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Der Israelit · 1870-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1870)
Date
1870-04-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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LS0 fBttUtt* Mit einem sinnigen ErinnerungSgrschenke hat der Kronprinz den hiesigen Stadtrath Meyer MagnuS am 17. v. M. überrascht. Cs ist dies ein in Form eines Briefbeschwerers hier bearbeiteter Stein, den der Kronprinz aus Jerusalem mitbrachte. Derselbe ist mit einer hier angefertigten hebräischen Inschrift versehen, welche bekundet, daß dieser Stein dem ehemaligen jüdischen Tempel zu Jerusalem entnommen ist. (Berl. Ztg.) <Gingefandt.) WürzHurg. ~o. Adar II. Aus der Hand eines Bekannten erhielt ich dieser Tage Nr. 10 des „Klingenstein'schen Israelitischen Lehrers." Ich sage aus'der Hand eines Bekannten, denn ich möchte bei Ihnen und anderen vernünftigen Leuten mich nicht dadurch in Mißkredit bringen, daß ich die Meinung bestehen lasse, ich stehe zn diesem Blättchen auch nur in der passiven Beziehung eines Lesers. Ich kenne die Klingensteinische Leere zu gut, um je Appetit zu solchem Kohl zu bekommen, und wenn die Achawa neben ihren Geldgeschäften auch nicht das der Propaganda zum Ruin des Judenthums betriebe, so müßte Jedem schon der Umstand, daß sie einen „Klingenstein" mit der Redaktion ihres Organs betraut, die Lust zur jBetheiligung verleiden. Wer aber diesem Vereine nicht angehort, der wird doch gewiß dieses Blättchen nicht lesen. Die genannte Nummer nun enthält einen Artikel gegen die Israelitische Lehrerbildungsanstalt dahier. der, wie sich daS in dem Klingenfteinischen Makulatur nicht anders erwarten läßt, an Lüge und Gemeinheit der Gesinnung Ausgezeichnetes bietet. Es fällt mir nicht ein, eine Widerlegung 511 schreiben, denn man darf nur den Namen Klingensteins und seines Blättchens Horen und man weiß, mit wem und mit was man es zu thun hat, wo die Lüge Princip und Zweck ist, da ist jede Widerlegung vergeblich. Aber dm Spaß kann ich mir nicht versagen, Klingenstein seine Mephistofreude über den vermeintlichen dieser Anstalt gespielten Spuck zu vergällen. Ich denke, eine meiner abendlichen Erholungsstnndeu sei damit nicht ungeeignet ausgefüllt. ES wird im genannten Blättchen mit Hinweis auf einen Artikel in einem Mittelfränkischen Blatte behauptet, es bestehe in der israelitischen Lehrerbildungsanstalt „das Verbot aller und jeder Uebung eines musikalischen Instruments." Vor dem Angesichte der ganzen Welt nenne ich denjenigen, der das behauptet, einen Lügner, und in Anbetracht deS Zweckes, der ausgesprochener Maßen der Verbreitung dieser Lüge zu Grunde liegt, einen boshaften Lügner. Denn so lange die Anstalt besteht, dür, fen diejenigen Zöglinge, welche bei ihrem Eintritt die i Violine spielen können, sich darin üben und eS wird | Keiner behaupten können, daß ihm in dieser Uebung je eine Beschränkung auferlegt worden ist und es ist immer eine erkleckliche Anzahl der Zöglinge, bisher fast immer die Hälfte, die sich in dieser Lage befindet. Bezüglich der Musik befinden sich die Zöglinge der genannte': Anstalt entschieden in einer besseren Sage, als die israelitischen Zöglinge am Königlichen Seminar, insofern letztere, mit äußerst seltenen Ausnahmen, weil sie die nöthige Vorkenntniß nicht mitbringen, weder Musik noch Gtsangunterricht erhalten, wahrend die Zöglinge der israelitischen Lehrerbildungsanstalt 3 Jahre lang regelrechten Gesangunterricht von einem der ersten Gesanglehrer WürzburgS erhalten. Aber was liegt daran dem Klingenfteinifchen und dem Mittelfränkischen Anonymus, wahrscheinlich ein Kaufmann oder Krämer, es ist ihm nicht um den Gesang zn thun, der jüdische Geist, der jüdische Unterricht , das ioo; ist ihnen ein Dorn tat Auge «nn wnioi, mag's mit dem Gesang stehen wie e« will, irrff nw rw w, ich kenne den Mann und sein Gewäsch. Es wird ferner behauptet, „Se. Ehrwürden, Herr Distrikts - Rabbiner Bamberger habe den Schönschreib-Unterricht an der Anstalt so einschränken wollen, daß der betreffende Lehrer erklärt habe, er könne sein Ziel nicht erreichen, wenn nicht wöchentlich zwei Stunden ertheilt werden." Abermals behaupte ich im Angesichte der ganzen Welt, wer das behauptet ist ein Lügner und in Anbetracht des Zwecks, der ausgesprochener Maßen der Verbreitung dieser Lüge zu Grunde liegt, ein boshafter Lügner. So lange die Anstalt besteht, werden wöchentlich 3 Stunden Schönschreib-Unterricht ertheilt, es war nie die Rede davon, diese Zeit zu beschränken und der betreffende Lehrer, einer der ersten Kalligraphen Würzburgs, hat um so weniger Ursache. sich über dieses Zeitmaß zn beklagen, da er noch Zeit hat, verschiedene sogenannte Zier - Luxusschriften zu üben. Auch hier leistet die Anstalt mehr, als sie gesetzlich müßte; denn nach dem Königlichen Regulativ über die Lehrerbildung in Bayern vom Jahre 1866 ist in den Seminarien gar kein Schönschreib-Unterricht mehr zn ertheilen. Wäre Herr Klingenstein oder sein Correspondent ein Lehrer, nicht das Wrack eines solchen, könnte man sich mit ihm in eine wissenschaftliche Erörterung einlassen, so würde ich ihm beweisen, daß dieses Regulativ mit dieser Anordnung ganz auf de« Standpunkt der modernen pädagogischen Wissenschaft sich befindet. Ich würde ihm sagen, daß, um nur ein Beispiel anzuführen, ein jüngst erschienenes Merkchen (die Ziele der modernen Lehrerbildung von vr. H. Zwick, Berlin 1869), welches den fortgeschrittensten Standpunkt aus pädagogischem Gebiete einhält (Seite 38) die Behauptung aufstellt: „Eigentliche Schreibübunge« (Schönschreiben) gehören nicht mehr

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