Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 15-16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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266 «betreiben, und spricht Mt böhmisch, ungarisch und . serj bisch. Er sollte Geistlicher werden und da er sich da- , gegen weigerte, muhte er daö Kloster verlassen und kam dann zu einem getauften Juden, einem gewissen! Fischer in Pest ins Haus. Dieser war an den Glie-! l'bern gelähmt und längere Zeit ans Bett gefesselt. ’ Von Schmerzen gequält, bereute er, daß er seiner Mutterreligion untreu geworden und glaubte seinen j Fehltritt dadurch zu sühnen, indem er auf dem Todten» Lette Herrn Slavy eindringlichst ermahnte, sich dem .Judenlönme anzuschließen. Herr Slavy lebte seit «dieser Zeit meist unter Jsrae'iten, deren Sitten und . Bräuche er liebgewann, und fest überzeugt von der > Wahrheit und dem hohen Werthe ihrer Religion, faßte; er den Entschluß, Jude zu werden. Doch konnte er früher seinen Plan in Oesterreich und resp. in Ungarn nicht ausführen, da das Gesetz es noch nicht gestattete. Dann kam er zum Militär, diente aber nur 2 Jahre, : denn er wurde blessirt und mußte entlassen werden. Nun erst war es ihm möglich, >en lang gehegten Wunsch zur That zu macken — er will nun seine Studien fortsetzen und durch Unterricht sich seine Existenz verschaffen. — Es bildet dieser Fall eine Ausnahme von den gewöhnlichen Uebertritten, denen zumeist dre Liebe als Motiv zu Grunde liegt. — (Gegenwart.) IkeHfchow. Einige judenfeindliche Blätter melden, daß in Reßsckow die Juden Excessen ausgeübt, weil ein jüdisches Mädchen zum Christenthum übergegangen iü. Wir fühlen uns verpflichtet, die Sache ' richtig zu stellen. Die Nachricht von dem Uehertritt des Mädchens ist einfach erfunden, das aber ist wahr, daß ein jüdisches Mädchen aus seinem väterlichen Hause verschwunden ist. Man glaubte, daß ein Militär es entführte, es haben sich daher einige Juden, meistens Verwandte des Mädchens vor der Kaserne versammelt und wollten Nachfragen, wo das Mädchen hingekommen ist. Der Aufenthalt des Mädchens ist bis jetzt unbekannt. (Lemb. Zeit.) Frankreich- Paris. Herr Armand Hayrm wurde zum Privatsecretär des Justiz, und CultuSministerS ernannt. (Un. isr.) PirriS, Der Commissionsbericht über die Petition des Herrn Bloch, Chef-Redakteurs des Un. Isr., --'über die der Senat zur Tagesordnung übergegangen, hebt unter Anderem hervor, daß man, obgleich dieselbe ein wohl durchdachtes und mit triftigen Gründen versehenes Schriftstück ist, auf das in derselben gestellte Verlangen, den isr. Gemeinden die directe Wahl ihrer Rabbinern gestatten, erst dann eingehen könne, wenn die Initiativedazu von den Gemeinden ausgehe. Dieser Ausspruch des Senats ist won größer Wichtigkeit. An den Israeliten Frankreichs liegt es nun, das ihnen bisher entzogene Wahlrecht in Bezug auf ihre Cultusbeamten zu verlangen. Paris. In dem Ramenöverzeichniß der Professoren des kaiserl. Prinzen, welches jüngst die Zeitungen veröffentlichten, befindet sich auch Herr Levi (Israelit) Professor am Colleg Louis des Großen, welcher den kaiserlichen Prinzen in der deutsche« Sprache und Literatur unterrichtet. (Un. isr. » Italien. Florenz, 14. März. Arturo Iessel, fast noch Jüngling, ist in Folge seines schriftstellerischen Ruhmes auf dem Gebiete der Naturwissenschaften zum Professor an der Universität zu Nizza berufen worden. In einigen Tagen wird derselbe im Aufträge der Regierung eine wissenschaftliche Reise nach dem Orient antreten. Sein nächstes Ziel find die Küsten am persischen Golf. Männer der Wissenschaft hierlandS setzen große Hoffnungen auf die Reise, aus der den auch hier beliebt gewordenen Naturstudien erheblicher Gewinn erwachsen kann. Aber auch auf fremdem Boden wird dem Talente der italienischen Juden manche Auszeichnung zu Theil. Dem Fürsten von Rumänien ist neulich etwas Menschliches begegnet. Er überhäufte den Jmpressario der italienischen Oper in Bukarest mit den größten Auszeichnungen. Herr Franchetti componirte anläßlich der Rückkehr der Fürsten eine herrliche Cantate, die mit Meisterschaft von den Mitgliedern der änSgezeichneten Oper im Theater zur Begrüßung des h. Gastes executirt wurde. Ein werthvvllcr Ring mit Smaragden reich besetzt, drückte unter vielen kostbaren Geschenken die Gunst und den Dank des Fürsten aus. Wie überrascht würde Fürst Carlos sein, aus dem „Educafcore Israelit.a“ zu erfahren, daß Herr Franchetti ein florentiner Jude und zwar der ganz traditionellen Richtung angehörig ist. (Berl. Zeit.) Mailand. Die Vvlksbank in Mailand wollte ihrem Präsidenten, Herrn Luigi Luzatto, eine goldene Metaille im Werthe von 1000 Fr. geben. Herr Luzatto ersuchte jedoch die Administration, diese 1000 Fr. zu Wohlthätigkeitszwecken zu verwenden. — Herrn Alexander Malvier, welcher von einem ital. Journal verleumdet worden war, wurde von dem Gerichte eine Entschädigung von 3000 Frs. zuerkannt, welche er an verschiedene wohlthätige Anstalten vertheilte. — Herr David Levi hat mehreren iSr. und christl. Anstalten zur Unterstützung von Armen die Summe von 30000 Fr. und 1000 Fr. dem Oberrabbiner vermacht, außerdem bestimmt er er eine große Summe zum Bau einer neuen Synagoge in Florenz. (Eouc. isr.) 4£>iari, 18. März. Aus Tunis wird. gemeldet: Ein fanatischer Türke tödtete und verwundete