Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1870)
- Date
- 1870-05-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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351 nur das verboten sein soll, was die Staatsgesetze verbieten, so heißt das nichts Anderes als das Judenthum aufbeben. Zum Schluffe beruft sich Herr Dr. Heß auf die Leipziger Synode, auf Geiger, Fürst und andere hervorragende „jüdische" Nabbinen. Herr H. hält eS für nothwendig seinen „Rabbinen" das Prädicat „ jüdisch" beizulegen, wiewohl es unseres Wissens, weder katholische, noch evangelische, noch muhamedanische „Rabbinen" gibt. Es ist wohl das durch das Bewußtsein veranlaßt, daß man versucht ist, solche „Rabbinen," welche die ganze Thora negiren, für Nichtjuden zu halten. Daß Herr H. noch die Stirn bat, von einer seinerseits vollzogenen „Rabbinischen" Einsegnung einer Eh» zu sprechen, welche das jüdische Religionsgesetz als unmöglich bezeichnet, das ist eine aller Vernunft hohnsprechende Frechheit. Was aber haben wir solchen Thatsachen gegenüber zu thun? Sollen wir dazu shweigen, daß sich solche Menschen Rabbinen nennen, die allen Gesetzen unseres Gottes Hohn sprechen, die mit kühnem Federstriche Sabbat-, Speise- und Ehegesetze aus der Thora streichen? Sollen wir es schweigend geschehen lassen, daß die Reinheit der jüdischen Familie vernichtet wird, daß es solchen Baalspriestern möglich wird nimn1? onioo? Sollen wir sprechen hpbj “}^y mdw — was kümmerts uns, wir halten Gottes Gebot und sorgen nach Kräften für die unserer geistlichen Obhut Anvertrauten, was sollen wir uns in fremde Angelegenheiten mischew,? Nein, nicht also dürfen wir sprechen. So haben nicht unsere Propheten gesprochen, da sie gegen den Götzendienst eiferten, so haben nicht unsere Rabbinen gesprochen, da sie die Sadducäer bekämpften. Wahr, man wird uns bei energischem Handeln mit Hohn und Schmach überhäufen, man wird uns Ketzerriecher, Ketzerrichter, Ultramontane, Clericale, Jesuiten, Syllabisten u. s. w., u. s. w. schimpfen — was liegt uns daran, wenn wir unsere Pflicht thun? Es gilt, die jüdische Familie in ihrer Reinheit zu erhalten; üwj "no u, nD’on 'n nun sagen die Weisen im Midrasch Schocher Tob; auf der Reinheit der jüdischen Familie beruht die ganze Gotteslehre. Scheuen wir daher vor keiner, noch so energischen Maßregel zurück. Um Dinge von viel geringerer Wichtigkeit zu beschließen, versammelten sich einst 100 Rabbinen unter dem Vorsitze des Rabbenu Gerschom Meor Hagoleh zu WormS. Rufen wir eine Tekanah ins Leben, welche die Heiligkeit und Integrität unserer Ehegesetze für alle Zeiten dercrt betont, daß für diejenigen, welche sie durch Wort, Schrift oder gar durch die That vernichten wollen, die unangenehmsten Folgen ersprießen. Erklären wir Diejenigen, welcke eines oder das andere unserer biblischen oder rabbinischen Eheverbote als aufgehoben darstellen oder gar eine verbotene Ehe einsegnen, für unfähig, irgend eine rabbinrsche Function vorzunehmen; erklären wir, daß die von diesen autorisirten Schochtim und Sofrim solange als unautorisirt gelten, bis sie die Autorisation eines gesetzestrmen Rabbinen erlangt haben; senden wir Circuläre in die Gemeinden solcher Rabbinen, die jene auffordern, sich von derartigen „Seelsorgern" loszusagen. Das jüdische Gewissen ist noch stark in den Gemüthern; aber die Schlummernden müssen aus dem Schlafe erweckt werden. Brandmarken wir die modernen Baalspriester als solche, und in ihren eignen Gemeinden werden sich schon Leute finden, die sie bekämpfen. Rufen wir einen Kampf gegen sie wach, der sie in ihren Stellungen unmöglich mache. dj’n ny ll'z/L'-n pan p iorv! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 4. Mai. Die meisten deutschen Zeitungen brachten unlängst eine pikante Erzählung von dem jüdischen Ursprünge des Pabstes Pius IX. Danach soll eine Gräfin Ferretti den Sohn eines getauften Juden von Sinagaglia, Namens Mastai geheirathet haben; die Familie habe dann den Namen Mastai di Ferretti angenommen; im Jahre 1848 habe ein Cardinal Marco Consolini diesen Stammbaum aufgedeckt und sei dafür im Aufträge der Familie Mastai ermordet worden; Feindschaft herrsche seitdem zwischen den Mastai und den Consolini. Wie der in Vercelli in Italien erscheinende „ Educatore Jsraelita" berichtet, ist an allem Dem kein wahres Wort Die Familie Mastai, deren Adel zwei Jahrhunderte alt istj, stammt aus Brescia und hat sich erst seit dreißig Jahren in Sinagaglia angestedelt. Der Name Ferretti rührt von dem Schloß Ferretti, dem Eigenthume dieser Familie her. Viele noch Lebende haben den Vater und den Großvater des Pabstes, die Grafen Gerolamo und Ercole Mastai di Ferretti gut gekannt. Die Mutter des Pabstes war eine geborene Salaggi. Die Familie Mastai war den Israeliten stets freundlich gesinnt und hat diese freundliche Gesinnung oftmals bethätigt.