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Der Israelit · 1870-05-11 · Heft 19 (11.5.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 19 (11.5.1870)
Date
1870-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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355 Feuilleton. N o st a n a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) XIX. Wie bist du doch vom Himmel gefallen, du glänzender Morgenstern: Seitdem Kosross das Todesurtheil Bostanai's unterzeichnet hatte, war seine Ruhe dahin. Schwere Träume quälten ihn in jeder Nacht. Oftmals erschien ihm König David im Traume, drohend die Axt in seiner Hand gegen ihn erhebend. Am Tage tönten ihm beständig die Worte Kaphnai's in die Ohren: „Wisse, o König, daß Du mit dem Todesurtheil Bostanai's auch Dein eigenes unterzeichnest. König David wird seinen letzten Enkel rächen!" — Kosroes war sehr mißmuthig, und seine Umgebung mußte es büßen. Er wurde noch härter und grausamer als zuvor. Sein Sohn Schirush, der wieder genesen war, durfte gar nicht vor seinem Angesichte erscheinen. Die Einzige, welche die Falten auf seiner Stirne, wenn auch nur für kurze Zeit zu glätten vermochte, war die Königin Schehrin. Als der Krieg mit Nom eine ungünstige Wendung nahm, fürchtete sich Ksöross, sich an die Spitze seiner Heere zu stellen; er sah den Tod immer vor Augen und glaubte, der erste Pfeil der Schlacht müsse chn treffen. Schon,dadurch war er bedeutend im Nachtheile, da Kaiser Heraclius an der Spitze seiner Heere .kämpfte, alle Strapazen des Krieges wie der gemeine Soldat ertruq und dadurch ffeine Soldaten zur größten Tapferkeit entflammte. Im darauf folgenden Jahre fiel Heraclius wieder in das persische Reich ein. Während der römische Kaiser hier zum zweiten Male glücklich kämpfte, wurde seine Hauptstadt von einem persischen Heere belagert. Kosross hatte mit Aufbieten aller Kräfte drei furchtbare Armeen ausgerüstet. Die erste derselben bestand ans 50,000 erprobten Kriegern, welche sämmtlich goldene Piquen trugen; sie sollte gegen Heraclius kämpfen; die zweite Armee sollte die Heeresabtheilung vernichten, welche Theodor, der Bruder des Kaisers befehligte; die dritte, unter Anführung des tapfern Sarbar, sollte Constantinopel erobern; zu dieser letzteren Armee stieß der König der Avaren an der Spitze von 80,000 wilden Kriegern, unter denen sich Gepithen, Russen und Bulgaren befanden. Die vereinigten Heere der Avaren und Perser rückten vor Constantinopel und zerstörten die Vorstädte Pera und Galatha. Die römischen Patricier zogen aus, um den Rückzug der Avaren zu erkaufen; allein der König der Avaren ließ sie bis auf das Hemd entkleiden und sandte sie so in die Stadt zurück. Zn dieser Noth schickte Heraclius 12,000 Cürassiere seiner Hauptstadt zu Hilfe. Die Bewohner derselben faßten aufs Neue Muth, warfen mit großem Geschick Feuer und große Steine gegen die Stürmenden und zwangen sie so zum Rückzuge. Als nun gar die Flotte der Avaren im schwarzen Meere zerstört wurde, da zog sich der König zurück, Sarkar und den Persern allein die Eroberung der römischen Hauptstadt überlassend. Unterdeß verstand es Heraclius, durch geschickte Emissäre das schon so rege Mißtrauen des Königs von Persien gegen seinen Feldherrn Sarbar zu erwecken. Kosrovs ließ sich verleiten, dem Unterbefehlsbaber Cadrigan einen geheimen Befehl zuzusenden, daß derselbe schleunigst das Haupt Sarbars nach Destagerd sende. Dieser Befehl fiel Sarbar in die Hände; klüglich fügte er noch die Namen von vierhundert Offizieren seines Heeres hinzu, wie wenn der König auch deren Hinrichtung verlange. Dann versammelte er seinen Kriegsrath, theilte dem Cadrigan die Befehle des Königs mit und verlangte von ihm deren Ausführung. „Der König befiehlt Dir, Cadrigan," sagte er, „mein Haupt und die Häupter von vierhundert Offizieren, deren Namen diese Liste angibt, nach Destagerd zu senden." Cadrigan wies diese Znmuthung mit Entrüstung zurück, und die Anführer des persischen Heeres erklärten einstimmig KosrosS der Krone unwürdig und verlustig. Sie schloffen einen Vertrag mit den Behörden von Constantinopel und traten den Rückzug nach Persien an. Heraclius machte unterdeß in Persien die größten Fortschritte; er verband sich mit den Türken, deren Könige er die Hand seiner Tochter Eudoxia versprach. Aber auch KoSross machte furchtbare Anstrengungen und ließ ein Heer von 500,000 Mann zusamwenbringen; nur er selbst wagte sich nicht in den Kampf. An den Ufern des Tigris, wo einst die große Stadt Niniveh gestanden, kam es zu einer furchtbaren Schlacht. Die Perser wurden geschlagen und zerstreut. Nichts konnte jetzt den Siegeszug des Kaisers mehr aufhalten. Er marschirte auf Destagerd los und eroberte es, während Kosross mit seinen Frauen und Kindern nach Ktesiphon entfloh. Heraclius zerstörte die wundervolle Hauptstadt, die Kosross mit dem Raube der Nationen erbaut hatte; die Wunderwerke Ferhads wurden vernichtet; die Römer trugen unermeßliche Beute davon. Nun marschirte Heraclius auf Ktesiphon los und kam bis aus wenige Meilen in deffen Nahe. Allein der Fluß Arba, der stark angeschwollen war, hielt ihn auf. Die Strenge der Jahreszeit zwang ihn zum Rückzuge, und die Städte der Landschaft Tauris wurden gezwungen, seinem Heere die Winterquartiere zu gewähren. Als Kosross nach Ktesiphon fliehen mußte, erreichte seine Mißstimmung, sein Argwohn und seine Grausamkeit den Gipfelpunkt. Es kam so weit, daß

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