," fragte Telek, „arm und elend in die Fremde wandern, nicht wissend, wohin wir uns wenden, wo wir eine Ruhestätte finden? Sollen mit zusehen, wie unsere Weiber und Kinder umkommen durch Hunger und Krankheit?" „Davor," entgegnete Bostanai, „möge Gott Euch behüten!" „So müssen wir," rief Telek ungestüm, „entweder sterben oder uns zu Mahomed bekennen." „Es gibt noch einen andern Ausweg, meine Brüder! Sendet eine Gesandtschaft an Mahomed und bittet ihn, Euch in Frieden und in Ruhe in Euren Wohnstätten zu belassen." „O," entgegnete Barak, „das wird von keinem Erfolge sein. Das haben schon Viele unserer GlaubenSbrüder vergeblich versucht." „Und dennoch versucht eS!" ermahnte Bostanai; „ich werde mich dieser Gesandtschaft anschließen. Vielleicht sendet Euch der allmächtige Gott Hilfe durch mich." Man beschloß, dem Rathe Bosianai's Folge zu leisten. Barak, Telek und der Enkel Davids sollten versuchen, das harte Herz deS Religionsstifters zu erweichen. Bostanai hatte sich seit seinem Aufenthalte in Arabien auf'S Sorgfältigste nach den Verhältnissen Mohameds und seiner Denkungsart erkundigt. Auf die erhaltene Kunde hatte er einen Plan gebaut, nicht allein die in Arabien noch weilenden Juden zu retten, sondern von nun an und weiter den Islam günstig für Juden und Judenthum zu stimmen. Um die Ausführung dieses Planes anzubahnen, veranlaßte Bostanai seinen Freund Achai, vor ihm nach Medina zu reisen. (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Leranttovrtliche Stedaction: vr. Lehmann. — Lerlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf.Schnellpressndruck von I. G.ottsleben in Mainz. t