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Der Israelit · 1870-04-27 · Heft 17 (27.4.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 17 (27.4.1870)
Date
1870-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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$06 m verweig rbe und ihm erklärt wurde, dast ev dazu gfzwUNg'N werden könne, antwortete «r, daß er sich d«t Gewalt fingen müsse und leistete den Erd nach jüdischem Ritus. Oesterrerchisch Ungarische Monarchie. Wietz. Wie man dem „P. L." auSWlen berschtet, hat daS KriegsministeriuNt eine wichtige Weisung an die Truppeükommandanten ergehen küssen, nach we^chkt dieselben verpflichtet sistd, dafür zü fürflest, daß die Mannschaft zu deiner gottesdienstlichen Handlung gezwungen werde. . SSSten, 9. April. (Prozeß Bardach.) Ängeklägt erscheint Jiak Bardach aus Hemberg, 22 Jahre alt, mosaisch, ledig, Lehrer, bisher unbeanstandet. Im Jahre 1868 verließ er die Präparandie, bekam zuerst eiye, Hofmeisterstelle und wurde dann Lehrer am isr. Täubstummen-Jnftitute. . , Der Anklage entnehmen wir folgende Momente: Seit Oktober 1869 befand sich Jsak Bardach im allgemeinen israelitischen Taubstummen-Jnstitute in Wen chts provisorischer Lehrer. Am 18. Februar Nachmittags erhielt er, weil er während des Unterrichts emen taubstummen Knaben derart mit einem Stäbchen gezüchtigt hatte, daß dasselbe zerbrach, von dem Direcür Zoel Deutsch eine scharfe Rüge. Zugleich wurde ihm bedeutet, doß, er für den Fall einer Wiederholung ferne Entlafsuug zu gewärtigen habe. Er erwiderte, ix könne auch gleich gehen. Dies bAimmte den Director, den Auftrag zu geben, daß Bardach das Irr* Mut sofort zu verlassen Habe und nicht mehr in dasselbe eingelassen werben durste. Am folgenden Morgen erschien Bardach im Zimmer des DirectorS und es entspcmn sich ein Streit darüber, ob Bardach für seine ohneKundigunfl erfolgte Entlassung eine Entschädigung zukomme. Bei dieser Gelegenheit versetzte Bardach Herrn,Deutsch zwei Stiche mit einem Taschenmesser, m Folge dören er heute wegen schwerer körperlicher Beschädigung angektagt erscheint. Nach der Angabe des Angeklagten wäre er zu dieser ThAt durch die Verweigerung der Vergütung für die Kündigungsfrist und durch eine körperliche Mißhandlung gereizt worden. Datzegen gibt der Zeüge Herr Direktor Deutsch über den Vorfall Folgendes an: Herr Bardach wollte eine Entschädigung für die Kündigungsfrist und im Institute noch vierzehn Tage verbleiben. Ich erklärte ihm, daß er seinen Gehalt bis zum heutigen Tage haben könne; wegen des anderen solle er klagen. Er insultirte mich, ich drängle ihn zur Thüre, bekomme «mf einmal zwei Stöße, sehe aber weder ein Messer, «och ein anderes Instrument, fühle aber «inen furchtbaren Schmerz. Ich trete in's Nebenzimmer, sage, ich muß verletzt sein, eö wurde sin Arzb geholt, der mich durch zwei Stunden pflegte. Präs. Hatten Sie den Rock offen? — Zeuge. Geschlossen, sonst weiß ich nicht, ob ich so leichten Kaufes davon gekommen wäre. Präs. Der Angeklagte behauptet. Sie hätten ih« geschlagen. — Zeuge. Ich habe bereits eidlich depomrtß. daß ich ihn nicht geschlafen habe. Präs. Warum erhoben Sie einen Anstand wegen der Entschädigung für die vierzehntägige Kündigungsfrist? — Zeuge. Ja, ich hielt ihn nicht für berechtig^ dieselbe $u fördern, weil nicht ich ihm, sondern er mir gekündigt hat. Präs. Wie lange waren sie berufSunfahig? — Zeuge Deutsch: Eils Tage. Ich bitte übrigens den hohen Gerichtshof die größte Milde gegen den Ungesagten walten zu lassen. Präs. War der Angeklagte aufgeregt? — Zeuge. In Rücksicht auf sein Temperament und sein Alter war er sehr aufgeregt. Präs. Er behauptet, Sie wollten ihm etwas abziehen für das Stübchen? — Zeuge. Von dem was gar keine Rede. Es werden zwei Zeugnisse verlesen, in welchen Bardüch als besonders ruhig ustd liebevoll in des Behandlung von Kindern geschildert wird. Nachdem der Präsident constatirt hat, daß der Angeklagte seit dem 18. Februar bis heute in Haft sich befindet, folgen die Plaidoyers. Sowohl der Staatsanwalt als der Vertheigis pllndkeen für die ausgedehnteste Anwendung dts Mildkrungsrechtes. Der Gerichtshof mochte hievon auch Gebrauch, indem er den Angeklagten wohl des Verbrechens der schweren körperlichen Beschädigung für schuldig erkannte-, jddvch ihn nur zu einem Mönäle einfachen Kerkers vörurtheill. Wien. IN der $adjt Ndm 29. auf den 26 v. Ät. waren m rveitomisefll, wie uns foon dort geschrieben wird, an den Straßenecken Plakate aufgeklebt , welche zur SkeiÜrverweü^erüng und zur Vertreibung der Juden und Beamten auffordtztsdn. Dieselben würden des MorgöNs theils vön den Bürgerst, tMs von der Polizei entfernt. Nach den 'Uthebern diöjes Bubenstückchens wird gefahndet. Wien. Für die erste israelitische Blindenanstalt gingen weiter 6000 fl. mit 365 fl. jährlichen Beitragen ein. F r a n k r e i ch. Paris. Herr Paul Fuld wurde zum Rittet der Ehrenlegion erstannt. Paris. Herrn Albert Cohn ist es in kurzer Zeit gelungen, 12710 Frcs. für die Nothleidenden in Jerusalem zu sammeln.

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