Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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389 Gegen den Schluß der Sitzung wurden die Statuten des Gemeindetage-, der Alliance J-r. Univ. und andere auf die Tagesordnung bezügliche Schriftstücke in großer Anzahl unter die Anwesenden vertheilt, von denen die meisten sich auf Grund des erwähnten §. 3 in die Mitgliederliste eintragen lasten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Gorrefpoudenze«. Deutschland. Berlin, 9. Mai. Wir können den Lesern dieses gesch. Blattes die frohe Kunde bringen, daß die gerechten Angriffe, die das Kirsch stein' sche Programm im „Israelit" erfahren, nicht ohne Folgen geblieben sind, Angriffe, welchen hier die größten Sympathieen gezollt wurden. Man hat sich vielseitig mit Recht gesagt, wie! ein R^ligionslehcer wagt es im Vorwort eines Schulberichtes Gott und seiner Thora Hohn zu sprechen; wagt eS, saus phrase Israels Lehre und Glauben in das Reich längst überwundener mythologischer Träumereien zu versetzen? — Die Antwort auf dieses GeisteSproduct haben viele Eltern in schönster Weise gegeben. Sie haben, ihrer Erziehungspflicht sich bewußt geworden, ihre Kindern solchen Lehrern entzoaen und sie der Religionsschule der AdaßJisrovl zugeführt. Fünfzig Zöglinge sind in diesem II. Semester zugekommen, eine Zahl, die einerseits vom erwachten religiösen Geist, andererseits aber auch von dem Vertrauen Zeugniß ablegt, das man in diese junge Anstalt setzt. Das Publicum hat sich am nvs ö"n"n « in der in der Aula des Sophiengymnastums abgehaltenen, öffentlichen Prüfung zur Genüge überzeugt, daß sich hier ein munteres, redliches Streben äußert; daß die Lehrer bemüht sind, den Schülern eine gediegene, jüdische AuSbidung zu Theil werden zu lasten. Es wurde in der That sowohl nach Qualität als Quantität Befriedigendes geleistet und daS konnte eben nur darum sein, weil hier nicht um des lieben BrodeS willen gearbeitet wird, sondern weil Alle im Dienste der jüdischen Idee stehen, Alle von der erhabenen Aufgabe durchdrungen sind, die das wahre Judenthum an seine Lehrer stellt. Man erlebte wieder einmal daS seltene Vergnügen (um nur ein Lehrfach zu erwähnen) von Knaben cm und vortragen zu hören und zwar mit einer Gewandtheit, die selbst den Widersacker verstummen ließ. Wir gestehen offen, daß wir nicht ohne Besorgnitz dieser Prüfung entgegen sahen; denn eS schien pädagogisch gewagt, eine erst ein halbes Jahr alte Anstalt dem öffentlichen Urtheile auszusetzen. Aber Dr. Hildesheimer scheut d?e öffentliche Meinung nicht; Licht ist eben sein Element und in Wirklichkeit hat er mit der Prüfung geleuchtet und auch — heimgeleuchtet! Er sagt sich, die Angriffe, die die Schule erfahren, müssen zum Schweigen gebracht werden, — die Oeffentlichkeit soll richten und sie hat gerichtet. Und wenn die Schule auch noch bei Weitem das noch nicht erreicht hat, was angestrebt wird, so muß man doch anerkennen, daß in dieser Spanne Zeit viel, viA mehr geleistet wurde, als'irgendwo. Und die Anerkennung ist ihm sowohl in TageSblättern, als auch dadurch ausgesprochen werden, daß in die Schule neue Schüler eingereiht und zahlreiche namhafte Jahresbeiträge für die Schule gezeichnet wurden. Wir wünschen, daß auch die Schülerbibliothek, zu deren Gründung Herr vr. Hildesheimer öffentlich um Beiträge ersucht, bald erstehe. Dieselbe wird in doppelter Weise segensreich sein; sie wird ärmeren Kindern Schulbücher verabreichen und Allen eine Lectüre bieten, die sie vertraut macht mit den Geisteserzeugniffen unserer jüdischen Gelehrten. Daß sie zur Stärkung und Stählung des religiösen Sinnes und Bewußtseinbeitragen wird, ist zweifellos. Bevor ich schließe, noch Folgendes: Durch darastlose Bemühen des Herrn vr. H. erhielten am verfloffenen nzs die hiesigen Gefangenen 1^2-Kost und hat diese That in allen Kreisen den wohlthuendsten Eindruck gemacht. „Ja, das maß man doch eingestehen," so lautet die Volksstimme, „der Mann thut doch Etwas für das Jndenthum; er wacht, während die Gemeindenhirten schlafen; diese glauben, mit der Predigt sei Alles abgethan." Es ist wahr, den Berlinern wird der Nihilismus ihrer Hirten und Vertreter doch bald unangenehm; selbst bei den Neologen zeigt sich ein Mißbehagen und Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Zuständen. Man fühlt daschreiende Unrecht und die Vergewaltigung, die den Orthodoxen widerfahren. ' Hoffen wir. daß sich bald die Lage ändere. Aber diejenig-n, welche ein Jntereffe air der Aenderung haben, müssen auch heraustreten aus dem Schlummer und offen durch Wort und That ihr Recht vertreten. Alle, die die Wahrheit und den Frieden lieben, aber wir betonen vor Allem die die Wahrheit lieben; denn daraus und nur daraus folgt der Friede — diese Alle müssen sich zur männlichen, jüdischen That aufraffen und das künstliche Band zerreißen, das sie mit dem hohlen Ganzen noch scheinbar verbindet. Negatives und Positives hebt sich auf, kann nicht unter einem Nenner beisammen bleiben. Wir hören zwar, daß man sich gegenwärtig wegen Aufhebung des Gesetzes von 1847 an das Ministerium wenden will und sich auf rabbinische Autoritäten beruft, die daS Unhaltbare desselben bezeugen, und deren Urtheil man einholen solle. Wir erblcken da 3 oder gar 4 Namen, aber Viele — es sind deren im Ganzen 11 — werden kaum wissen, wie sie zu dieser Ehre