Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1870)
- Date
- 1870-05-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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352 Dernau, bei Ahrweiler. Den geehrten Lesern dicseö geschätzten Blattes erlauben wir uns das Nesultat des in Nr. 47 vorigen Jahrganges angeführten Bekehrungsversuches mitzutheilen. Nachdem wir zweimal unfern Bericht an die kgl. Regierung ergehen hatten lassen, erhielten wir zur Decision, „daß das Verhalten der Lehrerin unfern Töchtern gegenüber gemißbilligt worden ist, und der Lehrerin die entsprechenden Vorhaltungen unter Hinweisung auf das Publicandum des Herrn Ober-Präsidenten vom 13. September 1824, wonach israelitische Kinder wider Willen ihrer Eltern nicht angehslten werden dürfen am christl. Religionsunterricht oder an religiösen Erbauungen Theil zu nehmen, gemacht worden sino." Auffallend ist es, daß trotz dieses Gesetzes es noch christl. Schulen gibt, in welchen die Lehrer, die israel. Kinder in der Geschichte des neuen Testamentes lesen lassen; so habe ich selbst in zwei kleinen Landstädtchen, nicht sehr entfernt von hier, mit Eltern gesprochen, welche mir erzählten, daß dies noch jüngst mit ihren Kindern vorgekommen sei. Möchten doch die Eltern, resp. Vorsteher der Synagogen-Gemeinden sich hierfür verwenden und energisch gegen solche Behandlung austreten nnxo nx n’D’ xdw! H. B är. Württemberg. aio yjnn vx. In Folge einer von Kirchenrath Vr. Maier an das Kriegsministerium gerichtete Bitte, wurden die präsenten jüdischen Soldaten während der 8tägigen Peßachzeit von der Kasernen-Menage nicht nur dispensirt, sondern denselben auch hiefür die reglementmäßige Vergütung verwilligt; zugleich erhielten dieselben au den 4 Hauptfesttagen Dispensation von jeglicher Dienstverrichtung. Auf Grund eines älteren Decrets dürfen die israeliiischen Soldaten an den Sabbaten auch den Gottesdienst besuchen. Die Anregung zur Erwirkung des neuesten Erlasses soll von dem Fabrikanten Rosenthal und dem Rabbiner Herz in Göppingen ausgegangen sein. Vielleicht hat auch die Delegirtendebatte das Gewissen unserer Geistlichen geschärft nüvb xn noiart? xdn -)inDi. Aus dem Hoherrloh'schen Das israel. Kirchenvorsteheramt und sämmtliche Kirchengenossen der Kirchengemeinde Nagelsberg haben bei der isr. Oberkirchenbehörde nachgesucht, man wolle gestatten, daß man die v'vi"S, die vermöge der Synagogen Ordnung an besonder» Sabbaten, Feier- und Fasttagen bis jetzt zu sagen verboten waren, beim öffentlichen Gottesdienst wieder aufnehmen dürfe. Die Verfügung dieser Behörde wird Ihrem geschätzten Blatte wieder mitgetheilt werden. sUX jniD 2"X W'X. Hamburg, 17. April. Ein sehr spaßhaftes Intermezzo hat sich an einem sehr ernsten Ort, nämlich dem jüdischen Friedhofe in Ottensen zugetragen, wo „berechtigte" Hamburger den Tag deö jüngsten Gerichts ruhig abwarten, um dann zu ihren Vätern versammelt zu werden. Man hatte mit Mißfallen bemerkt, daß das unvertilgbare Geschlecht der „Schnorrer", welches Leben und Tod gleich eifrig ausbeulet, sich den weiten Weg nicht verdrießen ließ und die Leidtragenden gar schrecklich molestirte, wie dies denn eine alte Sitte oder Unsitte bei derartigen Gelegenheiten zu sein pflegt. Also beschloß der Vorstand, das nächste Mal, wenn ein jüdischer Leichenzug sich ins „Preußische" bewegte, einen jüdischen Polizisten dort aufzustellen, um die zudringlichen Bittsteller in gebührender Entfernung zu halten. Gesagt, gethan! Der Polizist erscheint, stellt sich majestätisch an den Pforten des Friedhofs auf — die Schnorrer stürzen wie Heuschrecken an ihm vorüber und auf die wehrlose Menge los, die verzweifelnd zu dem Mann des Gesetzes hinausblickt, der sich jedoch nicht von seinem Posten entfernt. Endlich stürzt ein Beamter des Begräbnißwesens zornig auf unfern Mann los und ruft: „Aber wozu sind Sie denn da? Gehen Sie doch auf den Friedhof — jagen Sie die Schnorrer fort!" „Ich kann nicht." „Warum denn nicht?" „Ja, sehen Sie — ich bin ein Cohen, ein Nachkomme Ar?n's, und darf als solcher keine Leichenstätte betreten!" „Das hätten Sie uns vorher sagen sollen!" schrie noch zorniger der Andere und eilte verzweifelnd von dannen. Die Schnorrer aber priesen den, der die Priester in so exclusive Stellung versetzte, selbst wenn sie zur Polizei gehören, und gingen reich beladen mit Beute heim. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Pefth. (Presse.) Vier Wochen sind ins Land gegangen, seitdem der. Reichstag jenen verhängnißvollen Besckluß gefaßt hat, der im Lager der Orthodoxen Jubel und Frohlocken im Lager der Congreßcwhänger aber Jammer und Wehgeschrei hervorgerufen. Anfangs nahmen die ungarischen Juden den Beschluß, welcher die zwangsweise Durchführung der Congreß-Statuten strenge verbietet, mit jenem Schweigen auf, welches die Folge der Ueberraschung, der Verblüfftheit, der Consternation ist. Später wich dieses Gefühl, und