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Der Israelit · 1870-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1870)
Date
1870-04-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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276 „Härme Dich nicht, mein Achak," entgegnete Bostanai, „was ich gethan, würde ich in jedem Augenblicke wieder thun; ich habe auch die Hoffnung noch nicht verloren. Gott hat dem David versprochen, daß sein Geschleckt nicht untergehen soll, und ich bin der Letzte aus Davids Stamm. Horch, hörst Du nicht Tritte nahen? Siehe, die Kerkerthüre öffnet sich. Der König!" Bostanai und Achai fielen, als der König eintrat , mit dem Antlitze zur Erde nieder, den Boden küssend. „WaS hast Du gethan, Bostanai?" rief ihm der König entgegen. „Stehe auf, ich habe mit Dir zu reden!" „Was ich gethan habe, o König?" sagte Bostanai, als er sich erhoben hatte, „ich habe die Braut meines Freundes vor roher Gewaltthat geschützt." „Du hast SassanS heiliges Blut vergossen, das in Schirueh's Adern stießt - Du mußt sterben." Bostanai schwieg. „Bostanai, mein Kind," fuhr der König zu reden fort, „ich hatte Dich lieb gewonnen, mehr als den eigenen Sohn — warum hast Du mich also betrübt, so daß ich gezwungen bin, Dein Todesurtheil zu besiegeln?" „Der König der Könige," entgegnete Bostanai, „hat das schöne Vorrecht, Gnade üben m können." „Doch nicht in diesem Falle; ich würde den eigenen Sohn mir zum Feinde machen. Du mußt sterben, Bostanai. Weißt Du, wem Dein Tod am meisten Schmerz wird verursachen?" „Meine Mutter Zaletha, mein Großvater Kaphnai und alle meine Stammesgenossen werden meinen Tod beklagen." „Doch mehr als sie Alle wird Dara um Dich weinen. Du siehst mich fragend an? Za, Dara. das einzige Kind meiner geliebten Sckerihn liebt Dich!" „Und Du, o König, sagst mir das, um mir den Tod noch bitterer zu machen?" „Also liebst auch Du sie?" „Wie durste ich rö wagen, mein Auge zu der Tochter meines Königs zu erheben?" „Und wenn Dara eine Tochter Deines Volkes wäre?" „,,O, dann würde ich mich glücklich schätzen! Und wenn sie eine Bettlerin wäre, ich würde sie mit Stolz und Freude zu meiner Gattin machen!"" > „Bostanai, mein Kind, ich will Dir das Leben schenken; noch mehr, Du sollst nach meinem Tode aus meinem Throne sitzen. Meine Diener, die. Aerzte, werden dafür sorgen, daß Schirueh's Wunde einen tödllichen Ausgang nimmt. Komm an mein Herz, Bostanai, sei mir ein guter, dankbarer Sohn!" Der König streckte dem jüdischen Jünglinge die Arme entgegen; dieser aber blieb unbeweglich stehen. „„Herr,"" sprach er, „„Du überschüttest mich mit Deiner Gnade. Werden aber Deine Völker einen König über sich dulden, der nicht zn Ormuzd und Ahriman betet?"" „Thörichter Knabe," lachte der König, „freilich wirst Du Dich öffentlich zur Religion der Perser bekennen müssen; in Deinem Herzen magst Du immerhin dem Gotte der Juden anhangen." „„Nicht einen Augenblick lang werde ich meinen Vater im Himmel, den Allmächtigen, den Schöpfer der Welt verleugnen."" „Du sprichst wie ein thörichteS Kind. Wenn Du erst der König der Könige sein wirst, so kannst Du befehlen, daß alle Deine Unterthanen zu Deinem Gotte beten. Bis dahin freilich mußt Du Dich vor den Göttern der Perser bücken." „„Niemals, großer König, niemals werde ich eine solche Sünde begehen."" „So mußt Du sterben!" „„So werde ich lieber sterben!"" Da ging der König hinaus, und kam wieder herein, Dara an seiner Hand führend. „Kind," sprach er zu der Prinzessin, „ich habe ihm Gnade und Leben und Deinen Besitz angeboten. Er aber will l'eber sterben." „„Ich will lieber sterben."" sprach Bastanai, „„als den Gott meiner Väter verleugnen!"" „Boßanai," sagte Dara weinend, „mein Vater hat mir gesagt, daß er Dich zu seinem Nachfolger und zu meinem Gatten bestimmen will. Eine schöne Zukunft liegt vor uns. Gemeinsam könnten wir arbeiten zum Heile der Völker, könnten Deiner Weisheit gemäß gute und schöne Gesetze geben — ist eine solche Zukunft nickt eines kleinen OpserS werth?" „„Daa,"" rief Bostanai, in Thränen auSbrechend, „„warum gesellst auch Du Dich zu denen, welche mich betrüben? Du bietest mir Leben, Freiheit, die Aussicht auf ein n glänzenden Königsthron, ja, Du bietest mir Dich selber — allein mebr als Leben, Freiheit, Königsthron, ja, mehr als Dich, Dara, liebe ich meines Gottes Gebot, welches mir befiehlt: „Laß dich eher tödten, denn daß du den Götzen dienest." Ach bin bereit, zu sterben."" „So stirb, Jude," rief KosroöS erzürnt; „ich aber bin frei von dem Schwure, den ich einst im Traume geschworen." Er zog die weinende Dara mit sich fort. Noch an demselben Tage Unterzeichnete und besiegelte er Bostanai's Todesurtheil. (Forts, in der zweiten Beilage.) Hierzu fünf Beilagen. . Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck. von I. GottSleden in Mainz.

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