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Der Israelit · 1870-05-11 · Heft 19 (11.5.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 19 (11.5.1870)
Date
1870-05-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3S4 fidei vorlegen; denn, argumentirte der Reichstag, wir kennen die Dogmen der Juden nicht und wir können sie nicht emancipiren, so lange wir nicht die Ueherzeugung haben, daß unter ihren Glaubenssätzen keine solche enthalten sind, die mit den Staatsgesetzen in Widerspruch stehen; damals wiesen die Juden ein sylckes Ansinnen entrüstet zurück, und heute sollen sie freiwillig Confessio fidei vorlegen nnd den Reichstag sy zum Rickter einer rein consessionellen, rein dogmatisch-ideologischen Angelegenheit zwischen den Parteien des Judenthums machen? Diese Einwendungen riefen die größte Entrüstung von Seiten des hochwürdigen Dr. Kohn hervor, der für seine Person ein geschworner Anhänger der Jnfallibilität ist, wenn sich dieselbe auf einen congreßfreundlichen Rabbiner im Allgemeinen und auf seine Person im Besonderen bezieht. Allein seine Entrüstung verhinderte nicht, daß dasjenige Ausfchußmitglied, welches zuvor so respectwidrig gelacht hatte, den Antrag seinbrachte, die israelitische Gemeinde zu Pesth möge autonom beschließen, die Congreß- Statuten in ihrer eigenen Competenz völlig abzuschaffen und den Ltutus yuo wieder herzustellen, nachdem die in Peslh zahlreichen Orthodoxen sich denselben nicht fügen wollen, ihre einseitige Anwendung aus die Fortschrittspartei allein aber weder practisch noch nützlich wäre. Der Vorsitzende wollte den Ausschuß über die beiden Anträge, den des vr. Kohn und den des opponirenden Ausschußmitgliedes abstimmen lassen, zu dem Zwecke, damit der vom Ausschuß angenommene Antrag der Gemeinde-General-Versammlung vorgelegt werde. Allein das mehrerwähnte Mitglied meinte, der Ausschuß möge doch nicht Parlament spielen; die Abstimmung habe gar keinen Zweck, da er (Redner), welches auch immer das Resultat der Abstimmung sein sollte, sich durchaus nicht abhalten lassen werde, seinen Antrag persönlich der allein beschlußberechtigten General-Versammlung vorzulegen. Dieser Erwägung kortnte sich der Ausschuß nicht verschließen, und so unterblieb die Abstimmung. Die General-Versammlung wird demnächst stattfinden, und es ist unmöglich, daß der Antrag des vr. Kohn zum Beschluß erhoben wird, umsomehr, als, wie versichert wird, der Cultusminister Eötyös selbst hinter diesem Anträge stehen soll. Ist rS nicht possierlich, diese krampfhaften Bemühungen mitanzusehen, welche da für eine verlorne Sache riskirt werden? In der That, diese Leute, welche sich Frrtschrithsmänner nennen, cympromittiren die Religionsfreiheit und namentlich das Judenthum. Pefth. In den beiden Ofener Gymnasien wurde Herr Salomon Kohn provisorisch mtt dem Unterricht in der mosaischen Glaubens- und Sittenlehre betraut. KövLgokörs. (Ungarn), 10. April. Gestatten Si« mir, über die eminenten Leistungen einer vom echtjüdischen Geiste getragenen Lehranstalt zu referiren. Ich meine die hiesige Kinderschule, die unter Leitung von Männern steht, welche Sinn für Bildung und Schule haben, und es anerkennen, daß die Hebung der Volkoschule das richtigste Mittel zur Beförderung der Civilisation ist. Die treffenden Antworten der Schüler bei der jüngst stattgehabten Prüfung lieferten genügende Beweise für den Fleiß und den Eifer der Lehrer und waren ein würdiger Ersatz für alle materiellen Opfer. Es war kein bloßes Schaugepränge angelernter Phrasen, sondern man überzeugte sich, daß die Kinder gründliches Wissen haben. Schreiber dieser Zeilen veröffentlicht dies blos, um das Voruriheil zu widerlegen, daß da, wo viel heb. Wissen unterrichtet wird, das weltliche Wissen den Kürzern ziehen muß; hier sah man augenscheinlich -> n Op min ns’ pn. Möge diese Anstalt ferner blühen und gottgesegnete Flüchte tragen zur Verherrlichung Gottes und des Judenthums, möge dieser höhere Sinn und die Opferfreudigkeit nie in den Herzen der Gemeinde- Mitglieder erlöschen. Die glänzende Zukunft wird eine reiche Ernte der mühevollen Gegenwart sein. Ungar, Schuldirector. Mielee. Ein grauenhaftes Beispiel des religiösen Fanatismus meldet man aus Mielec in Galizien. An dem ersten Osterfeiertage wurde dort ein junger Jsraelite ermordet. Der Jude trat in ein Tabaksgewölbe, um Cigarren zu kaufen. Kaum hatte er jedoch diesen Wunsch ausgesprochen, als ein Städter Namens Gracinski, der sich im Laden befand, auf den Kunden zusprang, ihn beim Arme faßte und mit den Worten: „Jude, Du weißt ja, daß heute Feiertag ist", aus dem Laden drängte. Im Vorhaus, während der junge Mann forteite, feuerte Gracinski von rückwärts eine Pistole auf ihn ab und der Jude stürzte augenblicklich todt zusammen. Gendarmen, die in der Nähe waren, ergriffen den Mörder und brachten ihn zur Behörde, die ihres Amtes walten wird. Religionshaß soll das Motiv dieses Mordes sein, obgleich es nicht wahrscheinlich erscheint, daß der Mörder durch einen Cigarrenankauf den Festtag entweiht glauben konnte. Amerika. ^Washington. Herr S. Wolf van Washington hat von seinem Freunde Salomon. Territorial- Gouverneur von Washington, -die Versicherung erhalten , daß die auswandernden russischen Glaubensgenossen aus seine Protection rechnen können, und daß er ein Project ausarbeite, nach welchem die Reisekosten von Rew-Aork nach dem Washingtoner Territorium verringert werden. Herr Salomon hofft die Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten zu erlangen. (I. Times.) #

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