Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1870)
- Date
- 1870-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Amerika. New - Kork. Das Board af DelegateS entwickelt für dqS von der All. jiSr. organisirte Werk dex Einwanderung russischer Glaubensgenossen große Thätigkeit; bereits hat sich in ffrew-Aork ein Comitö hierzu gebildet. (Jew. Meff) Feuilleton. ZL o st a n a i. Line historische Erzählung aus dem 7. Iuhrhundejrt der gew. Zeitrechnung.) XVII. Kaiser HeracliuS. Unsere Leser werden sich erinnern, daß HeracliuS, der Sohn des Statthalters von Afrika, den Tyrannen PhocaS stürzte und statt seiner Kaiser wurde. teraclius aalt Jahre lange für einen Feigling und Wollüstling. Als KoSroßs auf'S Neue seine Heere gegen Konstantinopel sandte, als die Avaren das römische Reich mit Krieg überzogen und Beide, Perser und Avaren, bis an die Thore der Hauptstadt des römischen Weltreichs, bis an die Thore von Konstantinopel vordrangen und die Porstädte zerstörten, da dachte HeracliuS daran, aus Europa zu entfliehen und seine Residenz nach Carthago zu verlegen, «schon war Alles zur Flucht vorbereitet, als der Patriarch von Constantinopel davon erfuhr. Er eilte zum Kaiser , stellte shm das Schmachvolle seiner Handlungsweise vor und ruhte nicht eher, bis ihm HeracliuS in die Sophienkirche fosgte und am Mare schwur, sich zu ermannen und für die Völker einzustrhen, die Gott seiner Führung anvertraut hatte. HeracliuS versuchte eS nun zuerst, mit den Avaren. zu unterhandeln. Der König der Avaren bewilligte ihm eine Unterredung. Voller Freude zog der Kaiser mit den vornehmsten Römern vor die Thore der Stadt. HeracliuS trug die Krone auf seinem Haupte, die römischen Senatoren waren in Prachtgewänder gehüllt, um durch den Glanz ihrer Erscheinung den Avaren Achtung cinzuflößen. Aber sie erreichten gerade das Gegentheil. Geblendet von all dem Golde, all der Seide und den vielen Diamanten des Kaisers und seines Gefolges, wurden die Avaren von Habsucht erfüllt. Sie sielen über die Römer her, um sie zu tödten und zu berauben. Nur der Schnelligkeit seines Rosses verdankte der Kaiser seine Rettung; er nahm sein Diadem in die Hand und jagte den Stadtthorcn zu, die sich hinter ihm schlossen, wahrend die römischen Patricier in die Hände ihrer treulosen Feinde fielen. Besser gelang; er HeracliuS, mit den Persern Unterhandlungen anzuknüpfen. Der persische Feldhert Sain empfing den Kaiser auf's Ehrerbietigste in der RÜHe von Ehalcedon und versprach, eine Gesandtschaft zuKoSroöS zu führen und den Frieden zu vermitteln. Der Oberste der Leibwachen, der Präfect der Hauptstadt und ein Bischof reisten mit Sain nach Destagevd, um demüthig «den Frieden von KoSrosS zu *t* flehen. KoSroes war im höchsten Grade erzürnt über Sain. „Nicht eine Gesandtschaft," schrie er den Feldherrn an, „hättest Du vor meinen Thron führen sollen, sondern den gefesselten Kaiser!" Sain wurde zum Tode verurtheilt. Die Gesandtschaft aber bekam den Auftrag, dem HeraelkrS zu melden, daß KosroLs Frieden schließen wolle, wenn das römische Reich ihm einen jährlichen Tribut zahlen würde von 1000 Talenten in Gold*), iOOO Talenten in Silber **), 1000 seidenen Gewändern, 1000 edlen Rosien »nd 1000 schönen Jungfrauen. Als die Gesandten diese trostlose Antwort nach Konstantinopel brachten, raffte sich HeracliuS auf, um der tiefen Demüthigung zu entgehen. Die Schätze der Kirche mußten ihm dazu dienen, Truppen zu werben; mit 200,000 Goldstücken erkaufte er den Abzug der Avar«i, und nachdem er für die Befestigung und den Schutz seiner Hauptstadt Hegen das drohende persische Heer gesorgt hatte, schiffte er sich mit den neugewovbenen Kriegern ein, um in Asien zu landen und! den Kampf nach Persien zu verlegen. Während so Rom und Persien sich zu einem Verzweiflungskampfe auf Tod und Leben rüsteten, zagten und bangten bie Juden in beiden Reichen. Ach, von jeher hatte das arme, unterdrückte, in der Zerstreuung lebende Juda am Meisten zu dulden, wenn die Nationen sich bekämpften. Der Sieger ließ stetseinen Uebermuth an den Juden, der Besiegte ließ immer seine Wuth an den Juden aus.' Namentlich hatte Angst und Besorgniß die Inden von Palästina^ ergriffen. Sie hatten sich dem jüdischen Heere angeschlossen, das dir Schaaren des Perserkönigs verstärkte , sie hatten mit den Persern gemeinsam Rom bekämpft, Jerusalem erstürmt, Aegypten erobert, und wie halte es ihnen Kosroe's vergolten? Mit Mord und Todtschlag, mit Unterdrückung und unerträglicher Steuerlast. Jetzt zog der römische Kaiser herbei mit einem mächtigen Heere. Wird er nicht Rache nehmen dafür, daß die Juden einst mit den Persern gegen die Römer gekämpft? Um dem zuvorzukommen, hatte Benjamin von TiberiaS die sorgfältigsten Vorkehrungen getroffen. Große Vorräthe hatte er ange- *) 15,600,000 Thal er. **) 1,300,000 Thaler.