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Der Israelit · 1870-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1870) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1870)
Date
1870-04-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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-in den Seminar-Untexricht; aber bei allen schriftlichen Arbeiten muß auf schöne Handschrift, Sauberkeit rc. gesehen werden." Aber Klingenstein und pädagogische Wissenschaft; Klingenstein und wissenschaftlicher Ernst!! Jedoch das Schönschreiben interessirt ihn so wenig als der Gesang dieser Anstalt; narpa vp ia^ -isn nb 3n:n *). Er möchte gerne haben, daß wir vor lauter Schönschreib-Unterricht den jüdischen Unterricht aufgeben, damit es keine Lehrer gebe, die das Hebräische besser verstehen, als Herr Klingenstein; die wären der Verführung durch sein Blättchen allerdings leichter zugänglich, als solche, die etwas wiffen und können. DaS ist des Pudels Kern. Denn da an der Anstatt alle wissenschaftlichen Fächer, welche in irgend einem Seminare betrieben werden, und in Bayern gesetzlich betrieben werden wüsten, gelehrt werden, als: Deutsche Sprache, Aufsatz, Lektüre und Literaturgeschichte, Algebra und Rechnen , Pädagogik und die Geschichte derselben, Geographie und Weltgeschichte, Physik, Naturgeschichte und Landwirthschaft, (und das weiß Herr Klingen» stein und seine Correspondenten wohl. sonst würden sie den Mangel gewiß nicht verdeckt haben); da ferner die bis jetzt entlassenen 22 Zöglinge die Prüfung mit guten und theilweise recht guten Noten erstanden haben: so kann man sich die Frage: .iav iam und die feine echt Klingensteinische Bezeichnung „Verdummungsanstalt" nur aus unerhörter Frechheit und aus dem Aerger erklären, daß an dieser Anstalt auch Dinge gelehrt werden, von denen Herr Klingenstein nichts versteht, als da sind: ‘pn iDia nso, üik «n ,«naa ,nwe /an. Das Hebräisch« scheint für Herrn Klingenstein verdummend zu sein, wie einem Bauern die kirnte vergehen, wenn man chm ein arabisches oder griechisches Buch vorhält. Sagen Sie immerhin Verdummungsanstalt, so dumm werden die wenigsten Zöglinge dieser Anstalt sein, daß sie an Ihrem Speck anbeißen. Auch die Gabe der Prophetie schreibt der Herr und sein Correspondent sich zu und stellt der Anstalt ein sehr schlimmes Prognostikon. Wohl sagen unsere Weisen: B'vi^ ,inoj ruro anpan ma airw oro, das wird aber keinen Vernünftigen veranlasten, jede Narrheit für eine Weistagung zu halten. Freilich: 53,000 fl., sage dreiundfünfzigtausend und so und so viel hundert Gulden und noch Kreuzer dazu in fünf Jahren für einen rein jüdischen Zweck aufzubringen, das muß einem Klingenstein wie ein Stein km Herzen liegen, das muß drücken und schmerzen. Sie sagen, das Geld sei zusammen gebettelt; versuchen Sie'S auch, betteln Tie einmal nur so viel Kreuzer für Zwecke Ihrer Art, ob man *) ES wird sich irgend ei« Schulknabe befinden, der Herrn Klingenstein die hebräischen Citate übersetzt. Ihnen das -Vertrauen schenkt.- Sie sagen, Fürt^ gebe grundsätzlich nichts, ich weiß nicht, ob.chaS wahr ist; die kolossale Hauptsumme hat auf mich (wie auf Sie. nur in anderer Weise) einen so überwältigenden Eindruck gemacht, daß ich die einzelnen Posten gar nicht betrachtete; jedenfalls kommen auch Fürther Spenden vor. vielleicht sind unter den anonymen Gaben auch solch« von Fürth; wrnn daS aber AlleS nicht wäre, so hätte eS auch nichts zu sagen; von den Neologen in Fürth läßt sich nichts erwarten für diese Zwecke, die Orthodoxen aber haben eine vortreffliche Schule gegründet, mit drei Lehrern besetzt, dafür ein Haus für 20,000 fl. erworben und diese Schulewirkt bereits so segensreich ganz im Sinn und Geist der israelitischen Lehrerbildungsanstalt, daß Sie gewist den gleichen Aerger darüber empfinden; wir aber freuen uns so sehr über das Gedeihen dieser Schule, daß wir gar nicht daran denken, die Fürther sollen uns Spenden zuwenden, so lange sie deren im eigenen Haushalte bedürfen*). Dreiundfünfzigtausend und so viele hundert Gulden , das ist freilich eine große Summe, man kann nicht anders, man muß sich darüber ärgern; noch mehr aber muß man lachen über die Narrheit, bie- Narrheit, die da glaubt, sie könne die frommen Spender dieser Summe abwendig machen, wenn sie ihnen vorlügt, es werden in der Anstalt, für welche sie gespendet worden, nicht genug Geig- und Schönschreibübungen vorgenommen. O, der Einfalt! Diese Gaben fließen aus einer ganz anderen Quelle, sie fließen aus dem unbegrenzten Vertrauen, das Se. Ehrwürden, der HerrDistrikts-Rabbiner n"3, mit Recht und selbst nach dem Zugeständnisse des von Ihnen citirten mittelfränkifchen Blattes genießt. Dieses Vertrauen zu erschüttern, das werden Sie einsehen, Herr Klingenstein, sind Sie mit Ihrem Schweif von Correspondenten zu klein, zu unbedeutend. Seien Sie versichert, Sie werden an dieser Anstalt, wie sehr Sie auch darnach gelüsten, nicht einmal die traurige Berühmtheit eines Herostrat erlangen, selbst dazu sind Sie zu klein, zu unbedeutend. Wenn Sie klug wären mit Ihren Correspondenten, so würden Sie sich ob der Zukunft dieser Anstalt keine grauen Haare wach-» sen lasten, haben Sie nicht genug an dem Aerger, den sie Ihnen in der Gegenwart bereitet? ES ist ein. trauriger Trost, die Trauben bitter zu schelten, wenn, sie zu hoch hangen. Sie meinen, die Anstalt stehe und falle mit zwei Augen, ich glaube, sie stehe bloL auf einem Auge, dem himrylischen inai i6n D’j'Ky* und das genügt; darum immerhin: ap' -Qi nai ivvn nsy unp *) P. S. Ei, da fällt mir nachträglich ein, daß ei» in WrU» Wohnender baare SOüüfl-, sage fünftausend Gulden gespendet hat; wer hat re Ihrer Achawa so viel gegeben?

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