Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1870)
- Date
- 1870-05-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447465--08257-2463896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
am H9. l. M-, Abends um 7 Uhr vollfsthrt worden sein müßte. Was geraubt wurde, wird erst zu ermitteln fejn, wenn der Pater der Ermordeten zurückgekehrt sein wird. Als /der ruchlosen That dringend verdächtig, erscheint ein bereits eingezogener ehemaliger herrschaftlicher Kutscher, der erst vor ein paar Tagen aus dem Arreste entlassen wurde, wo er eine SHafe deshalb abzubüßen hafte, weil er sei-nem früheren Herrn eine complete Equipage, Pferde und Wagen gestohlen und verkauft hatte. Es liegen gegen ihn höchst gravirende Anzeichen vor, doch war er bis jetzt noch zu keinem Geständniß zu bringen. Belgien. Druffel. Der Un. isr. schreibt: Man versichert uns, daß Herr Oberrabbiner Astruc in Brüssel hei seinem Verleger sein Geschichtsbuch, welches so zahlreiche und gerechtfertigte Kritiken hervorgerufen, zurückziehen werde. Wir wären erfreut, wenn wir die Bestätigung dieser Nachricht, die wir unter Reserve wiedergeben, erhalten würden. England. London. Dem englischen Parlament wurde bekannterweise ein neues UnterrichtSgesktz zur Berathung vorgelegt. Aldermann Sir David Salomon hat zu demselben ein Amendement eingebracht, nach welchem die israelitischen Schüler, welche die vom Staate errichteten Schulen besuchen, an Sabbat- und Feiertagen vom Schulbesuche dispensirt fein sollen. London Am 6. Nissan wurde die in der Portland-Street erbaute neue Central-Synagoge unter großen Feierlichkeiten und bei großer Betheiligung von Seiten der Bevölkerung ekngeweiht. Die Synagoge, im prachtvollem Style erbaut, hat eine Front von 120 Fuß und enthält einen Raum zu 1090 Sitzplätzen. Die Baukosten belaufen sich auf 25,000 L. St. (300,000 fl.) Der von Herrn Prediger Green bei der Einweihung dirigirte Gottesdienst fand allgemein großen Beifall. London Im Jew. Chron. veröffentlicht Herr Mark Samuel, welcher früher in Canada (engl. Amerika) gewohnt, einen Brief, in dem er mittheilt, daß in Canada viele blühende Colonien von Irländern wären und er nicht zweifle, daß auch die russischen Israeliten dort reüfsiren könnten. Türkei. iko»ftan1iiropel, 9.März. (Ungern verspätet.) Vor tipigen Tagen ging ein spanischer Jude durch den Stadt- Hest „Stambul." Es hatte au diesem Tage außerordentlich Hark geregnet, so daß die Straßen voller Schlamm Waren. Ein türkischer Knabe , der auf der entgegengesetzten Seite war und die Straße überschreiten wollte, konnte nicht Hinüber gelangen, da der Schlamm zu hoch und ein Kanal, der behufs einer Wasserleitung gerade gegraben wurde, ihn .dar.an hinderten. Der Jude, der die Verlegenheit des Knaben bemerkte, begab Wh -auf'die ^andere Seite und trug ihn hinüber. Einige.Güechen?undÄlv«Kmer, idir -dieses mit ansahen, riefen: „Seht, dieser Jude nimmt den Knaben, weil er sein Blut braucht," und alsobald hatte sich eine große Volksmenge angehäuft. Umsonst war die Betheuerung des Juden von seiner Unschuld, umsonst die Bit.te der Mutter des Knaben, die bestätigte, daß der Jude auf ihr Gesuch hin, den Knaben über die Straße getragen, der Pöbel schlug auf ihn los, und waren nicht einige Policisten dazu gekommen, der Jude wäre den Schlägen dieser Grausamen erlegen. Des andern Morgens überfiel die Volksmenge einige arme Juden (Lumpensammler), schlug sie und zwang sie, ihre Säcke auszuleeren, um zu sehen, ob sie keine Christenknaben darin hätten, und als sie sich in ihren Erwartungen getäuscht sahen, schlugen sie sie zum Danke noch einmal. Der Sultan, der von diesen mittelalterlichen Begebenheiten erfahren hatte, ließ in allen Zeitungen ein Befehl ergehen, daß alle Unruhestifter und alle die, welche von den Juden so verläumderische Dinge verbreiten und die Juden beunruhigen, auf'S Strengste bestraft werden sollen. Durch die energischen Schritte der Regierung war die Ruhe bald wieder hergestellt. (Libanon.) Ionische Iuseln. Corfrr Die Freiheit ist kein leeres Wort mehr auf den jonischen Inseln. So wurden bei der am 3. April stattgehabten Municipalwahl drei Israeliten zu Stadträthen ernannt. (Rev. isr.) Feuilleton. N o st a n a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) XVIII. Der Treubruch. Auf der Burg Zion gab die Geistlichkeit der heiligen Stadt dem siegreichen Kaiser ein großes Fest. Auf den Wunsch des Heraclius waren auch Bostqngi, Benjamin und Achai erschienen. „Ihr habt Vieles erdulden müssen," sagte der Kaiser während des Festes zu dem Patriarchen^ „sechzehn Jahre lang habt Ihr unter der Hiwrsch^t der Heiden gestanden."