Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1870)
- Date
- 1870-05-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XL Jahrgang. Beilage z« Rr. 2V des Israelit. geitungsuaehrichten und Gorrefpondenze«. Deutschland. Mainz, den 7. Mai. Wir können eS uns nicht versagen, hier einen Artikel der „Magdeburger Zeitung" vom 3. Mai wiederzugeben, weil der darin so rühmend hervorgehobene Abgeordnete für das Zollparlament?, Herr Bamberg er, als Glaubensgenosse und als Abgeordneter für Mainz unsere Aufmerksamkeit gedoppelt in Anspruch nimmt. Der erwähnte Artikel lautet: „Nach dem Verlaufe, welchen die Verhandlungen deS Zollparlaments in der vorigen Woche genommen haben, darf man an der Hoffnung fest halten, daß diese Legislaturperiode nickt schließen wird, ohne uns endlich die so lange angeftrebte Erleichterung und Vereinfachung des Zolltarifs zu Stande gebracht zu haben. Ueber die Freitagsdebatte, in welcher die Generaldiscussion dieser Reform begann, haben sich diese Blätter bereits des Nähern ausgelassen. Wir verweisen hier nur noch einmal auf die bedeutende Rede des verehrten Abg. Bamberger, von welcher wir weiter unten den Haupttheil nach dem stenographisch ausgezeichneten Wortlaute abdrucken. ES ist unS vielleicht gestattet, hier eine Thatsache im Vorbeigehen zu berühren, welche unS kaum geziemen würde, noch besonders hervorzuheben?, wenn unS nicht der in dieser Zeitung schon besprochene Schimpfartikel der vom Geh. Rath Wagner ge chriebenen „ Z idler'schen Korrespondenz " über den „Judenjungen" Lasker dazu die Freiheit gäbe. Bamberger ist wie Lasker Jude. Und die Thalsache, auf welche wir hin weisen wollten, ist die, daß Deutschland ein Recht hat, mit freudiger Genugthuung auf seine jüdischenSöhnezu blicken, unter welchen die nationale Sache ihre begeistertsten und werkthätigsten Anhänger zählt. Wie herzerfreuend ist doch der Unterschied zwischen der Gegenwart, wo wir alle, wes Glaubens wir seien, voll gegenseitigen Vertrauens gemeinsam arbeiten an dem Wohle und der Größe des Vaterlandes, und jenen düstern Zeiten, wo unsre Altvordern, Bedrückungen und Verfolgungen sich haben zu Schulden kommen lassen, vor denen wir, wenn die Geschichte unS davon erzählt, trauernd unser Haupt verhüllen müssen. Die Schranken, welche uns einst trennten, sind eine nach der andern gefallen. Und es war vielleicht eine der schönsten und gerechte» sten Thaten, welche wir dem neuen Deutschen Bunde nachrühmen müssen, daß?er die confesstonelle Gleichberechtigung über dem Kopfe des die confesstonelle Trennung beabsichtigenden Systems hinweg zum Norddeutschen Gesetze erhob. Wir haben dadurch gute Kräfte entfeffelt, von denen wir hoffen dürfen, daß sie dem Vaterlande noch viel Segen bringen werden. Die Freiheit wird auch hier ihre Heilkraft üben, wird die letzten Reste gegenseitiger Vorurtheile, welche vielleicht noch in unfern Herzen schlummern, wegstreifen. — Um auf Bambergens Rede zurück zu kommen, so flammt durch dieselbe wie ein schönes Wetterleuchten die nationale Idee. Um die dürren Tarispositionen ist ein strahlender Kranz verständiger Gedanken gewoben, welche uns ganz aus dem Herzen gesprochen sind. „Es ist ein langer, hagerer Herr, mit röthlichem Haar, unsicherem Gange und einer etwas predigermäßigen Stimme, allem ähnlicher als einem Bankier;" das ist das Schattenbild des Redners, wie ein Korrespondent der ,,Wes.-Ztg." es uns zeichnet." Fürth, im Mai. Unsere Wahlangelegenheit ist in eine neue Phase getreten. Bekanntlich ist von königlicher Regierung seiner Zeit in Folge des Protestes einer großen Zahl unserer Gemeindeglieder das neue Wahlstatut mit dem Aufträge zurückgesandt worden, eine Abänderung des Statuts den Wünschen der Reclamanten gemäß vorzunehmen. Dnrch langes Hin- und Herberathen ist endlich ein Beschluß beider Verwaltungsbehörden — Vorstand und größerer Verwaltungs - Ausschuß — nicht erzielt worden, indem ersterer eine Neuwahl auf Grund des neuen Statuts nach Abänderung des berüchtigten §. 1 vorgenommen wissen wollte. Es war inzwisch n das Mandat eines Theils beider Collegien erloschen. Dennoch wurde daö neue Statut mit geändertem §. 1 dem Magistrate behufs Uebermittelung an die Regierung zu Begutachtung vorgelegt. Einige der Reclamanten jedoch, welche sich früher schon bei dem Proteste besonders verdient gemacht haben, übermittelten dem Magistrate eine Eingabe, worin sie die Competenz der jetzigen Verwaltung zur Aenderung von Statuten bestritten nach dem ganz richtigen Grundsatz?, daß eine unvollständige Körperschaft, da ja das Mandat eines Theils bereits erloschen, zur Vornahme wesentlicher Beschlüsse nicht befugt sei. . Nebmbei übergaben sie ein Memorandum, in dem sie die Uebergriffe der jetzigen Verwaltung in ihren Ausgaben darlegten und schließlich ein Gcmeindestatut wünschten, in welchem der Machtvollkommenheit der Verwaltung engere Grenzen gezogen werden. Der Magistrat beschloß nach einer längeren Debatte einen Ausgleichsversuch zu machen unter Zuziehung einer magistratischen Commission des CuHlsvorstandes, des größeren AusschuffeS und der Recla-