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Der Israelit · 1870-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1870)
Date
1870-04-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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278 lsMch frei; stab tz>ix es auch geistig?' Wird Israel, -gS lHbHch frqji -Worden, auch geistig frei bleiben? ES liegt also die Frage nahe: Wie must' der Israelit heutigen Tages leben, um im Besitze der äußeren, bürgerlichen Freiheit die innere, geistige Freiheit nicht zu verlieren? Die Antwort auf diese Frage gibt uns die Thora in einer Vorschrift, betreffend den Genuß des Peßach- Lammes. ES heißt nämlich zur Stelle: 2 B. M. Eap. 12 V. 9. bw ^a nrn iwa "irra,- nx i?3xi viipax' anno bjt mao?. Das Fleisch sollen sie essen in dieser Nacht am Feuer gebraten, mit ungesäuertem Brode und bitteren Kräutern sollen sie es verzehren. I. 7!!."! 7ld'72 TW Ö3N1. Das Fleisch, das ist das irdische Leben, das sind die sinnlichen Lebensgenüsse; das Fleisch, das ist das rechte Bitdes sinnlichen Lebens, der niederen Sinnengenüsse. DaS Fleisch ist vergänglich, schnell verwest es. Während die menschlichen Gebeine oft Jahrhunderte erhalten bleiben, verwest das Fleisch nach Monden. Auch das irdische Leben, es vergeht schnell; der Reiz der Sinnengenüsse, er ist nicht von Dauer; er zerstöret und zersetzet oft das Leben gleichwie der Wurm den menschlichen Leib. ntr. 7ii"72 ixon nx t»x\ Sie sollen das Le- :$en genießen in dieser Nacht des irdischen Daseins scw '72 geläutert und veredelt durch das heilige Feuer des Glaubens. Unser irdisches Dasein nenne ich Nacht, in Rücksicht der Unklarheit und Beschränktheit unseres geistigen Blickes. Unser geistiges Auge ist umnachter, ist getrübt und verdunkelt, so lange wir hienieden in irdisch^ Hülle waizdeln. Die großen Rächsel des Gebens, sie bleiben uns ungelöst, tausend Erscheinungen unerklärlich. Warum so oft das Unrecht siegt und das Recht unterliegt; warum so oft der Meise darbt, während - oer Thor praßt; warum dem Mnen, oft dem Unwürvigften, das Glück nachjagt, ih» ohize Mühe und ohne Verdienst mit Schätzen überhäuft, während einen Anderen, oft den Edelsten und Würdigsten das Unglück unbarmherzig verfolgt; warum der Gottlose oft ein hohes Alter erreicht, während der Fromme in der Blüthe seiner ^Jahre ins Grab sinkt;' warum die unschuldigen Kindlein leiden, die Sünden uud Laster ihrer Eltern büßen müssen; auf diese und ähnliche Fragen vermag der .Weiseste nicht anders als mit den Worten der heiligen Schrift zu antworten: xaan 'nbtt -ipnn 'dt cron -nsn «aan nv n^an -iy dx? Gott ist gerecht und seine Wege sind unerforschlich. In der Thar, unser Leben ist Nacht, aber nicht finstere Nacht, sondern eine mond- und sternenhelle Nacht. So viel Licht, als der Erdenpilger aus seiner Lebensweise nothig hat, so viel Licht hat ex; so ja|pr Licht spenden ihm der Mond und die Sterne: „d^er Mond", der mit seinem reinen milden Lichte hen Erdenpilgern leuchtet, das ist die heilige Thora, das geoffenbarte Wort Gottes, „die Sterne" das find die Weisen, die am geistigen Himmel der Menschheit glänzen. ir. v; x ’ b a nir, 7Y>'h2 -wan na TdaxT. In dieser Lebensnacht müssen die Lebensfreuden genosien werden px 'Pa geläutert und veredelt durch das" heilige Feuer des Glaubens. Das Feuer ist es, das die Speisen genießbar macht: Der Glaube ist es, der dem L ben den rechten Genuß, der ihm Weihe, Werth und Bedeutung verleihet. Wie nichtig, wie schal und leer ist das Leben ohne Glauben! Nehmet dem Menschen den Glauben an Gott, an die Unsterblichkeit seiner Seele und ihr nehmet ihm sein geistigs Leben, ihr erniedrige: ihn zum Thiere und tobtet an ihm alles höhere Streben. Wozu sollte der Mensch streben, sein geistiges Ich zu veredeln, seine Seele zu läutern, sein Leben zu heiligen, wenn mit diesem Leben sein Dasein endet? Wird dem Menschen der Glaube an Gott, an die höhere Weltordnung geraubt, .dann erschlafft, dann schwindet sein Serben nach Heiligung seiner Seele, seines Lebenswandels. Es bleibt ihm nur dieses irdische Leben mit seinen irdischen Freuden und Genüssen. Der Arme, der auf diese Lebensgenüsse zu verzichten gezwungen, der noch obendrein mitNoth und Elend zu kämpfen hat, ihm wäre ein solches Leben zur Last; ihm wäre das Leben eine grenzenlose Wüste ohne erquickende Oase, eine endlose, stnftere Nacht: er, müßte der Verzweistung zur Beute werden. Der Reich: aber, der sich "keinen Lebensgruß zu versagen braucht, er würde nichts Höheres als die Freuden der Sinne kennen, diesen würde er unaufhörlich nachjagen, nach ihnen streben. Jedes edlere, höhere Streben erstickte in seinem Herzen, und feine Seele würde — wie unsere Weisen sagen — ihres heiligen Gewandes entkleidet: der Mensch sinkt zum Thiere hinab. Darum sagt die Thora: ttw nrn rtt'ba -wart nx 6aw. Das Leben muß vom Glauben seine Weihe empfangen, die Lebensgenüsse mästen vom Glauben und durch den Glauben geheiligt werden. ir. pt »dt bw '72 mn ,-6’^a -upan nx ibaxi. Mir n»ao b. h. mit williger Entbehrung und freudiger Derzichtleistung auf die vom Gesetze verbotene Lebensgenüsse. Wie muß der Jsraelite heutigen Tages leben, um über die äußere leibliche Freiheit, die innere geistige. Freiheit nicht zu verlieren? Er muß die Freuden und Genüsse, die ihm das Lebe» darbietet, mit Wahl uud Einschränkung genieße«.

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