Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1870)
- Date
- 1870-05-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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375 Feuilleton. N o st a n a r. Tine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) XX. Die letzten Sassaniden. Triumphirend eilte Hormu; zu dem neuen Könige; er wollte ihm das Schwert zeigen, an welchem bas Blut des gemordeten Kosross klebte; allein es durfte Niemand bewaffnet vor dem Könige erscheinen. So legte er denn das Schwert ab und trat in das Gemach, in welchem der König stcb befand. „So mögen," rief er, „alle Deine Feinde untergehen, o König, wie dieser blutige Tyrann endete." „Ich danke Dir, Hormuz," antwortete Schiruöh, „von heute an bist Du der erste Fürst Persiens, wie Dein Vater es gewesen; auch all sein Gut wird Dir zurückerstattet werden!" „„Und vergiß nicht, o König, daß Du mir die schöne Schehrin zum Weibe versprochen."" „Verlange das nicht, Hormuz! Du weißt, daß nach unfern Gesetzen nur ein König die Wittwe eines Königs heirathen darf." t „„Was kümmern mich die Gesetze! Nach den Gesetzen hätte ich Dich auch nicht von Deiner Furcht befreien sollen!"" Schirush's Stirnader schwoll dick auf vor Zorn. Durfte ein Unterthan so mit seinem Könige sprechen? Doch kemeisterte er sich gewaltsam und sagte ruhig: „Erzähle mir, Hormuz, wie eö zugegangen beim Tode meines Vaters!" Und Hormuz erzählte; er schilderte mit lebhaften Farben di', Angst des Gemordeten und sein vergebliches Flehen. Als er die letzten Worte, die er an Kosross gerichtet hatte, wiederholte, als er sagte: „ES ziemt sich, daß der Sohn den Mörder seines Vaters tödte!" da umzog ein höhnisches Lächeln des Königs Mund. Anscheinend freundlich trat er auf Hormuz zu und sagte: „Weißt Du Hormuz, daß ich jetzt in derselben Lage bin, in der Du gewesen?" „Ich verstehe Dich nicht, mein König!" entgegnete Hormuz verwundert. „Nun," sagte Schirush, „Du bist der Mörder meines Vaters, und es ziemt sich, daß der Sohn den Mörder seines Vaters tödte!" Bei diesen Worten stieß er dem Arglosen einen Dolch, den er vorher aus seinem Gürtel gezogen, in die Brust, so daß Hormut rücklings niederftel. „Jetzt!" rief Schiruvh, „jetzt freie Du eines Kö- «tzs Wittwe!" „Fluch, Fluch Dir!" schrie Hormuz mit der letzten Kraft, die ihm geblieben. Dann drang ein Blutstrom aus dem Munde des Sterbenden, der ihn a« Weiterreden hinderte. Schirush befahl, die Leiche hinauszutragen. Darauf ließ er seines Vaters Wittwe, Scherihn, zu sich bescheiden. Scherihn kam; ihr Auge war vom Weinen getrübt. „Weine nicht, schöne Scherihn," sagte der König, „wie Du die Herrin meines Vaters gewesen, so sollst Du auch die meinige sein. Kosroös ist todt." „Und Da," rief Scherihn, „Dn unnatürlicher Sohn bist sein Mörder! O, wie verabscheue ich Dich." „Du thust mir Unrecht, schöne Königin. Nicht ich habe Kosross getödtet, sondern Hormuz, der Sohn des Fürsten Muzdu, ist ins Gefängniß gedrungen und hat den Tod seines Vaters gerächt." „„Auf Deinen Befehl!"" „Es geschah nicht auf meinen Befehl; im Gegenthekl ich habe den Mörder mit eigener Hand bestraft. Siehst Dn den blutigen Dolch dort am Boden? mit ihm habe ich den Mörder meines Vaters getödtet. Und nun Scherihn, hasse mich nicht; siehe, ich liebe Dich schon lange; o, erhöre meinen Wunsch und theile meinen Thron mit mir!" „WaS verlangst Du, Schirush! Ich soll die Gattin des Sohnes werden, nachdem ich die des Vaters gewesen?" „Du weißt, daß die persischen Gesetze es gestatten, daß der König die Frauen des Königs vor ihm zu den seinigen mache." „„Ich bitte Dich, Schirush, verlange das nicht von mir. Ich bin als Christin geboren; und ein so blutschänderischer Ehebund wäre mir fürchterlich."" „Wie," sagte Schirush, „Du weigerst Dich, das Glück anzunehmen, das ich Dir biete? Glaube mir, ich w.wde Dich zu zwingen wissen." „„Tödte mich, Schirush. Lieber ist mir der Tob denn ein Ehebund mit dem Sohne meines Gatten."" „Dich werde ich nicht tödten, aber Dara, Deine Tochter!" „„Grausamer, Du willst Deine Schwester tödten?"* „Grausame, Du willst Dein Kind tödten? Gewähre mein Verlangen, und ich will Dara beschützen mein Leben lang." „„Nun wohl, Schirush, ich will Deinen Wunsch erfüllen um meines Kindes willen; aber schwöre mir zuvor, daß Du mein Kind nicht tödten und nicht mißhandeln, daß Du es vielmehr behüten und beschützen wirst!"" Und Schirueh schwor den heiligsten Schwur, den. ZoroasterS Lehre vorschrieb. Als er geendet hatte, bückt: sich Scherihn, um einen Handschuh aufzuneh-