Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1870)
- Date
- 1870-04-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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252 rüan nannte ihm Ktesiphon als die Stadt ihres Aufenthaltes und sagte ihm, daß sich Sara zu einem dortigen Verwandten ihres Vaters begeben habe. Schirueh eilte nach Ktesiphon und suchte dort das Mädchen vergebens. Jetzt merkte er, daß man sie vor ihm verborgen hielt. Er beschloß, zu schweigen und ruhig einen günstigeren Zeitpunkt abzuwarten. Da Prinz Sckirueh nichts mehr von sich hören ließ, so glaubten Abun und seine Frau, er habe den flüchtigen Eindruck vergessen, den Sara auf ihn gemacht. Nichtsdestoweniger warteten sie drei Monate, bis zum Tage vor der Hochzeit, ehe sie die Tochter zurückkehren ließen. Aber Cchirueh, der eine einmal gefaßte Neigung nur dann aufgab, wenn er feine Lust befriedigt hatte, war nicht müssig gewesen; er hatte Kundschafter bestellt, die ihn von Allem benachrichtigten. So erfuhr er am Tage der Hochzeit von Sarahs Rückkehr. Unterdeß war das Hochzeitsfest mit großer Pracht vorbereitet. Die vornehmsten Juden von Destagerd, unter ihnen Bostanai, waren im Hause Abrin's versammelt. Im Garten am Hause war ein Baldachin aufgerichtet, unter welchem der Bräutigam stand, die Braut erwartend. Unter den Klängen der Musik wurde diese von der Mutter und andern Frauen herzugeführt. Da drang, gefolgt von gewaffneten Dienern , Prinz Schirueh in den Garten, das nackte Schwert hoch in seiner Rechten haltend. Er eilte auf die Braut zu und umfaßte sie mit dem linken Arme. Erstarrt standen die Eltern und Gäste; mit einem furchtbaren Schrei stürzte Achai auf Schirueh zu, um ihm die Braut zu entreißen. Der Prinz erhob die mit dem Schwerte bewaffnete Rechte, um Achai den Kopf zu spalten. In demselben Augenblicke sprang Bostanai herbei und durchstieß mit seinem Dolchmeffer Schiruvh's Arm, so daß dieser gelähmt herniebersank und das Schwert der Hand' entfiel. Achai hob das Schwert auf, um auf den jetzt wehrlosen Schirueh einzudringen. Da stürzten dessen Diener herbei, ergriffen Bostanai und Achai und fesselten sie. Dann zogen sie den Dolch aus der Wunde des ohnmächtig gewordenen Prinzen, aus der das Blut emporspritzte. Hierauf nahmen sie ihren Herrn und ihre beiden Gefangenen und brachten sie in den Palast des Königs. Der König erschrak, als er das Geschehene vernahm; er befahl, Schirueh zu Bette zu bringen und ihn zu verpflegen; die beiden Gefangenen aber ließ er in das festeste Verließ seines Schlosses bringen. Am andern Tage versammelte der König die sieben Fürsten von Persien und Medien und ließ sie Gericht halten über Bostanai und Ackai. Die Fürsten sprachen über Beide das TodeSurtheil. „An Achai," sagte der König, „mag das Urtheil vollstreckt werden; allein Bostanai — Ihr wißt> was ich einst im Traume geschworen." „Was Du im Traume geschworen," sprach der Erste der Fürsten, „bindet Dich nicht. Der Frevler aber, der das Blut Deines Sohnes, der Saffan'S heiliges Blut vergossen, muß sterben." „Ist nicht," sagte ein Anderer der Fürsten, „Deines Sohnes Blut das Deinige? Mußt Du nicht um Deiner selbst willen mit dem Tode den Frevler bestrafen, der es gewagt, dies geheiligte Blut zu vergießen?" Der König schwieg; dann befahl er, das TodeSurthcil auszufertigen, damit es mit des Königs Siegel besiegelt und nachher vollstreckt werde. Abun hatte, nachdem er sich von dem Schrecken erholt, einen Eilboten nach Mechusa zu Rabbi Kophnai geschickt; dieser eilte sofort mit Jalelha nach Destagerd; Beide begaben sich zum Könige. „Herr," sprach Rabbi Kaphnai, „gedenke Deines Schwures. König David wird den Tod feines letzten Enkels an Dir rächen." „Ich bin frei von meinem Schwure,", antwortete der König. „Nicht ich sende ihn in den Tod, sondern die Gesetze Persiens." „Dir ober, o König," eNtgegnete Rabbi Kaphnai „Dir steht das Recht zu über Leben und Tod, Du kannst Bostanai begnadigen!" «Ich will aber nicht!" rief der König, .^,ich würde meinen einzigen Sohn zu meinem Feinde machen!" Da warf sich Jaletha vor dem Könige, nieder und umklammerte seine Knie. „Herr," rief sie , „Du hast meinen Gatten in den Tod geschickt und meinen Schwiegervater rmd^Me die Mnnen; nun willst Du auch noch mein Kind tödten lassen! Laß mir mein Kind, König, O, zerbrich nicht das verzweifelnde Mutterherz. Laß mein Kind, mein Kind nicht tödten!" Da wandte sich der König ab und befahl, Vater und Tochter hinwegzuführm. — (Forts, f.) Berichtigung. Im Hauptblatte Nr. 13, S. 230, H. Spalte oben, wolle man statt „Berli r, 21. Nov." 21. Mär, lesen. Briefkasten der Redaction. Herr I. N. in H.: Zu schwülstig; schreiben Sie doch einfacher und frankiren Sie gefälligst Ihre Briefe. — Herr G. I. in B.: Es ist nicht gestattet. — Herrn Jud. St. in H.: In der heutigen Spendekiste. Hierzu zwei Beilage«. Verantwortliche Stedaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schrn Hotbuchhandlung. — Tampf-Schnellpreffendruck von I. GottSleben in Mainz. ,