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Der Israelit · 1870-05-04 · Heft 18 (4.5.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 18 (4.5.1870)
Date
1870-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XL Jahrgang. Erste Beilage zu Rr. 18 des Israelit. Leitender Artikel. Me erste israelitische Wlinden-Hrziehrmgs- Knstatt. Mainz, 28. April. Zu den größten Errungenschaften unserer Zeit gehören jene wunderherrlichen Anstalten, durch welche den Taubstummen einiger Ersatz für das fehlende Gehör und die mangelhafte Sprache, den Blinden Ersatz sür das Augenlicht geboten wird. Die unglücklichen Menschen, welchen ein oder das andere Sinnesorgan zur Ausübung seiner Thätigkeit unfähig ist, waren in früheren Znten von jeder geistigen Thätigkeit ausgeschlossen. Das ist G. s. D. anders geworden und die fürsorgende Liebe der Mitmenschen macht eS möglich, daß nicht allein das traurige LooS jener Unglücklichen um ein Bedeutendes erleichtert wird, sondern daß sie sogar in den Stand gesetzt werden, sich selbstständig zu ernähren, ja, eine Familie zu begründen und derselben vorzustehen. Wenn es sich nun darum handelte, solche unglückliche Menschen dem Leben und der Thätigkeit zu gewinnen, so war doch den jüdischen Eltern derartiger bedauernswerther taubstummer oder blinder Kinder ein trauriger Conflict nicht erspart. In christlichen Anstalten mußten diese Bedauernswerthen erzogen werden; sie mußten größtentheils unjüdische Kost genießen; sie lernten in christl. Gebetbüchern lesen «. s. w. — lauter Dinge, die ganz unvermeidlich waren. Für taubstumme Kinder gibt es seit Jahren drei großartige jüdische Anstalten, die ungemein segensreich wirken. Für die fast noch wichtigere Erziehung jüdischer Blinder gab es bis jetzt auf dem ganzen Erdenrunde keine Anstalt. Wenn Jemand im späteren Lebensalter taub wird, so ist er dadurch von seinen gewohnten Lebensbeschäfligungen nicht ausgeschloffen; er kann lesen und beten wie früher. Wenn aber Jemand erblindet, so ist die Bücherwelt für ihn verschlossen. Der Jude, welcher nicht gerade alle Gebete auswendig gelernt hat, muß darauf verzichten, zu beten. Der größte Trost in seinen Leiden bleibt ihm versagt. Als der Herausgeber dieser Blätter im vorigen Sommer in London war, machte er an einem Sonntag-Nachmittage einen Ausflug nach Kew-Garden. Unter einem großen schattigen Baume saß dort ein alter, blinder Mann und las aus der Bibel vor, während eine große Menge Leute andächtig umherstand und aufmerksam zuhörte. Der Blinde hatte eine große Bibel mit hervorragenden Buchstaben vor sich und las mit den Fingern statt mit den Augen so geläufig, wie sehende Menschen. „Ach," dachte ich, „wie glücklich würde sich mancher erblindete Glaubensgenosse schätzen, wenn er aus diese Weise sein Gebet verrichten könnte, wenn er hebr. Gebetbücher haben könnte, die für den Gebrauch von Blinden eingerichtet waren!" Dieser Gedanke, damals noch ein kaum rcalisirbarer Wunsch, soll nunmehr verwirklicht werden. Wir haben bereits unfern Lesern wiederholt gemeldet, daß der berühmte Dichter und Schriftsteller Herr meä. vr. Ludwig August Frankl in Wien im Begriffe steht, eine jüdische Blinden-ErziehungSanstalt zu gründen und daß seine Anstrengungen bereits vom schönsten Erfolge gekrönt sind. Schon seit dem Jahre 1865 tragt sich Herr Df. F. mit diesem schönen Plane und hat seitdem rastlos an der Verwirklichung desselben gearbeitet. 60000 Gulden Baarcapital, 1850 Gulden jährliche Beiträge und ein Haus, das fünfzig Kinder fassen wird, sind die Resultate der erst seit einigen Wochen eröffneten Sammlung. Als der HarauSgeber dieser Blätter von de« großartigen Unternehmen erfuhr, beeilte er sich, Herrn vr. F. zu beglückwünschen und demselben seine thätige Mithilfe anzubieten. Wir erhielten darauf die nachfolgende Antwort, die wir erst heute veröffentlichen, weil damals die Spenden für die Nothleidenden im heiligen Lande die wohlthätigen Glaubensgenossen zu sehr in Anspruch nahmen. Da- Schreiben des Herrn vr. F. lautet: „Hochgeehrter Herr Doctor! Ihre geschätzte Zuschrift vom 22. d. M. ist mir mit einem Betrage von 10 fl. ö. W. zugekommen, in welcher Sie den gleichen Betrag auch für die Jahre 1871 und 1872 der von mir intenzionirten ersten jüdischen Blinden-Erziehungs-Anstalt zu widmen so gütig sind. Wie sehr ich Ihnen für diese werkthätige Theilnahme danke, so hat mich noch mehr Ihr „Glückauf," zu meinem Unternehmen erfreut. Ich kann nichtmehr wünschen, als daß mir dieselbe erhalten bkeibe, und daß Sie die werdende Anstalt auch publizistisch auch weiterhin gütig fördern möchten. Ich sende zu diesem Behnse gleich die in dm

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