Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1870)
- Date
- 1870-05-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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83b des Eidbruchs willst Du sühnen durch Fasten — wie wenn Gott mehr Wohlgefallen hätte an Fasten als an edlem und gerechtem Thun! Und womit willst Du den Mord sühnen unschuldiger Menschen und den Raub ihres Eigenthums? — Nein, Du bist kein Diener Gottes, kein Priester des Herrn, Du bist ein meineidiger Mörder und willst, daß der Kaiser daS Schreckliche, das Schändliche vollbringe, was Dein schlechtes Herz wünscht." „Genug des Haders," sagte der Kaiser dann, „ich habe geschworen und werde meinrn Schwur halten." Am andern Tac,e kam der Patriarch mit allen Bischöfen und Priestern zum Kaiser. „Herr." sprach er, „dieses Land verbleibt Dir nicht, wenn Du die Juden gewähren läffest. Wenn bie Perser wiederkehren, so werden die Juden sich wieder ihnen anschließen. Und dann, sollen denn die Juden den Raub behalten, den sie aus Kirchen und Klöstern stahlen? Dein Eid bindet Dich nicht; ich, ich löse ihn kraft der mir zustehenden Gewalt." Als der Kaiser noch zögerte, sagte Thecphrastus, der Bischof von Galiläa: „Herr, wenn Du die Juden ungestraft lässest, so droht der Kirche eine große Gefahr. Auf dem Berge Sinai lebte ein Mönch, Namens Celsius; dieser Mönch hat zur ewigen Schmach für die heilige Kirche sein Kloster verlassen. Er ging nach Tiberias, ließ sich beschneiden, wurde Jude und heiraihete eine Jüdin. Jetzt läßt er sich Abraham nennen, predigt unter dem Volke, schmäht die Kirche und lehrt, das Judenthum sei die einzig wahre Religion. Auf dem Berge Sinai, behauptet er, seien ihm MoseS, Abraham, David, ESra, Hillel erschienen, von einer Strablenglorie umflossen, und hätten ihm offenbart, uur im Judenthum sei das wahre Heil. Schon hat er großen Zulauf, und das Volk horcht auf seine Irrlehren. Großer Kaiser, wenn Du die Juden beschützest, wie Du es ihnen versprochen, so werden sie das Volk abwendig machen vom wahren Christenglauben. Was, o Kaiser, helfen da Deine Siege über die Perser, wenn Du die Kirche schmähst, indem Du den Juden Vorschub leistest?" „Vertilge sie, o Herrrief Modestus, „kein gottgesälligeres Werk gibt's auf Erden!"' Noch immer konnte sich HeracliuS nicht entschließen, seinen Eid zu brechen. Da führten die Priester einen Eremiten herbei, der lange Zeit in Arabien gelebt hatte; die Anhänger Mabomeds aber hatten ihn aus seiner Einsiedelei vertrieben. Der Mann war in ein Thiersell gehüllt, daS ein lederner Gürtel um die Hüften zusammenschloß; er trug einen langen weißen Bart, der bis über die Brust herniederwallte, so daß die Erscheinung des Greises einen ehrfurchtgebietenden Eindruck machte. Dazu kam noch, daß seine Augen erblindet waren; ein junger Knabe führte ihn. Der Mann, von Haß und Furcht gegen die Araber getrieben, rief immerwährend: „Hütet Euch vor den Beschnittenen; daS beschnittene Volk wird dem Kaiserreiche seine besten Provinzen entreißen und wird viele Länder dem Kreuze abtrünnig machen!" Die Leiden der jüngsten Jahre, die Vertreibung aus seiner Einsiedelei hatten den sonst mit einem offenen Blicke begabten Mann blödsinnig gemacht, so daß er immerwährend die angeführten Worte wiederholte; sonst sprach er Nichts. Diesen Mann ließ der Patriarch Modestus vor den Kaiser führen, vor welchem der Eremit seine Prophezeiung unaufhörlich wiederholte, dem beschnittenen Volke, HeracliuS verstand unter von welchem der Eremit sprach, die Juden und wurde darin vom Patriarchen Modestus bestärkt, während der ehemalige Einsiedler die ebenfalls beschnittenen Anhänger MahomedS meinte. HeracliuS vermeinte, die Prophezeiung eines Heiligen zu hören. Von diesem Augenblicke an erfüllte Furcht vor den Juden sein Herz; jetzt gab er dem Drängen der Priester nach und erlauote seinen Kriegern, die Juden zu überfallen, zu tödten und ihre Hauser zu plündern. 1 Welches Elend brachte der Treubruch des Kaisers über die Söhne und Töchter unseres Volkes! Ein schreckliches Morden begann. In Jerusalem, in Hebron, in Tiberias, in Janina, in Sichem, in Nazareth wurden Tausende und aber Tausende unschuldiger Menschen hingeschlachtet. Viele entflohen und verbargen sich im Gebirge, Andere entkamen nach Aegypten. Benjamin war in Begleitung seiner jungen Freunde nach Tiberias geeilt, um sein Weib und seine Kinder in Sicherheit zu bringen. Er nahm sich nickt Zeit, von seinem großen Vermögen Vieles zu retten; nur wenige Kostbarkeiten steckte er zu sich; dann begaben sie sich, Benjamin und die Seinen, sowie Bostanai und Achai auf die Flucht und entkamen glücklich nach Alexandria in Aegypten. Hier ließ sich Benjamin bleibend nieder. Bostanai aber, der hier viel von der immer mehr sich ausbreitenden Lehre > Mahomeds vernahm, gedachte der Worte seines Großvaters, daß nach den jüdischen Traditionen auch Jischma«l eine große Rolle in der Weltgeschichte fccfd&iebenj sei, und beschloß, den Mann persönlich kennen zu ler-I nen, der sich für einen Propheten Gottes auögab. So reiste er denn mit seinem Freunde Achai über bi(| Landenge von Suez der arabischen Halbinsel zu. (Forts, folgt.) Hierzu drei Beilage«. Verantwortlicher Redacteur: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. druck von I. Gottsleben m Mainz. Dampf-Schnellpressen-