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Der Israelit · 1870-05-04 · Heft 18 (4.5.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 18 (4.5.1870)
Date
1870-05-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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335 sprach MoVestuH „wet föHittü all die Leiden schildern, die wir, die die heilige Kirche' während dieser Trauerzeit erduldet Haben! Doch jetzt ist Alles gut; ein treuer Sohn der'Kirche sitzt auf dem kaifer^ lichen Throne und triumphirt als Sieger über die Heiden. Mögest Du alle Feinde der Kirche auSrottem" „Ich kehre nunmehr," antwortete HeratliuS, „nach Constantinopel zurück; ich muß meiner, von den Persern bedrohten Hauptstadt zu Hilfe eilen. Hast Duheiliger Vater, noch einen Wunsch, den ich Dir vor meiner Abreise erfüllen könnte?" „Wohl habe ich einen solchen, mein gnädigster Kaiser." „So sprich, und wenn es in meiner Macht steht, so soll er erfüllt werden." „Ich wünsche Nichts für mich; ich strebe nur für das Wohl der heiligen Kirche. O, mächtiger Kaiser, übe Vergeltung an den Feinden Deines Glaubens, die in Deiner Nähe weilen!" „Und wer sind diese Feinde?" „Es sind die Juden. Sie haben sich den Persern angeschlossen, als KoSroes die heilige Stadt eroberte. Sie haben mehr Christen erschlagen als die '4>»rser. Neunzigtausend Christen sind durch dtoHand der Juden gefallen. Sie haben die Kirchen zerstört, die heiligen Bilder beschmutzt und zerschlagen, sie haben die Klöster in Brand gesteckt, die Mönche und Nonnen getödtet. An Dir ist es, mächtiger Kaiser, unsere Schmach zu rächen und Vergeltung zu üben." Der Kaiser winkte die anwesenden Juden herbei: „Benjamin," sprach er, „habt Ihr, Du und die Deinen, Euch den Persern angeschlossen, als sie Palästina eroberten?" „Du weißt es bereits, o Herr!" entgegnete Benjamin. „Und warum habt Ihr das gethan?" „Warum wir das gethan haben, o Herr? Weil wir von d n Persern Erlösung erhofften von unserN Leiden. Rom hat uns gedrückt , wie kein Volk der Erde. Rom hat uns verfolgt, seitdem es sich zum Christenthume bekennt, und der einzige Kaiser, der uns gewogen war und uns milde behandelte, Kaiser Julian, — Ihr nennt ihn den Abtrünnigen. Rom hat uns verfolgt um unseres Glaubens willen. Weil wir den einzigen Gott verehren und noch auf den Erlöser hoffen, darum hassen uns die Mönche und Geistlichen, suchen uns unser Leben zu verbittern und den Haß der Fürsten und Völker gegen uns zu erregen. Einen solchen Glaubenshaß hatten wir von den Persern nicht-zu befürchten. Zudem hatte KosrosS uns versprochen, ein jüdisches Reich wiederherzustellen und uns das Land unserer Väter zurückzugeben. Deßhalb haben wir uns den Persern angeschloffen, als sie mit unfern babylonischen Brüdern heranzogen!" „Und warum ," etttgsgneto der Kaiser, „warum habt Ihr neunzigtdusend Christen ermordet, die Kirs chen zerstört, did Klöster verbrannt, die heiligen Bilder beschmutzt und'zerbrochen?" „Mein Herr und' Kaisers" antwortete Benjamirt bekümmert, „wollest Du doch Dem Ohr nicht leihen der Stimme der Verleumdung! Nur im ehrlichen Kampfe haben wir Menschen getödtet, wie es deS Kriegers Pflicht ist. Als die Perser, Scythen und TartareN auszogen, die Kirchen zu plündern und allerlei Gräuel zu Agehett, da führten wir, der Vatetz dieses Jünglings , Prinz Hunna, der die persischen Juden befehligte, und' ich unsere Krieger nach dev Westmauer des heiligen Tempels , wo wir weinten und beteten!" „Du lügst, Jude!" schrie Modestus. „Ihr Jus den habt die größten Gräuel begangen, habt die Christen gekauft von den Heiden und habt sie abgeschlachtet!" „Hast Du, Patriarch," fragte Benjamin ruhig- „das selbst mit angesehen?" „Nein, aber man hat es mir erzählt!" „Und ich sage Dir, die Dir Solches erzählt, hirben gelogen." „Siehst Du, o Kaiser," schrie der Patriarch außer sich vor Wuth, „wie weit die Frechheit dieser Juden schon geht! Heilige Mönche, die Augenzeugen' waren, haben mir's erzählt, und dieser Jude nennt sie Lügner! Nicht eher wird es Dir gelingen, Deine Feinde niederzuwerfen, bis Du Vergeltung geübt hast an den Juden!" „Mein Herr und Kaiser," sagte Bostanai, „wir brauchen nicht, zu fürchten, daß Du diesem wuthentbrannten Priester Gehör' schenkest; wir haben Dein kaiserliches Wort, Deinen heiligen Schwur; ans ihn vertrauen wir." „Nicht brauchst Dü," rief ModestuS, „den Juden, den Ketzern, Dein Wort zu halten, das Du ge-r geben, ehe Du noch von ihren Schandthaten genau unterrichtet warst. Im Gegentheil, solch* ein Versprechen zu halten, wäre Sünde; die Juden aber, die Feinde unseres Glaubens zu vertilgen, ist ein gottgefällig Werk." „Ich habe aber," entgegnete Heraclius, „beim Bilde des Erlösers geschworen!" „Wenn auch," rief Modestus, „die Sünde, o Kaiser, wollen wir auf uns nehmen. Wir wollen fasten eine Woche lang, wir und unsere Nachkommen, daß Gott Dir die Sünde des Eidbruches verzeihe. Nur bringe der heiligen Kirche dieses Sühnopfer und' vertilge die Juden!" „O, der Schande!" rief jetzt Bostanai. „Verzeihe, mein Herr und Kaiser, wenn ich zu heftig rede! Du willst ein Diener Gottes sein, Patriarch, und räthst dem Kaiser zum Eidbruch? Weißt Du nicht, daß Gott ist der ewig Wahrhafte? Und das Verbrechen

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