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Der Israelit · 1870-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1870) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1870)
Date
1870-04-13
Page
– (sequence 20)
Language
German
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288 Gefänzntß hat bet eken ^ehen, fo wi b er dich ohne Bedenken einlassen; wo nicht, so zeige ihm dieltn Ring, den mir der Kön'z gegeben und ver dir Gehorsam sichert. Es ist der Siegelring des Königs von Persien. Hast du das Gefängniß betreten, so wende dich links und zähle an der Mauer die großen Quadersteine bis zum zwanzigsten; sind keine zwanzig dort, so zähle, von vorn wiederanfangend weiter, so lange so fortfahrend, bis Du zur Zahl Zwanzig gelangest. Der zwanzigste Stein läßt sich zur Seite schieben; den, so über ihm, kann man nach oben und die zwei unter ihm nach unten schieben. Dann bildet sich eine Oeffrmng groß genug, dnrchzuschlüpfen; durch sie gelangt man in einen langen aufwärts führenden, bequemen Gang; am Ende desselben ist eine Pforte, deren Schlüssel von innen steckt; sie führt ins Freie!" Dara küßte dankbar ihre Mutter; dann bereitete sie sich vor, in der kommenden Nacht das Rettungöwerk auszuführen. Als der König und Dara die Gefangenen verlassen hatten, bedeckte Bostanai sein Gesicht mit beiden Händen und weinte laut. Achai suchte ihn zu trösten. „Mein Freund, mein Bruder," sprach er, „wie bin ich so froh, so stolz, daß ich mit dir sterben darf! Wahrlich, Bostanai, Du hast soeben eine größere Versuchung überwunden als unser Vater Abraham. Du hast Leben, Freiheit, Ehre, Macht, Neichthum und den Besitz der Geliebten geopfert unserem Gotte! Deine That, Bostanai. ist groß; größer als dle Thaten Chariauja's, Mischaels und Asarja's, größer als die Daniel's. Und wenn Du hundert Jahre lebtest ein Leben der Frömmigkeit und Gottesfurcht, du könntest in hundert Jahren den Namen Gottes nicht mehr heiligen als Du es soeben gethan! Heil Dir, Bostanai, und wohl mir, daß von dem Glanze Deiner Thaten auch auf mich ein schwacher Schein fällt!" „Mein Ächai," entgeguete Bostanai, „was aber soll aus den Traditionen unserss Volkes werden, das aus Davids Geschlecht den Erlöser erwartet?" -> „„Kann denn,"" fragte Achai, „„der allmächtige Gott, der die Todten beleben wird, nicht die Lebenden Erhalten trotz des TodesbtzfehleS des persischen Königs?"" Knarrend öffnete sich nunmehr die Kerkerthüre. Auf der Schwelle erschienen Dara und die alte Snleika. „Dara!" rief Bostanai, „Dara. du kömmst, um von dem zum Tode Verurteilten Abschied zu nehmen und Du zürnest mir nicht?" „„Und warum sollte ich Dir zürnen? Ich habe Dich innig geliebt, Bostanai; aber seitdem ich gesehen, daß Du wie ein Mann Alles hinzugeben bereit bist, für das, was Dir die Wahrheit ist, seitdem liebe ich Dich nicht allein, ich bewundere. Dich!"" „Du evle Jungfrau! ach, daß ick schon sterben muß, daß ich Dir Deine Treue und Liebe nie vergelte« kann." „„Du wirst nicht sterben; ich werde Dich retten, $5idj und Deinen Freund!"" Und sie sing an, eifrig die Steine zu zählen; bald hatte sic beit zwanzigsten Stein gefunden unb die Oeffklung hergestellr. „„Hier, schlüpft hinein,"" sagte sie dann, „„Ihr und Snleika; Suleika wird Euch die Laterne, die ich mitgebracht, vorantragen. Am Ende des Ganges findet Ihr e-ne Thüre; der Schlüssel steckt von innen; schließt auf und Ihr befindet Euch im Freien. Dann stlehet, aber nicht nach Mechusa, denn dort würde man Euch am Ersten suchen. Suleika verschließt hinter Euch die Thüre und kehrt zu mir zurück; wir schieben dann die Steine wieder zurecht, und Niemand wird wissen, wie so Ihr entkommen seid."" Starr vor Erstaunen hatte ihr Bostanai zugeschaut und zugehört. Jetzt rief er: „Nicht doch, theure Dara, ich werde so nicht entfliehen! Dich würde der Verdacht treffen und der Zorn Deines Vaters." ' „„Fürchtenichts,"" entgegnete Dara, „„Niemand weiß von diesem Geheimniß außer uns und. meiner Mutter, die es mir vertraute. Sie hat es von Ferhad, dem Erbauer dieses Schlosses erfahren. Doch eile, Bostanai, sonst verrinnt unnütz die Zeit. Schon am frühen Morgen soll das Urtheil an Euch vollstreckt werden!"" „So sei es denn," sprach Bostanai; „danken kann ich Dir nicht, Dara; aber ewig werde ich Dein gedenken! Q, möchte Gott mir die Gnade erweisen, möchte er mir die Gelegenheit bieten, Dir all das Gute, was Du mir gethan, zu vergelten. Lebe wohl, Dara, Gott schütze Dich!" „„Gott schütze Dich, Bostanai!"" Suleika war bereits mit der Laterne in die Oeffnung geschlüpft; ebenso Achai; als Bostanai ihm folgen wollte, reichte ihm Dara einen Beutel voll Goldstücke. „„Da nimm,"" sagte sie, „„Ihr werdet auf Eurer Flucht des Geldes nicht entbehren können."" Bostanai nahm das Geld. „Dank," rief er, „nochmals Dank. Gott vergelte Dir all das Gute, was Du mir erwiesen." Bald waren die Drei an den Ausgang des ThurmeS gelangt. Fest eingerostet war der Schlüffe!; aber Suleika hatte Oel und einen Pinsel mitgebracht. Nachdem sie das Schloß bestrichen, drehte sich der Schlüssel, und Bostanai und Achai stürzte» ins Freie. „Lebe wohl, Suleika, grüße die Prinzessin," flüsterte Bostanai; dann eilte er mit Achai davon. Sie wanderten die ganze Nacht hindurch und käme« am Morgen in einem Dorfe an, wo sie den TaK

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