Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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3S§ gelangen. Die Abfasser der Petition haben sich wahrhaft lächerlich gemacht. Lauter Halbheiten und nichtweiter. Wann werdet Ihr einmal auf festem, haltbarem Boden stehen? Österreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Der Tod des Abtes P. Hieronymus Zeidler in Prag gibt der „Presse" Anlaß, an einen Characterzug aus dessen Leben zu erinnern: In den an der Universität zu Prag durch Profeffor Francesconi abgehaltenen Vorlesungen traf dieser zu Beginn deS Schuljahres 1846/47 die Verfügung, den Hörern israelitischer Religion, ohne Unterschied ihres akademischen Grade-, einen besonderen Platz in den hinteren Bänken der letzten Abtheilung anzuweisen. Darob entstand ein Tumult, über welchen in den damaligen Zeitungen folgender Bericht erschien: „Denn das ist kein Baum, der faule Früchte trägt", heißt eS im Evangelium, und dieses paßt buchstäblich auf unsere hiesigen Hebräer, welche sich nicht begnügen damit, daß man ihnen den Besuch christlicher Schulen und Collrgien gestaltet, wie es nicht in Rom und nicht in Neapel der Fall ist, sich auch noch vermessen, mit ihren langen Nasen und Schlitzaugen sich in der Mitte der christlichen Studenten die besten Plätze auszusuchen, statt froh zu sein, daß man sie überhaupt da duldet und nicht in den Trödelmarkt sendet, wo sie hingehören rc. Die Sache verhielt sich , wie aus den vom Abt Zeidler hinterlassenen Papieren zu ersehen ist, nämlich so': Mittwoch den 28. Oct. wurde ein israelitischer Hörer, der in einer der vorderen Bänke Platz genommen hatte, eben deßhalb aus dem Collegium ausgewiesen und mußte den Saal verlassen. Am 30. October setzten sich fünf Hörer der Logik vor Ankunft des Professors in die Bank mittlerer Abtheilung. Als der Professor ins Collegium kam, überschaute er das Auditorium, und seine ersten Worte, auf die erwähnten Logiker deutend, waren: „die da setzen sich auf die hinteren Bänke". Die Worte blieben ohne Erfolg. Der Professor wiederholte dieselben. „Ihr müßt hinaus," schrie er wüthend und unter stets sich steigernder Aufregung eines TheileS der Zuhörer und fortwährendem Toben gegen die iSrael. Studenten fordert« von diesen Letzteren der Professor die Angabe von Namen und Wohnung, ließ dann die christlichen Hörer zusammentreten, sie ein Gesuch um Trennung von den jüdischen Studenten unterfertigen und hernach dem Studien - Direktor P. Zeidler überreichen. Und die Antwort P. Zeidler's? Er erschien bei der nächsten Vorlesung am 31. October selbst im Hörsaale, er begab sich zu jener Bank, auf welcher er abgesondert die israelitischen Hörer sah, und setzte sich in seinem Priestergewande mitten unter sie. Hiermit war das Gesuch Professor Fraucesconi'S uyd seiner christlichen Hörer erledigt. Wichstadtl. Wir brachten in voriger Nr. die Schllderungen eines Krawalls, der am 27. v. M. dahier gegen die Israeliten stattgefunden haben soll. Ein Augenzeuge berichtet nun in der „Prager Ztg." über den wahren Sachverhalt: Der auf den 23. April fallende Jahrmarkt traf heuer auf einen Samstag, weßhalb die ZSraeliten den dortigen Bürgermeister baten, denselben auf einen andern Tag zu verlegen. Der Bürgermeister willfahrte auch diesem Ansuchen und erwirkte die Verlegung des Marktes auf den 27. April. An diesem Tage jedoch war eS regnerisch, und nachdem die iSrael. Handelsleute ihre Standplätze meist unter den gedeckten Laubengängen haben, konnten sie trotzdem ungehindert ihre Maaren auslegen und Verkäufe erzielen, während die nichtjüdifchen Marktbesucher auf dem freien Platze in Folge des Guß? reyenS ihre Maaren nicht einmal yuslegen konnten. DwS gab Anlaß zur Mißstimmung und zu Brodneid, und hatte im Verlaufe des Nachmittags Schimpfereien über die Verlegung des Jahrmarktes, sowie Drohungen gegen die Israeliten zur Folge. Zu Thätlichkeiteu kam es jedoch nicht, da es der Intervention der Gendarmerie und Finanzwache gelang, die aufgeregten Gemüther zu beschwichtigen. Die betroffenen Israeliten haben nun beim Bezirksgerichte wegen der erlittenen Beschimpfungen die Ehrenbeleidigungsklage eingebracht, und hiermit war auch der ganze Vorfall abgeschloffen. Amerika. Louisville Rabbi Salomon Atras von Jerusalem, welcher unter den Auspicien des Sir Mofeä Montefiore dahier Geld für Palästina-sammeln wollte, starb dahier am 3. April in Folge von Brandwunden, welche er in dem Hause, wo er wohute, erhalten hatte. Er kam den 1. April kurz vor Sabbat in das Haus des Heinrich CircenS, in welch m in der Nacht Feuer ausbrach und das ganz verbrannte, so daß sich die Einwohner kaum retten konnten. Rabbi AtraS aber erhielt schwere Brandwunden, an denen er Sonntag erlag. Er hinterläßt 2 Söhne und 3 Töchter. Er starb im Alter von 50 Jahren. (Iew. Mess.) Ke« i 11 t t o tt. A o st a » a i. Eine historische Erzählung auS dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) XXI. 3» Kxahien. Während das persische Reich darniederlag, während der römische Kaiser HeraoliuS esi- Todfeind der Juden geworden war und sie allerorten versorgte