Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 15-16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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27L Synagoge, welche die conservative Partei für lange zu Ende gekommen hielt, doch endlich riß und dieselben abdankten. Erstgenannte Versammlung faßte leider noch immer den fruchtlosen Beschluß, auf dem Wege der Beschwerde höhern Orts unser Recht und unsere Gewissenöfreihet durchzmetzen. Eitles Bemühen! — DaS leidige Judengesetz ist, wiewohl vor der öffentlichen Meinung schon längst gerichtet, doch noch viel zu fest im Sattel. Es muß dies offenbar mit weitergebenden StaatSfrazen Zusammenhängen, sonst wäre wahrlich nicht einzusehen, weßhalb das Ministerium aus dieser antidiluvianischen Atmosphäre durchaus nicht heraus will. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch von einer andern Versammlung meist derselben Herren berichten, die auch durch rituelle Vorgänge hervorgerufen wurde. Es handelte sich diesmal um die cnon rrcn. Diese hatte im alten Berlin natürlich dieselben Grundzüge wie überall, nämlich: persönlich die Liebesdienste non D'non Dy pffiytt*, zu thun. In neuerer Zeit wurde auch dieses anders; «pJOB' ist nickt mehr modern, wahrscheinlich mit der Bildung unverträglich, und daher kommt es, daß diese so poetische Seite des jüdischen Bruderlebens, dieser so kostbare Zug gemeindlichen Zusammenlebens, daß der Bruder den Bruder nicht verläßt in dessen letzter Stunde, daß dieser unter dem herzinnigen vrnL" pnw der versammelten Freunde seinen Odem aushaucht, — alles dies zu den übrigen heiligen Observanzen gelegt, die alle über Bord geworfen sind. Einsam und verlassen erwartet hier der Israelit die verhängnißvolle Stunde, man weiß nicht wer snann b'j2 ist. um im entscheid denden Momente zu ihm zu schicken, und wenn dies auch geschähe? — Der hat ganz andere Sorgen. Statt daß früher sogar -H3L3 n^On verlassen wurde, um noch zur notso recht zu kommen, würde man jetzt aus unüberwindliche Hindernisse stoßen, die sich des Abends an Namen wie die Lucca, am Tage etwa wie die des Schulze^Delitzsch hängen. So findet das Sterbezimmer, waS vielleicht nirgends in jüdischen Kreisen geschieht, kein Bruderherz vor, öde — einsam — verlassen. Und von der Sterbestunde an und weiter? Alles geschieht durch Miethling', durch Söldner im Kostüm. Obige Gesellschaft will, ohne sich gerade prinzipiell von Neuberlin abzusondern, wozu eS auck höchst wahrscheinlich in dieser Beziehung bald kommen muß, den alten so unbeschreiblich schönen poesievollen Bruderdienst wieder aufrichten und constituirt sich zu dem Zwecke, diese letzten Liebesdienste, wie in allen jüdischen Gemeinden bei den Mitgliedern persönlich zu leisten. Da dieser Verein nur eine beschränkte Mitgliederzahl aufnehmen will, so ist zu erwarten, daß er wirklich inS Leben trete, und dadurch der altjüdische Brauch wenigstens nicht ganz der Vergesienheit anheim fallen wird. ES thut dies aber auch sehr Noth. Es ist unmöglich, sich davon eine Vorstellung zu mache», wie sehr hier seit Herkunft Geigers alle Schleusen der destructiosten Fluthen geöffnet, die hungrigen Raben über das vermeintliche „AaS" herfallen, wie geschäftig die Kärrner zu thun haben, wo die Könige der Reform niederreißen. Da kriechen alle die Religionslehrerlein und Duodezphilosophen aus ihren Schlupfwinkeln, werfen ihre bisher wenigstens halb das Gesicht verhüllende Larve ganz ab, und leisten allerdings — noch nicht Dagewesenes. Von hohem Interesse ist in diesem Genre ganz besonders, und zwar ebensowohl als Beitrag zur Geschichte der modernen sogenannten Religionsschulen als auch zu der — der Tollhäusler der letzthin verbreitete löte Bericht über die Gemeinoeresigionsschule mit einem Vorworte d?s Direktors Or. Kirsch stein. ^r§nmentum opusculi: Kein Mündiger wird heute noch so kindisch sein zu glauben, daß auch nur ein Sterbenswörtchen in der min in engerem Sinne — d. h. mehr als die griechische Mythe oder etwa die indische Mythologie, —- wahr sei. Abraham, Hercules, Numa, Siegfried — toute meine chose! — Sie haben über diese kulturhistorisch nicht uninteressante Schmähschrift Specialbericht erhalten (S. Nr. 14), daher verlasse ich dieselbe hier, und will nur den Schluß berähren, um daran den Faden anzuknüpfen, vr. K. sagt, daß obgleich an dem Pentateuch nichts wahr als dessen Unwahrheit man doch aus „pädagogischen Gründen" den Kindern — das Gegentheil sagen müsse. Die ganze an Originalität nichts zu wünschen übrig lassende Schrift macht auf jeden Unbefangenen den Eindruck, daß sie vorzugsweise, vielleicht gar ausschließlich um eines Leserö willen geschrieben, nämlich des pontifex maximus der Reform, mit dem man in der „Jugendgemeinde" ebenbürtig concurriren will. — Nun, der kluge D irektor gebrauchte, wie gesagt, noch einige Vorsicht. Allein pw nDDn pK "i nsy p«i runn» Dieser ^nan n"3 ließ zu der am 3. d. M. abgehalkenen öffentlichen Prüfung auch den pontifex maximus erscheinen; dies mochte wohl einem Lehrer der Anstalt, Ur. Egers, Muth und Entschlossenheit eingeflößt haben, den Ritter ohne Furcht und Tadel zu spielen, alle „pädagogischen Gründe" in den Wind zu schlagen und den Kindern, sowie der geehrten Versammlung in einer Ansprache Neuigkeiten aufzutischen, wie: ob unser Gesetzbuch in JosuaS Händen gewesen, wissen wir nicht u. dgl. m.!!! — Bei diesen Worten verließen denn doch einige der Zuhörer in höchster Jndigation den Saal. — Einer der Vorsteher hingegen, ein Herr Baschw'tz, seit mehr als einem Decennium fast allein die Seele der Verwaltung, war ebenfalls bei dieser Prüfung, ging um ein Uhr nach Hause, brack zusammen und starb sofort!!! Schließen wir mit der Erwähnung eines 3io w.