Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1870)
- Date
- 1870-05-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447467--08303-2463944- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in dem Rechtsgenuß der Befreiung von aller Beitragspflicht zu einem religiösen Gemeinwesen gelangt zu sein, dem Sie nicht ferner angehören, ein Rechtsspruch, um dessen Erlangung Ihre Gesinnungsgenossen anderer Länder bisher meist noch vergebens petiren. „Wären aber die neologen Gegner des alten jüdischen Bekenntnisses von dem wahren Geist der Gerechtigkeit und von der wahren Einsicht des religiösen Heils erfüllt, weit entfernt anzukämpfen gegen den Austritt ihrer gesetzestreuen Brüder und deren völlig unabhängige Constituirung zu einer paritätisch gleichberechtigten eigenen Religionsgenoflenschast, würden sie in dieser, ohnehin unvermeidlichen Trennung, den einzigen Weg zum wahren Frieden, zur wahren Einheit und damit zum einzig wahren religiösen Heile erblicken, und würden zu einer solchen einzig möglich und gerechten Lösung der einmal vorhandenen, so principiell gegensätzlichen Differenzen, sich nicht erst durch ein Decret staatlicher Rechtsautorität nöthigen lassen. „Denn nicht Der will den Frieden und die wabre religiöse Einheit, der so innerlich, disparate Gegensätze wie Reologie und Orthodoxie durch staatlichen Zwang zusammenhält, sondern nur Der treibt das Werk deS Friedens, der Das, was innerlich längst geschieden, zu selbstständig gleichberechtigtem Sein und Streben frei g bt und ungehindert nebeneinander sich entwickeln läßt. „Unter dem Scheine äußerer, administrativ erzwungener Einheit wird unabweislich Zwist und Hader, Parteikampf und Gewaltthätigkeit, Lüge und Heuchelei wohnen, und dem Frieden und der Einheit der Wahrhaftigkeit vor Gott keine Stätte lassen! „Unter der Aegide des Allen gleich theilenden und jedes Bekenntnis nebeneinander gleichstellenden Rechts, unter dessen Schutz Keiner den Andern beeinträchtigt, Keiner den Andern zu einer GewissenSwidrigkeit nöthigt, Keiner den Andern im Hinausleben seiner Ueberzeugung vor Gott hindert, ist von selbst der Friede da, weil der Gegenstand jeden Zwistes aus dem Wege geräumt ist, und es uvird dann auch wieder Einheit vor Gott in Israel widerkehren. Wohl wird noch auf lange Zeit hinaus die Eine Einheit vor Gott in Israel fehlen, wie sie Jahrtausende herab der Stolz der Juden in der Zerklüftung der religiösen Erscheinungen ringsum gewesen . Allein es werden wenigstens Einheiten in Israel vor Gott erscheinen. Es wird wenigstens jeder gemeinheitliche Kreis Eins sein in der gemeinsamen Ueberzeugung und Gesinnung vor Gott. Es wird jeder Kreis mit der begeisternden Macht der Wahrhaftigkeit seine Ueberzeugung hinausleben in die Wirklichkeit und sie in der sittlichen Veredlung und der Heilesgestaltung seiner Geschlechter erproben. Und Gott im Himmel und die Erfahrung der Zeiten auf Erden werden richten, und die Entscheidung zum Bewußtsein, zur Erkenntniß und endlich zur Anerkennung bringen, wo die wirkliche jüdische Wahrheit, wo das wahre göttliche Wohlgefallen, wo die BundeSlade des Herrn und die Licht- und Wolken- Säule seines Geistes und seiner Gnade gewohnt. Und diese Erfahrung, dieses Bewußtsein, diese Erkenntniß und diese Anerkennung wird dann die Einheiten wieder zu Einer Einheit vereinen und Israel wieder das einheitliche Volk unter dem Einen Einzigen Gott im Himmel und seinem Wohlgefallen auf Erden sein lasten. Und auch davor möge Ihnen nicht bangen, daß etwa durch diese Trennung der Gemeinden die WohlthätigkeitSbeftrebungen und die Humanitären Anstalten im jüdischen Kreise zu kurz kommen könnten. Vie^ mehr, friedlich nebeneinander gestellt, werden beide Bekenntnisse, ihrer gemeinsamen Vergangenheit und ihrer ursprünglichen Zusammenhörigkeit gerne in brüderlichem Zusammenwirken auf dem einzigen Felde Ausdruck geben, auf welchem die beiderseitigen Ueberzeugungen noch einträchtig sich begegnen, und den alten ewigen jüdischen Wohlthätigkeitssinn in gemeinschaftlichen Werken des WohlthunS und der Menschenliebe bethätigen, wie auch dafür bereits die erfreulichsten Erscheinungen in andern Kreisen vorliegen. „So ist der Schritt, den Sie gethan, wie der einzige zu Ihrem Heile vor Gott, so auch der einzige zum wahren Frieden mit Menschen, und darum mögen Sie Seines Beistandes zur vollen Lösung Ihres begonnenen Werkes vertrauensvoll gewärtig sein. Frankfurt a. M., im April 1870. Rabbiner Hirsch. AeitungSnachrichten nnd Eorrefporrdenzen. Deutschland. Mainz, 13. Mainz. Vom Central-Comitv der All. Jsr. Univ. erhallen wir eine Zuschrift, die wir hier in deutscher Uebertraguug wiedergrben: Paris, 12. Mai. In einer der jüngsten Nummern Ihrer geschätzten Zeitschrift zeigen Sie den Rücktritt des Herrn Silbermann vom Königsberger Comitä an; wir bedauern recht lebhaft, daß dieser unser ehrenwerther Glaubensgenosse geglaubt hat, einen solchen Entschluß fassen zu müssen; wir hatten gehofft, länger dessen gewichtiger Unterstützung uns freuen zu dürfen. Er hat uns von seinen Beschwerden gegen das KönigSberger Comitö in Kenntniß geletzt. Wir haben uns überzeugt, daß in der Leitung und in den Handlungen des erwähnten Comits's nichts ist, was Herrn Silbermaun za einer Lossagung von demselben zwingen mußte, aber auch nichts, was Ihnen ernste Besorgnisse in Bezug