Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1870)
- Date
- 1870-04-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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308 Häuft, um den Kaiser und sein Heer zu verpflegen. Als der Kaiser in Jaffa landete, empfing ihn Benjamin an der Spitze der vornehmsten Juden, übergab ihm dieVorräthe, die er angehäuft hatte und lud ihn ein, in sein Haus nach Liberias zu kommen und dort zu wohnen. HeracliuS war hocherfreut, daß er unerwartet solche Freunde fand im Lande des Feindes. Er war sehr huldreich gegen Benjamin und nahm dessen Einladung freundlich an. Zugleich mit dem Kaiser kamen zwei Jünglinge nach Liberias und ließen sich nach dem Hause Ben^ jamins führen. Als sie vor dem Hausherrn erschienen, trat der Eine von Beiden auf Benjamin zu, ergriff dessen Hand und rief: „Gelobt sei Gott, der mich den Mann erblicken läßt, welcher mir das Leben errettete, noch ehe ich daS Licht der Welt erschaute!" „Du bist ....?" fragte Benjamin. „Bostanai, der Sohn Hunna'S, Deines Freundes und Waffe, geführten." „Bostanai, der letzte Sprößling Davids, den der Perserkönig an seinem Hofe erziehen ließ? Und wie kommst Du heute hierher? Und Bostanai erzählte Alles, was sich ihm ereignet hatte. Aufmerksam hörte ihm Benjamin zu; dann führte er die beiden Jünglinge vor den römischen Kaiser und ließ sie dort ihre Erzählung wiederholen. „Mein Herr und Kaiser," schloß Bostanai seinen Bericht, „wenn Du den Juden ein gnädiger terrscker sein wolltest, so könnten sie Dir die größten lenste leisten. Der König von Persien hat mein Volk zu wiederholten Malen auf das Blutigste verfolgt, so daß sie gern die Gelegenheit ergreifen würden, sein hartes Joch abzujchütteln." „Nun wohl," sprach der Kaiser, „ich will einen Bund mit Euch schließen. Was verlangt Ihr von mir?" „Nichts," entgegnete Benjamin, „als daß Du uns schützest und uns in Rübe und Frieden leben läffest. Dagegen wollen wir Deine Heere verpflegen und Deinen Kriegern Vorschub leisten, wo wir nur können." „Und ich," sagte Bostanai, „ich will Dich nach Persien begleiten. An den Ufern des Euphrat und des Tigris wobnen meine Stammesgenoffen in großer Anzahl. Wenn ich, der Nachkomme Davids, sie aufrufen werde, so ergreifen sie die Waffen und sammeln sich unter meiner Fahne. Dann werden wir Dir Helsen, die Perser zu bekämpfen und sie unter Gottes Beistand besiegen." Da befahl der Kaiser seinem Geheimschreiber, diese Punkte auf Pergament zu schreiben. Nachdem das geschehen, setzte er seinen Namen und legte sein Siegel darunter. Benjamin und Bostanai thäten dasselbe. Darauf ließ sich der Kaiser das Bild des Stifters seiner Religion bringen, küßte es und schwur, den Vertrag getreulich zu halten. Benjamin aber und Bostanai legten die Tephillin an, hüllten sich in das Thalith, nahmen ein Jeder die heilige Thorarolle in den Arm und schwuren, also zu thun, wie der Kaiser es hatte niederschreiben lassen. Unterdeß hatte der Perserkönig ein Heer gesammelt und es dem HeracliuS entgegengeschickt. Der Kaiser säumte nicht, die feindlichen Schaaren aufzusuchen. Die Juden begleiteten ihn und hielten getreulich die übernommenen Verpflichtungen. Benjamin verpflegte unentgeltlich das kaiserliche Heer und versorgte es mit Brod, Fleisch und Wein. Bei JssuS, wo einst der macedonische Alexander die Armee des Perserkönigs Darms Codomannus besiegt hatte, kam eS zu einer blutigen Schlacht. Durch ein Scheinmanoeuvre täuschte der Kaiser die Feinde und brachte ihre Reihen in Unordnung; er wußte' seine Schaaren so zu lenken, daß die Persir die Sonne im Gesichte hatten. Am Abend desselben Tages erfuhr die Welt, d^ß die bis dahin für unbesiegbar gehaltenen Perser besiegt worden und daß HeracliuS , der früher als ein Feigling und Wollüstling verschrieen war, sich plötzlich in einen Helden umgewandelt hatte. Im Triumph kehrte der Kaiser nach Palästina zurück, voll Dankbarkeit für die großen Dienste, die ihm Benjamin von Liberias geleistet hatte. Aus Jerusalem war die persische Besatzung entflohen, und voller Jubel öffnete die heilige Stadt dem Kaiser ihre Thore, ihn als Erretter begrüßend. Heraclius zog barfuß und im Büßergewande in Jerusalem ein. Der Patriarch Modestus kam ihm mit allen Geistlichen entgegen und führte ihn in die Grabkirche, wo HeracliuS sich zu Boden warf, die Steinplatten des Estrichs küßte und für den wunderbaren, kaum erwarteten Sieg der Mutter des Stifters seiner Religion dankte; denn ein Bild derselben , das für wunderthätig galt, war dem römischen Heere vorangetragen worden, und der Kraft dieses Bildes schrieb man den Sieg zu. O, er war sehr fromm, der Kaiser HeracliuS! Dies hinderte ihn jedoch nicht, mit einer nahen Verwandten, Martina, einen Umgang zu pflegen, den seine Kirche als blutschänderisch brandmarkte. (Forts, folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortlicher Redacteur: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von I. Gottsleben m Mainz.