Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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unterdrückte, während die germanischen Völkerschaften, welche die europäischen Länder erobert hatten: die Gvthen, die Franken, die Vandalen ihre Bekehrung zum Christenthume durch Verfolgung und Unterdrückung der Juden zu bewähren vermeinten, ging auf der entlegenen arabischen Halbinsel auS dem IudenHume eine neue Weltreligivn hervor. Ach, auch diese wandte sich verheerend uno vernichtend gegen die Nachkommen Jakobs Es scheint, wie wenn jede große Erscheinung in der Weltgeschichte zuvörderst mit dem Blute Israels besiegelt werden muß. Auf der arabischen Halbinsel wohnten viele Israeliten; schon zu den Zeiten Iosua's, und später unter der Herrschaft Sauls und Davids s ollen sich Israeliten in Arabien niedergelassen haben; auch nach der Zerstörung des ersten Tempels durch Nebrckadnezar sollen diejenigen Juden, von denen die heilige Schrift erzählt, daß sie nach Aegypten flüchteten, sich zahlreich über die Landenge von Suez nach Arabien begeben haben. Gewiß ist, daß nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer die Israeliten schaarenweise nach Arabien flohen und sich dort niederließen. Die in Arabien eingewanderten Juden hatten die Sitten und Gewohnheiten der eingeborenen Araber angenommen. Ueberhaupt fühlten sie sich mit den Arabern stammesverwandt. Nicht allein, daß die hebräische Sprache mit der arabischen die größte Aehnlichkeit hat — auch die Araber verdienten den Namen Ebräer, da sie ihre Abkunft theils von Ioktan, dem Sohne Eberls, theils von IischmaA, dem Sohne Abrahams ableiteten. So gelangten die Israeliten zu großem Ansehen in Arabien; viele eingeborene Stämme ncchmen das Iudenthum an; ja, an der Spitze eines arabischen Königreiches, Hiwjara, standen eine Zeit lang jüdische Könige. An den Brüsten des Iudenthums nährte sich der Mann, welcher dem ganzen Oriente eine ganz andere Gestaltung geben sollte. Mahomed Iben Abdallah, aus dem Stamme der Kvreischiten, war ein unwissender Mamt, der weder schreiben noch lesen ikonnte. Aber aus dem Umgänge mit den Juden ilerute er die jüdische Religion kennen, die Erzählungen der Bibel und des Talmuds. Das Grundprinzip deS Judentums, die Einheit Gottes, begeisterte sthn. Doll Unwillen über die Vielgötterei seiner LandSlleute — im Tempel der Kaaba zu Mekka allein gab ieS dreihundert Götzenbilder — beschloß auch er, der Prgrünvrr einer Mttgtim zu ivrrderr, Ute irar einen IGott anerkennt. Anfangs verlacht und verhöhnt, Wuchte er aus Mekka entfliehen. Medina nahm ihn guf, und hier gelangte er bald zu großem Ansehen, vlange Mahomed unbedeutend und machtlos war, hatte er stch zu den Juden gehalten und sich freundlich gegen sie gestellt. Als aber feine Macht und sein Ansehen wuchs, verlangte er auch von ihnen die Annahme der von ihm verkündeten neuen Religion, welche nicht allein Gott als den einzigen, sondern auch Mahomed als deS einzigen GotteS größten Propheten und Sendboten verkündete. NatürNch weigerten sich deß die Juden. Da wurde Mahomed ihr Todfeind; er bekämpfte die jüdischen Stämme einen nach dem andern, besiegte und tödtete sie, oder zwang sie mit Zurücklassung ihrer Habe, arm und elend aus dem Lande zu flüchten. So vergalt Mahomed dem Iudenthume, was er ihm zu verdanken hatte. Denn was im Koran Gutes und Schöne« ist, das ist her Bibel oder dem Talmud entnommen; was noch übrig bleibt, ist völlig werthlos. Als Bostanai und Achai nach Arabien kamen,, hatte Mahomed seinen Vernichtungskrieg gegen die Juden fast vollendet; nur wenige Nachkommen JakobS waren noch übrig geblieben. In Wadil-Kora, im Thale der Dörfer, wohnten noch viele Juden, eine wenig kriegerische Bevölkerung, die mit dem Ackerbau und der Viehzucht stch beschäftigte. Aber auch zn ihnen hatte Mahomed seine Boten geschickt, und ihnen die Wahl gelassen, ob sie, sich zum Islam bekennen» auswandern oder sterben wollten. Große Bestürzung hatte sich darauf der Juden von Wadil-Kora bemächtigt. Sie hielten eine Zusammenkunft, um über die Botschaft des Propheten zu berathen. Auf einem großen, von Palmen beschattete» Platze waren die Männer zusammengekommen. Hier trug ihnen der Bote MahomedS di« Botschaft des Propheten vor. „Bedenket wohl/ schloß er seine Rede, „waS Ihr thun wollt. Eure Brüder vom Stamme Nadhir, reich und mächtig und kriegerisch, wollten de» Propheten widerstehen; aber Gott siel über sie her und verwüstete ihre Wohnungen und vertrieb sie aus dem Lande; die israelitischen Männer aus dem Stamme der Kureiza. die auf ihre starken Burgen, auf die Stärke ihrer Anführer Kaab und Hujej vertrautes, wurden allefammt geschlachtet; die Juden von Chaibar und ihre Helden wurden getödtet; Ali, der Freund des Propheten, der Löwe Gottes, hat ihren Helden, den starken Marhab, erschlagen. Widerstand gegen den Abgesandten Gottes ist nicht möglich; also bekennet Euch zu ihm, oder lastet Eure Heerden und Aecker zurück und ziehet in die Fremde." Als der Bote MahomedS seine Anrede beendet hatte, erhob stch ein allgemeines Wehklagen. Während des IammernS und SchluchzerrS. achtete mm nicht darauf, daß zwei Fremde, Bostanai und Achat waren es, herzugetreten waren.