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Der Israelit · 1870-05-18 · Heft 20 (18.5.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 20 (18.5.1870)
Date
1870-05-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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378 m-riten. Wir wisten nicht, ob der Magistrat diesen Beschluß gefaßt in der Meinung, daß betreffende Eingabe im Aufträge des reclamirenden Theils gemacht sei aber nicht. Jedenfalls wäre es besser gewesen, wenn man zuvor eine Versammlung berufen HLttte, um von dieser beauftragt die Eingabe einzureichen oder dieselbe mit vielen Unterschriften versehen dem Magistrate zu unterbreiten. Vor allen Dingen aber haben wir unser Bedauern darüber auszudrücken, daß des Gewissenszwanges, den wir in unfern früheren Correspondenzen erwähnt haben und von dem wir noch manche Proben geben könnten, mit keinem Worte gedacht ist. >nDst. j Oberfchlefien, im Mai. Als abermaligen! Beleg, daß in Preußen noch immer die völlige Gleich- [ berechtigung der Juden mehr auf dem Papiere als i m der WirKichkeit vorhanden ist, folgende Mittherlung.! In Sohrau O.-S. besteht feit zehn Jahren eine i jüdische Elementarschule, welche seit ihrem Bestehen j von dem dortigen Rabbiner inspicirt wird. Die Regierung zu Oppeln hat sich mehrere Jahre nur wenig um sie gekümmert. Gegen Anfang verwichenen Win- J terS jedoch erinnerte sich die Regierung derselben, 1 beauftragte de« Magistrat, von nun an, regelmäßig Bericht über dieselbe zu erstatten, uud für sie einen Schulrevisor zu bestellen. Der Magistrat, welchem eS bekannt war, daß der Rabbiner zeither di- Schule beaufsichtigt, ftagte diesen an, ob er geneigt sei. daS! Revisprat anzunehmen, und als dieser bejahte, machte \ der Magistrat hiervon der Regierung die Anzeige, j mit dem Bemerken, daß der Rabbiner zu der ihm aufgetragenen Function die erforderliche Fähigkeit besitze, j Mein die Regierung schrieb zurück, der Magistrat i solle die städtische Schuldeputation zusammenberufen, und diese habe einen der christlich en Ortsgeistlichen, - den katholischen oder evangelischen, als Revisor der ■ jüdischen Schule zu wählen. Bei der versammelten Schuldeputation lehnte der katholische Stadtpfarrer,! Herr Sgerplik, die Uebernahme des Reviforat« ent- | schieden ab, indem er geltend machte, daß, da er seinerseits mit allen feiner, Kräften dagegen ankämpfen! würde, der katholischen Schule in Sohrau einen Geistj liehen anderer Confession aufzwingen zu lasten, so! könne er sich durchaus nicht entschließen, sich selbst j einer andern Confession aufzuzwingen; auch sei ein j solcher Zwang höchst unbillig und der vom Staate! gewährleisteten Gleichberechtigung der Confesstonen! gänzlich zuwider. Die Gründe des Herrn Pfarrers fanden bei der Versammlung allgemein Anklang, so daß einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, in diesem Sinne der Regierung Vorstellungen zu machen, und den Rabbiner als gewählt zu bezeichnen, was auch geschah. DaS Vorgehen des Herrn Pfarrers verdient sicherlich in hohem Maaße lobend anerkannt zu werden. Es legt glänzendes Zeugniß ab vp« wahrer Human'tLt und echt religiösem Sinne. Gletä hat die Regierung den einstimmige« Beschluß der Schubdeputation verworfen und besohle«, tat evangelische» Priester, Herrn Heinrich, zum Rwisor zu wählen, wa» nunmehr auch geschehen ist. Der Vorstand tat jüdischen Gemeinde hat hiergegen höher« Orts rcmonstrirt» und sieht noch dem Bescheide entgegen. Oesterreichisch- Ungarische Monarchie. Wien, 2. Mai. Das Haus Rothschild hat sich bekanntlich um die Nordbahn große Verdienste erworben. In dankbarer Erinnerung an diese Verdienste hat die Generalversammlung der Actionäre bereits im Jahre 1856 den Beschluß gefaßt, die Statue des Bars» Salomon v. Rothschild im Vorsaale aufzusiellen. Dieser Beschluß ist jetzt endlich zur Ausführung gelangt und fand gestern die feierliche Enthüllung derselben in Gegenwart eines kleinen, aber sehr gewählten Publikums statt. Der DirectionsjrräseS, Herr v. Stnmmee, eröffnete die Feierlichkeit mit einer Ansprache, tit welcher er die Verdienste dieses WelthauseS und insbesondere des seligen Baron Salomon v. Rothschild um die Nordbahn hervorhob und sehr geistreich an die geistige Verwandschaft zwischen diesem Unternehme» und dem Hause Rothschild anknüpfte. Baron Anselm v. Rothschild und dessen Sohn hörten die Ansprache des Herrn v. Stummer mit sichtlicher Rührung an^ insbesondere als der Redner sich an Baron Aifel« v. Rothschild mit der Bitte wendete, daS HauS Rothschild möge zu allen Zeiten der Nordbahn sein Wohlwollen bewahren. Nachdem Herr v. Stummer seine Rede geendigt, wurde der Vorhang, welcher die Statue bisher noch verhüllte, wegzezozen und die lebensgroße Statue des Baron v. Rothschild enthüllt. Der Sohn und Enkel des seligen Baron Salomon, die den Feierlichkeiten anwohnten, waren tief gerührt. Nach Herrn v. Stummer ergriff Herr DepretiS das Wart, um Herrn Baron v. Rothschild im Namen der kaiserlichen Regierung zu beglückwünschen, worauf Baron Anselm das Wort ergriff und für die seinem Hause widerfahrene Ehre dankte. Baron Rothschild versprach daS Unternehmen auch ferner als ein IheureS Pflegekind zu behandeln, und schloß mit einem Hoch auf die Nordbahn und ihre Verwaltung. Damit war die Feierlichkeit beendet. — DaS Standbild, ein Werk Me'rxnee'S ist ein gelungenes Weck dieses Künstlers, denn die Schwierigkeit, den unkleidsamen Frack plastisch zu überwinden, ist in ganz außerordentlicher Weise gelungen, und die Ähnlichkeit, so weit es der Stein eben zuläßt, ganz erreicht. Das Monument ist aus feinstem Cabinetsmarmor der Sockel aus »ross» d» francia“; an der Vorderseite desselben sieben die Warte: »Die Gesellschaft der Kaiser Ferdinands - Nordbah»

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