Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-05-18 · Heft 20 (18.5.1870) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 20 (18.5.1870)
Date
1870-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447467--08304-2463945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«mf die Zukunft unseres Werkes einflößen könnte. Wir hoffen übrigens, daß Herr Silbermann, durch nnsere Auseinandersetzungen aufgeklärt, von seinem Entschlüsse zurückkommen und seinen Platz im Scheoße des Eomite's wieder einnehmen wird. Sie haben, Herr Redakteur, sehr recht gethan, daß Sie die Verantwortlichkeit für jene seltsame, die von dem Königsbergcr Comitö untergebrachten Lehrlinge betreffende Mittheilung dem Correspcndenten aus Ostpreußen überlassen haben. Cs ist düs eine recht schwere Verantwortlichkeit. Sie kennen ja den Ausspruch des Talmud npv> onit-ra nannn diese Verlävmdung ist um so gehässiger, da sie dazu angetkan ist, ein Werk von der höckften Wichtigkeit in Mißkredit zu bringen, ein Werk welches den Zweck hat, Tausende von Glaubensgenossen dem Elende zu entreißen. Auch wir haben dieselbe irrige Mittheilnng empfangen und da sie auch uns unwahrscheinlich erschien, so haben wir vom Königsberger Comit« Aufklärung erbeten. Hier unser Brief, baiiit vom 48. April: „Wir glauben Ibnen, Herr Präsident sagen zu rnüssen, daß das Königsberger Cem?te, wenn es die Lehrlinge bei ihren Meistern am Sabbat und an den Festtagen arbeiten läßt, eine Art antireligiöse Propaganda macht, welche durch das Central-Comitö niemals gebilligt werden wird. „Die Alliance kann nicht gestatten, daß von ihr erzogene Kinde v ranlaßt werden, religiöse Voisckristen und Traditionen zu verletzen, die im Judenthum allgemeine Achtung genießen; dies wäre ein Mißbruch, weicher durch keine Wohlthat ausgewogen werden könnte; es wäre dies das Verlassen einer nnakänderlichen Regel, zu welcher uns unsere Statuten verpflichten und die uns die Unterstützung aller unserer Glaubensgenossen ohne Unterschied der religiösen Meinung verschafft bat".*) Hierauf antwortete uns das Königsbergcr Comitö folgendes unterm 27. April: „Noch müssen wir bemerken, daß Herr Silbermann bei seiner letzten Anwesenheit selbst die bisher abgeschlossenen Contracte gelesen und seine Freude darüber ausgesprochen hat. daß wir für die Beobachtung der Sabbat- und Festtage so gewissenhaft Sorge tragen und dieselben in den Contracten stipulirt haben. „Der Artikel 4 der Lebrcontracte lautet: „Der Meister gestattete dem Lehrling, den Sabbat und diejenigen Festtage zu beobachten, an welchen die Arbeit verboten ist." Das ist klar genug und widerlegt am Besten die *) An merk, der Red.: Wir danken dem Central- Eomite für diese goldenen Worte, die.dazu angethan sind, das Vertrauen zu verstärken und die Alliance einer glänzenden Entwicklung entgegen zu führen. Verl umdung, welche man über das Königsberger Comü« ausgkstrkut hat. Win danken Ihnen, geehrter Herr Redakteur, für die so baldige Vnrffeml'chung unser,s Ausrufs zu Gunsten der wesirussischen Waisen. Mehrere Gemeind n in Frankreiä' haben demselben bereits entsprochen. Wir erwarten auch ans Deutsch la nd einen thät'gen, wirksamen Beistand, und sind glücklich zu scheu, daß uns der Ihrige schon zu Th eil geworden. Gei ehmigen Sie, Herr Redakteur, den Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung. Für das Central-Comits N. Lcvcn. Oesterreichifch-Uraarisckie Monm chie. In dem Städtchen Wichstadl, Gerichisb^zirk Grnlich, fand bei Gelegenheit des dort am 27. v M. abgehaltenen Jahrmarktes ein sehr bedauerlicyer Krawall gegen die marktbesuchenden Juden statt, und ist es nur dem toctvollen Benehmen der Juden zu danken, daß derselbe nicht größere Dimensionen angenommen hat. Anlaß zu dem Krawall gab der Umstand, daß in Folge eines einge'reteren RegenwetterS jeneEchnittwaarrnhändler, welche nicht „unter den Lauben" ihren Stand hatten, die Waaren auszupacken verhindert waren, und da die Lauben zumeist jüdische Marktöesncher zu Pächtern baden, benutzten die mchtjudiscken Concurrenten derselben die Gelegenheit zu Gewalttbätigkeiten gegen die Btffer situirten Handelsleute. Vor Allem begab sich eine große Zahl von Marktfironten zum Bürgerme'ster und bestürmte denselben, er möchte den Juden , befehlen", sie sollen einpacken; da dieser nicht darauf einging, wälzte sich die Bande aus Hunderte verstärkt, zu den Standorten der jüd. Kausteute, bedrohte rieselb-n mit Zusamrncnhacken der Buden u. s. w., insbesondere bei der Bude des Handelsmannes Leopold Gottlicb wurden von den „Herren Concurrenten" die Tücher, welche er aiwgehängt hatte, abgerissen. Der Plan war, die Juden zu provoziren- und bei dem geringsten Widerstande über sie herzusallen, wozu sich dieselben, in Anbetracht ihrer großen Minorität, nicht hmreißen ließen. Die anwesende Genedarmerie allein war nicht im Stande der Menge die Spitze zu buten, daher der Bürgermeister die Finanzwache zur Aushilfe requirirte, welcke auch sofort der Aufforderung Folge leistete. Allein bei der großen Zabl der Tumnltanten und der geringen bewaffneten Macht mußte der krawallmackenden Menge Folge geleistet werden, und die jüdischen Marktbesucher wurden vom Bürgermeister ersuckt,^einzupacken, da er für den weiteren Verlauf des Krawalls sonst nichts Gutes ahne. Die jüdischen Handelsleute leisteten auch der Aufforderung Folge, schickten die Kunden fort, und paaten um 2 Uhr Nachmittags, also kaum bei Beginn des eigentlichen Marktgeschäftes ihre Maare» zusammen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.